Festspiele Erl: Die Schweiz in den Tiroler Bergen

Gioacchino Rossini - Guglielmo Tell, Premiere: 08.
Foto: Tiroler Festspiele Erl / APA-Fotoservice / Xiomara Bender honorarfrei

Zum Auftakt: Szenisch ambivalente Realisierung von Rossinis Oper „Wilhelm Tell“

Bereits die ersten, wunderbar weichen Töne der fünf Solocelli lassen aufhorchen. Dann wird bei Gioacchino Rossinis letzter Oper „Wilhelm Tell“, mit der die diesjährigen Sommerfestspiele in Erl eröffnet wurden, vom populären Marsch-Galopp bis   hin  zum grandiosen Schlusschoral  temperamentvoll und nuancenreich musiziert.

Gustav Kuhn lässt als Dirigent in „seinem“ Orchester von den überwiegend jungen Musikern die Melodik  mit großer Anmut wie auch die dramatischen Steigerungen gewaltig erklingen.

Seltsam: Die Regie

Hingegen kann es der dirigierende Intendant nicht lassen, auch Regie zu führen. Und diese hinterlässt, wie so oft, einen mehr als ambivalenten Eindruck: Vor einem stilisierten Landschaftsbild (Alberto Troisi) werden ständig seltsam anmutende weibliche Baumfiguren herumgeschoben. Sie dienen den im einheitlichen Braun ausstaffierten Schweizern als Zufluchtsmöglichkeit.

Zudem lässt Kuhn immer wieder weiße Würfel ohne erkennbaren Grund herumtragen. Aufgemotzt wird die wenig vorhandene Personenführung durch ein reichlich eingesetztes Ballett (Katharina Glas). Plakativ, aber imposant ist die Apfelschuss-Szene, bei der sich eine überdimensionale Armbrust und ein großer, später zerberstender Apfel von der Decke   senken, während darunter der verhasste Landvogt Gessler   dreckig grinsend sitzt.

Gut: Die Sänger

Eindeutig auf der Habenseite sind auch die Sänger, gewählt wurde die italienische Fassung: Allen voran singt Anna Princeva mit ihrem koloraturen- und höhensicheren Sopran die Habsburger Prinzessin Mathilde. Giulio Boschetti gibt den   Volkshelden stimmkräftig und facettenreich. Sein Sohn Gemmy ist bei Bianca Tognocchi mit ihrem hellen Sopran in den besten Händen. Seine Mutter Hedwig wird von Anna Lucia Nardi glasklar gesungen. Ferdinand von Bothmer fehlt es für die schwierige Partie des Arnold  an Durchschlagskraft und   mancher Höhe.

An   Bühnenpräsenz fehlte es auch Giovanni Battista Parodi als Gessler. Gut besetzt sind die  kleineren Rollen, bei denen   Edoardo Milletti als Fischer heraussticht.  Der viel beanspruchte, hauseigene Chor singt wunderbar. Kurzer Jubel!

(Wiederholung: 22. 7. 2016, Infos und Tickets: tiroler-festspiele.at).

(KURIER/Ingeborg Muchitsch) Erstellt am
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