Abhängen und Frauen aufreißen: Blake Jenner (li.) und Glen Powell spielen im selben Baseball-Team und gehen gern in die Disco

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"Everybody Wants Some!!": Schnurrbart frisieren und Disco
06/02/2016

"Everybody Wants Some!!": Schnurrbart frisieren und Disco

Party, Kiffen und Sex – eine vergnügliche College-Boys-Komödie von Richard Linklater.

von Alexandra Seibel

Im Autoradio steckt eine Audio-Kassette und grölt "My Sharona", auf dem Rücksitz steht eine Kiste voll mit Schallplatten. Kein Zweifel, wir befinden uns im analogen Zeitalter des vorigen Jahrhunderts. Am 28. August 1980, um genau zu sein. An diesem Spätsommertag checkt Jake, ein Baseball-Spieler und angehender College-Student, in sein neues Wohnheim ein. Zwar rieselt in der heruntergerockten Bude der Zement vom Plafond, doch solange genügend Bier im Eiskasten kühlt, ist das den Bewohnern egal.

Die Bewohner – das sind die Mitglieder des Baseball-Teams einer texanischen Kleinstadt-Universität. Ein letztes freies Wochenende trennt die Burschen vom Semesterbeginn. Und das bedeutet viel Freizeit für Party, Kiffen und Sex. Denn "Everybody Wants Some!!" – übrigens ein Song von Van Halen – meint in freier Übersetzung: Jeder möchte Sex. Mit diesem Ziel vor Augen frisieren die Jungs ihren Schnurrbart, schwingen ihre Stoffhosen-Hüften in der Disco oder rempeln durch einen Punk-Club.

Richard Linklater, nicht erst seit "Boyhood" Spezialist für amerikanische Jugendkultur, hat in seinem längst verkulteten Teenage-Retro-Fest "Dazed and Confused" von 1993 seinen Highschool-Abschluss verfilmt. Nun geht er aufs College. So gesehen ist "Everybody Wants Some!!" eine Art spirituelle, detailversessene und wortwitzige Fortsetzungskomödie – wenn auch mit deutlich geringerem Frauenanteil. Testosteron-geschwängerte Rituale stehen im Vordergrund: Sei es Kampftrinken, Bong-Rauchen, einen Baseball mit der Axt spalten (!) oder sich bei den Mädels den Mund fusselig reden: "Hier herrscht überall der Konkurrenzkampf."

Abhängen

Freundliches Kräftemessen artet mal in Wutanfälle und kleine Raufereien aus, doch insgesamt passiert nicht viel im Linklater-Land.

Und das ist gut so, weil unglaublich unterhaltsam. Die Darsteller haben alle hübsche, frische, Star-lose Gesichter: Der eine erinnert an Burt Reynolds, der andere mit seinem Schnauzer und der Hornbrille an einen Porno-Darsteller. Gemeinsam grooven sie vergnügt durch die Party-Zone des College-Campus, starren den Frauen auf den Hintern, haben Sex auf dem Autorücksitz und philosophieren zu Rauchschwaden.

"The Rite of Passage", wie der Übergang zum Erwachsenwerden im US-Teenfilm gerne genannt wird, kristallisiert sich bei Linklater im post-pubertären Moment des Abhängens heraus. Denn "Everybody Wants Some!!" ist ein Film über das jugendliche Glücksversprechen im Augenblick der Gegenwart, im Hier und im Jetzt.

Und dass es nicht heillos in Nostalgie versinkt, verdankt sich unter anderem der entspannten Erkenntnis, dass womöglich nicht allzu viel danach kommt – zumindest kaum eine Karriere als Baseball-Star. Sondern Ronald Reagan.

INFO: USA 2016. 117 Min. Von Richard Linklater. Mit Blake Jenner, Tyler Hoechlin.

KURIER-Wertung:

Zerbrochenes Vater-Verhältnis

"Ich werde meinen Vater nicht zeigen, aber sehen wird man ihn trotzdem", verspricht der junge steirische Regisseur Sigmund Steiner gleich zu Beginn von "Holz Erde Fleisch", seiner schöne n ersten Lang-Doku (für die er den Großen Preis der Diagonale und des DOK.fest München erhielt). Steiner selbst wuchs am Bauernhof auf und weigerte sich später, den Familienbetrieb zu übernehmen. Es ist das zerbrochene Verhältnis zum eigenen Vater, das Steiners liebevolles Porträt von drei völlig unterschiedlich Landwirten emotional unterfüttert und mit ungeahnter Innigkeit auflädt. Denn was den Vätern Selbstverständlichkeit ist – nämlich die Arbeit in der Natur –, stellt die Söhne vor schwierige Entscheidungen.

INFO: Ö 2016. 71 Min. Von Sigmund Steiner. Mit Martin Gerstorfer, Matthias Hertl, H. Lang.

KURIER-Wertung:

Urban Gardening anstatt fiese Monokulturen

Dass sich die Menschheit in einer kritischen Phase befindet, wissen wir längst, nur: Was dagegen tun? Der französische "Inglourious Basterds"-Star Mélanie Laurent hat mit dem Aktivisten Cyril Dion nach Lösungen gesucht, mit denen man brennenden Problemen wie Klimawandel oder Energieversorgung entgegentreten kann. Untermalt mit gefühliger Pop-Musik, macht sich die hippe Freundesgruppe daran, Alternativprojekte zu besuchen. Wie man anders – umweltfreundlicher – mit Landwirtschaft, Finanzsystemen oder Brennstoffgewinnung umgehen kann, beweisen einfallsreiche Umweltaktivisten zwischen Kopenhagen und Detroit. Engagierte Wohlfühl-Doku, die auf die Initiative des Einzelnen setzt.

INFO: F 2015. 118 Min. Von und mit Cyril Dion und Mélanie Laurent.

KURIER-Wertung:

Schmutzkübelkampagne bei Bush-Präsidentenwahl

Ein Präsidentschaftswahlkampf samt Schmutzkübelkampagne: Es geht um das Rennen zwischen George W. Bush und John Kerry im Jahr 2004. Dan Rather, eine der einflussreichsten TV-Legenden der USA, präsentierte im CBS-Nachrichtenmagazin "60 Minutes" angebliche Beweise, wonach sich der republikanische Kandidat in den 1970ern vor seinem Vietnam-Einsatz gedrückt hätte. Die Papiere entpuppten sich schon bald als wahrscheinliche Fälschungen. Dan Rather, konservativen Kräften ein liberaler Dorn im Auge, musste sich den Vorwurf der Wählerbeeinflussung gefallen lassen. Nach der Wahlnacht von 2004 trat er zurück. Bei seiner letzten Moderation trug Rather ein T-Shirt mit den Buchstaben "F. E. A.", was im US-Slang für "Fuck 'Em All" steht. Seine Kollegin Mary Mapes, die die Papiere damals besorgt hatte, wurde nach "Rathergate" gefeuert. Auf ihrem Buch "Truth and Duty: The Press, the President and the Privilege of Power" basiert das Regiedebüt des Drehbuchautors James Vanderbilt. Glatt inszenierter Politthriller mit Robert Redford und Cate Blanchett.

Text: Gabriele Flossmann.

INFO: AU/USA 2015. 125 Min. Von J. Vanderbilt. Mit Robert Redford, Cate Blanchett.

KURIER-Wertung:

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