Louis Garrel und Valeria Bruni Tedeschi als Paar in "Ein Schloss in Italien", einer der Eröffnungsfilme des Filmfestivals "Crossing Europe"

© Thimfilm

Interview
04/25/2014

Familienaufstellung mit Valeria Bruni Tedeschi

Die italienisch-französische Regisseurin im Interview zur Eröffnung von "Crossing Europe".

von Alexandra Seibel

Valeria Bruni Tedeschi hat wieder einen Familienfilm gedreht. Mit sich selbst in der Hauptrolle. Und wieder darf man ihr beim Interview keine Fragen zu ihrer eigenen Familie stellen.

Warum auch? Die offensichtlichen Parallelen zwischen "Ein Schloss in Italien" – einer der vier starken Eröffnungsfilme von "Crossing Europe" (siehe Info unten) – zu ihrem wirklichen Leben liegen auf der Hand: Vor knapp acht Jahren starb Valeria Bruni Tedeschis Bruder an AIDS – wie auch der Filmbruder der Hauptfigur Louise, die von ihr selbst gespielt wird.

Den um vieles jüngeren Mann, in den sie sich im Verlauf der Geschichte verliebt, übernahm Louis Garrel, ihr Ex-Lebenspartner. Und die Rolle der starken Mutter spielte Marisa Borini – Bruni Tedeschis echte Mutter. Nur ihre berühmte Halbschwester, Carla Bruni-Sarkozy, fehlt in der Familienaufstellung von "Ein Schloss in Italien" (Filmstart: 9. Mai).

"Wir haben drei Jahre an dem Drehbuch gearbeitet", erzählt die 49-jährige Schauspielerin und Regisseurin im KURIER-Interview mit ihrer signifikanten, leicht heiseren Stimme. Und meint mit "wir" ihre beiden Co-Autorinnen Noémie Lvovsky und Agnès de Sacy: "Wir haben gemeinsam unsere Erfahrungen, Wünsche und Fantasien hineingepackt. Es ist ein persönlicher, aber kein autobiografischer Film."

Wie auch in ihrem Filmdebüt "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr" (2003) erzählt die Regisseurin vom Schicksal einer italienisch-französischen Industriellenfamilie und von deren Beziehungskonflikten.

Burleske

Im Zentrum steht Louise, die mit 42 Jahren Probleme mit dem Erwachsenwerden hat. Nach dem Tod des Vaters soll der Besitz der Familie verkauft werden, um diese finanziell flott zu machen.

"Tschechovs ,Der Kirschgarten‘ war ein großer Einfluss auf mich", erzählt Bruni Tedeschi, bekennt sich aber auch zu Einflüssen von Charlie Chaplin: "Wir hatten Lust auf Tragikomödie. Wir haben uns weder vor Komödie, Tragödie, Nostalgie oder dem Burlesken gefürchtet."

Tatsächlich ist "Ein Schloss in Italien" ebenso von melancholischen Untertönen geprägt wie von herrlich komödiantischen Einlagen. So fällt etwa Louise in einer Kirche ein, um sich einen Fruchtbarkeitssegen von Nonnen zu erschleichen.

Ihrer Mutter zuliebe engagierte sie übrigens auch Omar Sharif. Eines Tages habe Marisa Borini sie angerufen und ihr vorgeschwärmt, sie hätte Omar Sharif in einem Restaurant gesehen: "Sie war so begeistert und erzählte von ,Doktor Schiwago‘, sodass ich ihn anrief und fragte, ob er mitspielen wollte. Ich dachte, vielleicht funkt es ja zwischen den beiden."

Und wirklich erklärte sich Omar Sharif zu einem Auftritt bereit: "Doch verliebt haben sich meine Mutter und er nicht ineinander."

Crossing Europe: "Europa spürbar"

Eröffnung

Am Freitagabend eröffnet das Linzer Filmfestival Crossing Europe (bis 30. April) zum elften Mal unter seiner Intendantin Christine Dollhofer. Zur Eröffnung wird neben "Ein Schloss in Italien" u. a. auch "Under the Skin" mit Scarlett Johansson gezeigt.

Horror-Legende

Horror-Regie-Legende Dario Argento kommt mit "Dracula 3D" im Gepäck auf Besuch. Insgesamt werden 184 Spiel-, Doku- und Kurzfilme vor allem aus dem europäischen Autorenkino gezeigt. Dollhofer will "Europa spürbar und sehbar machen".

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