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Interview zu "Die schönen Tage"
10/21/2013

Fanny Ardant: "Glück ist eine ewige Suche"

Der französische Star über schöne Tage, die Liebe und das Altwerden.

von Susanne Lintl

Fanny Ardant ist eine der schönsten und wildesten Frauen des französischen Kinos. Eine, die gewohnt ist, dass die Männer mit ihren Blicken an ihr kleben. Wie jene von François Truffaut, der die Ardant für seine letzten Filme zu seiner Muse erkor. Minutenlang ließ er in seiner Film-noir-Hommage „Auf Liebe und Tod“ die Kamera über Fannys schöne Beine streifen, um sie erst danach als ganzes strahlendes Wesen zu zeigen.

Nun ist die Ardant 64, ist noch immer schön und unangepasst – wie ihr neuer Film „Les beaux jours/Die schönen Tage“ unter der Regie von Marion Vernoux (Kinostart: 25.10.) beweist.

KURIER: Im deutschen Sprachraum gibt es den Satz „Alter ist nichts für Feiglinge“. Würden Sie dem zustimmen?

Fanny Ardant: Durchaus, das stimmt wirklich. Altern ist wie der Tod – man ist zum Tode verdammt und das Altern ist das Vorzimmer dazu. Da muss man durch, es hilft nichts. Die feigen Menschen betteln darum, die Zeit anzuhalten. Die Couragierten marschieren aufrechten Hauptes durch. Ich habe mich schon beizeiten darauf eingestellt, dass ich alt werde. Dass mein Körper nicht mehr so herzeigbar und makellos ist. Ich kann also damit umgehen.

Hatten Sie auch so viele schöne Tage in Ihrem Leben wie Ihre Filmfigur Caroline, eine gut­situierte Zahnärztin, die mit einem jungen Mann die Liebe neu entdeckt?

Für mich waren die schönsten Tage jene meiner Kindheit in Südfrankreich. Ich habe meine Eltern und das Nest, das sie mir geboten haben, vergöttert. Danach, als ich größer wurde, ist alles schwieriger geworden. Wenn ich jetzt an schöne Tage denke, dann denke ich immer an morgen. Nicht an das Vergangene und nicht an die Zukunft. Ich lebe in der Gegenwart, im Heute und Morgen, nicht weiter. Und wenn ich etwas Schönes meine, dann denke ich nicht an Ruhm oder Geld, sondern ans Glück. Das Glück ist ein Moment, eine ewige Suche. Etwas, das nicht greifbar ist. Man muss es stets suchen, um es zu finden.

Ist „Die schönen Tage“ die Geschichte einer Emanzipation?

Ja, das ist es. Es ist der Weg einer Frau von Punkt A nach Punkt B und dieser Weg führt die Frau an eine wichtige Kreuzung: Biegt sie bei dieser ab oder geht sie den gewohnten Weg mit ihrem langjährigen Ehemann und ihrer Familie weiter? – Und sie biegt ab. Emanzipation heißt für mich, mit seiner Freiheit etwas anzufangen. Auch wenn dieser Schritt Risiken birgt. Man muss für den Reichtum in seinem Leben selber sorgen.

Sie haben ein ausgeprägtes Freiheitsbedürfnis und hatten nie Probleme damit, Ihre Meinung zu sagen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der alles glattgebügelt ist. In der es eine gemeinsame Sprache gibt, auf die sich alle einigen, eine, die meist nichts aussagt. Ich kann mich diesem dummen Konsens nichts anschließen. Ich mag die Provokation, das Destabilisieren, und wenn es nur für einen Moment ist. Jeder hat heute Angst, seine Meinung zu sagen. Man schwimmt im Strom mit. Aber es ist doch unser Reichtum, dass wir widersprüchlich sind. Wir dürfen nicht immer gütig und nett sein wie eine Madonna. Ich erlaube mir, auch richtig wütend zu sein. Es gibt kein gelungenes oder verpatztes Leben, nur ein gelebtes. Und ich verliere darin gern die Kontrolle.

Könnten Sie sich vorstellen, nicht mehr für Theater oder Film zu arbeiten?

Nein, denn ich liebe meinen Beruf, und zwar leidenschaftlich. Als Schauspielerin wird man nicht zu alt für seinen Beruf. Niemals. Ich will jedenfalls meinen Weg zu Ende gehen.

Trailer: "Die schönen Tage"

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