Kultur
22.01.2018

"Fast & Furious" als PS-Show mit viel Brumm Brumm

Weltpremiere. "Fast &; Furious" – Action-Film-Szenen als Live-Show.

Das Parfum des Abends kam aus dem Auspuff. Der gar nicht diskrete Duft von verbranntem Treibstoff war die keineswegs unerwünschte Nebenwirkung in der O2-Arena in London: Geruchskino zu einigen in eine Live-Show übersetzten Stunt-Szenen der amerikanischen Actionfilm-Serie Fast & Furious.

Jetzt brettern also die tollkühnen, meist zum Stanitzel auftrainierten Männer mit Vollglatze und nabelfrei präsentierten Girls in den auffrisierten Boliden nicht nur durch Testosteron-Bleifuss-Streifen im Kino, sondern mit Karacho live durch die Arena: Abgesehen von den bemüht coolen Sprüchen der Präsentatoren im Playback.

Vollgas-Helden

An dem Ort, wo 2009 Michael Jackson 50 Konzerte geben wollte, für die in wenigen Stunden eine Million Tickets verkauft wurden, ehe der "King of Pop" 18 Tage vor der Opening Night starb, gab’s am Freitag vor 6750 Premierengästen viel Brumm Brumm und noch mehr Imponiergehabe: Auf einer überraschend kleinen Spielfläche röhren und heulen, fauchen und furzen die Motoren der aufgemotzten Boliden. Dazu: entfesselte E-Gitarren und knallharter Beat zu den quietschenden Reifen von bis zum Überdruss um sich selbst kreiselnden Autos.

Ganz am Anfang tritt Vin Diesel ins Rampenlicht, klein und unscheinbar. So gar kein Alphamännchen im wirklichen Leben. Hätte er sich eine Krawatte umgebunden, man hätte gedacht, er wollte Bausparverträge verkaufen.

Lektion 1: Im wirklichen Leben schrumpfen Bigger-Than-Life-Leinwandhelden.

Der Action-Hero sagt "Whow, whow" – und damit ist auch alles gesagt über das Blechkübel-Ballett.

Effektbombast

Das führen von 250 ernsthaften Bewerbern ausgewählte elf Stunt-Fahrer auf. Sie lassen nach dem Motto "Entertainment im Geschwindigkeitsrausch" die Flitzer tänzeln und scharwenzeln, bis einem die Heckschlenker in permanenter Wiederholung ein Gähnen ins Gesicht zaubern.

Lektion 2: Jedes Medium hat seine Gesetzmäßigkeit. Und weil es wie im Theater auch beim Live-Spektakel keine Schnitttechnik wie im Film gibt, muss die Live-Action mit Video-Zuspielungen, 3D-Projektionen und pyrotechnischen Gags garniert und mit Maschinengewehrgeknatter aufgepeppt werden.

Zum Einsatz kommen auch Original-Fahrzeuge oder detailgetreue Nachbauten – vom Flip Car bis zum Dodge Charger aus dem Jahr 1970, in dem Vin Diesel als Dom Toretto im Film rasante Straßenrennen fuhr.

Eine in fünf Jahren entwickelte bombastische Show für Autonarren um mehr als 25 Mio. € Produktionskosten: Für die der Sound eines V8-Motors Musik ist.

Eine drängende Frage für die Benzinbrüder, bei der Premiere zum Teil in Jogginghosen: Wie viel Gummi lässt sich wie schnell vernichten? Production-Manager Rowland French hat es berechnet: "Bei den Proben waren es 100 Reifen pro Woche. Auf Tournee werden es 6500 Reifen pro Jahr sein."

Wem sich der sinnentleerte Spaß an brennenden Motorhauben, an heißen Schlitten im Dauer-Schleuder-Modus und an Tschin-bummkrach-Exzessen durch die Luft fliegender Flitzer nicht erschließt, ist hier fehl am Platz.

Lektion 3: Aber weil die Liebe zu schnellen Autos universell, die simple Dramaturgie von Autorennen über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg leicht zu verstehen ist, darf man auch diesem Spiel mit ungezähmten Pferdestärken getrost Erfolg voraussagen.

Info:Fast & Furious Live, 9. bis 11. 2.; Wiener Stadthalle. Karten: 01/253 888 www.fastandfuriouslive.com