Kultur
28.09.2017

"Es": Gruselclown mit Glitzeraugen

Der Kassenschlager und Horror-Thriller "Es" ist spannungsarmes Nostalgie-Kino.

Rote Luftballons sind ein schlechtes Zeichen. Wo immer sie aufsteigen, ist Pennywise nicht weit – und jedes Kind muss ihn fürchten. Pennywise, der Grusel-Clown mit dem Killergebiss, lockt unschuldige kleine Menschen in seine Nähe, beißt ihnen den Arm ab und lässt sie im Gulli verschwinden.

Aber jeder, der Stephen Kings "Es" gelesen hat, weiß das längst. Und wer nicht, kann es jetzt im Kino nachholen – und die mit 480 Millionen Dollar ohnehin schon gigantischen Einspielergebnisse weiter hinauf treiben.

"Es" ist Nostalgie-Kino reinsten Wassers, am besten geeignet für Zuseher, die dem 80er-Jahre-Kino (ihrer Kindheit) wieder begegnen wollen. Steven Spielberg und Brian de Palma lassen grüßen, ebenso alle Coming-of-Age-Filme mit (und ohne) Molly Ringwald. Andy Muschiettis Pastiche-Horror schwankt unentschlossen zwischen Blutlust und Parodie und klappert seine vernebelten Schauplätze – vom Zombie-Friedhof bis hin zum Spukhaus – mit steigender Schockfrequenz, aber sinkender Spannungskurve ab.

Richtig gut spielt das jugendliche Ensemble, das auf Pennywises Speiseplan steht: Alle sechs Burschen und ein Mädchen sind Außenseiter in ihrer Highschool und wohnhaft in der fiesen Kleinstadt Derry, wo Kinder verschwinden und die Erwachsenen untätig bleiben. Daher müssen sich die Kids zum Club der Verlierer zusammenschließen und sich ihren Ängsten stellen, um Pennywise zu stoppen. Bill Skarsgård als grinsender Killer-Clown mit Glitzeraugen und schiefen Zähnen passt tatsächlich in kein Kinderzimmer. Doch je öfter er auftritt, desto ungruseliger wird er. Man gewöhnt sich eben schnell.

Muschietti hat es jedenfalls nicht geschafft, Kings 1138-Seiten-Roman in einen Film zu packen. Sein "Kapitel Eins" spielt im Sommer 1989, "Kapitel Zwei" – 27 Jahre später, wenn die "Loser" erwachsen geworden sind – soll am 6. September 2019 in die Kinos kommen.

INFO: USA/ CN 2017. 135 Min. Von Andy Muschietti. Mit Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard, Sophia Lillis.

KURIER-Wertung: