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Kritik
07/05/2013

Retz: Kirchenoper mit Bezug zum Heute

Benjamin Brittens „The Prodigal Son – Der verlorene Sohn“ beim Festival in Retz

Enjoy yourself!“, schmeichelt der Versucher und lädt zur Teilhabe an der Konsum- und Spaßgesellschaft ein.
Ein junger Mann fällt drauf rein, macht mit, bringt alles durch – und doch gibt es für ihn eine (Er-)Lösung, ihn erwartet ein vergebender Vater.

Benjamin Britten hat als Stoff seiner Kirchenparabel „The Prodigal Son“ das bekannte Gleichnis aus dem Lukasevangelium gewählt und den theologischen Kern psychologisch unterfüttert.
Mit der heurigen Produktion des Festivals Retz in der Stadtpfarrkirche St. Stephan gelingt eine beglückende Umsetzung der Kirchenoper.

Bühnenraumgestalter (und Intendant) Alexander Löffler lässt einen streng geometrischen Portikus auf den Altar hin fluchten; rechts wird die Konstruktion symbolhaft brüchig, gibt aber dafür den Blick auf die Kanzel frei. Auf der so entstandenen Spielfläche entfaltet Monika Steiners klare Regie das Geschehen in Bildern von starker Wirkung.

Augenzwinkernde Verweise ins Heute: Zum Aufbruch in die weite Welt stattet der Versucher den jungen Mann nicht nur mit Rolex und Goldketterl, sondern auch mit einem iPhone aus.

Mephistophelisch

Daniel Johannsen zeigt einen Anpassungsverweigerer auf Selbstfindungstrip, der auch auf seinem Weg durch diverse Laster reiner Tor bleibt – entsprechend setzt er auch seine Stimme mit makelloser Klarheit und strahlender Leichtigkeit ein.

Der Versucher (The Tempter), die mephistophelisch inkarnierte innere Stimme des Jünglings, wird von Stephen Chaundy mit samtigem Timbre und einschmeichelnder Phrasierung gestaltet.

Zum Vater, einem Mann mit Lebenserfahrung und tiefer Einsicht, würdevoll auch in Momenten tiefer Erschütterung, passt der noble gereifte Bariton von Michael Kraus perfekt – wirkungsvoll kontrastiert er mit Günter Haumer als älteren Sohn, der als angepasster Musterbruder das Abgrenzungsbedürfnis des Jüngeren noch verstärkt.

Der Chor (Leitung Hannes Marek) schlüpft spielfreudig in verschiedenste Rollen, das Kammerensemble – jede(r) Einzelne mit solistischen Qualitäten – unter Andreas Schüller entfaltet im Hall des Sakralraums farbreiche Klangkombinationen.

Ein Muss für Musiktheaterenthusiasten!

KURIER-Wertung: ***** von *****

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