Fabre: "Schockieren will ich nicht"

Jan Fabre: „Würde gern ,Jedermann‘ inszenieren.“
Foto: Gnedt / Kurier

ImPulsTanz-Festival: Starchoreograf Jan Fabre spricht im KURIER-Interview über Tod, Tradition und die Macht der Schönheit.

Jan Fabre zählt als Performer, Regisseur, Choreograf, Autor, Filmemacher und bildender Künstler zu den innovativsten Künstlern der Gegenwart. Seit 1996 gastiert Fabre bei ImPulsTanz, heute mit "Prometheus-Landscape II" im Volkstheater. Am Wochenende begeisterte er mit dem Solo "Preparatio Mortis" für Annabelle Chambon.

Das Sterben spielt eine zentrale Rolle in seinem Schaffen: "Der Tod ist ein essenzieller Teil des Lebens. In der öffentlichen Wahrnehmung werden Altern und der Tod gerne unter den Teppich gekehrt. Ich lag zwei Mal im Koma und weiß, welche Bedeutung jede noch so kleine Bewegung hat. Sie kann zum Symbol des Lebens werden."

"Verteidiger der Menschlichkeit"

Auch Hugo von Hofmannsthals "Jedermann", demnächst wieder in Salzburg Thema, handelt vom Sterben - ein starker Bezugspunkt für Fabre:"Ich habe das Stück zwei Mal in Salzburg gesehen. Es fasziniert mich, da es in meiner flämischen Heimat ähnliche Traditionen gibt. ,Jedermann' würde ich gern inszenieren."

Fabres Werke werden oft als provokant empfunden: Welche Rolle spielt Tradition für ihn? "Ich sehe mich als Verteidiger der Menschlichkeit. Schockieren will ich nicht. Ich bin neugierig. Provokation ist das Erwecken des Verstandes. Tradition ist meine wichtigste Wurzel, besonders die Maler der flämischen Schule. Das Erkennen eines Kunstwerks hat mit Bildung und der Macht der Schönheit zu tun."

Ob er sich als politischer Künstler sieht? ",Prometheus - Landscape II' ist ein politisches Stück: Was tun wir Menschen mit dem Feuer, das uns die Götter als Zeichen für Leidenschaft, Risiko und Imagination gaben? Soldaten aus Europa werfen Bomben auf Libyen. Was passiert in Fukushima? In gewissen Momenten brauchen wir Helden, aber nicht populistische, sondern solche, die das Feuer tatsächlich weitertragen, wie zum Beispiel Wissenschaftler."

Götter gibt es auch bei Richard Wagner. 2004 sorgte Fabre mit einer "Tannhäuser"-Inszenierung für Aufsehen. Wagner bleibt Thema: 2013 ist "Tragedy of Friendship" geplant, ein auf den Opern Wagners und seiner Beziehung zu Nietzsche basierendes Projekt.

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(KURIER / Silvia Kargl) Erstellt am
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