Erste Zitate aus Roches "Schoßgebete"

"Das muss jetzt raus", sagte Charlotte Roche kürzlich in einem Interview über ihren neuen Roman "Schoßgebete".
Foto: dapd/David Hecker

Charlotte Roches mit Spannung erwarteter neuer Roman liegt ab Mittwoch in den Buchhandlungen auf. Hier finden Sie erste Zitate aus "Schoßgebete".

Wenn am Mittwoch Vormittag zum ersten Mal Charlotte Roches "Schoßgebete" in den Buchhandlungen aufliegt, dann werden vielleicht einige Fans beim Kauf des Buches auch ihren Avocadokern dabei haben. Roches Debüt-Roman "Feuchtgebiete" löste vor drei Jahren so etwas wie ein literarisches Erdbeben in Deutschland aus. Der Roman über die ausschweifenden sexuellen Fantasien einer 18-Jährigen sorgte wie kaum ein anderer Roman der jüngeren Geschichte für Debatten, in deren Mittelpunkt Sex, Ekel und Hygiene-Wahn standen - und: als "Bio-Dildo" eingesetzte Avocadokerne. Selbst feministische Thesen gerieten in den Schlund des Medienhypes, der Feuilleton und Boulevard gleichermaßen erfasste.

Jetzt legt die 33-jährige Charlotte Roche nach - und nennt ihr zweites Buch "Schoßgebete". Während der Titel einerseits mit dem Bestseller von 2008 kokettiert, so soll das neue Buch doch ganz andere Themen ansprechen - und nicht etwa bloß die Betrachtungen über das Hinterteil eines Scheidungskindes fortführen. Einen neuen Tabubruch kündigte der Münchener Piper Verlag an, da sich Roche mit dem "letzten Tabu" - "Sex in der Ehe" beschäftige. Die Erstauflage liegt bei 500.000 Exemplaren - ein Rekord für den Verlag. Bei Amazon.de ist "Schoßgebete" bereits vor seinem Erscheinen auf Platz 1 der Buch-Bestseller - allein durch die Vorbestellungen.

Geschickte Vermarktung

"Das muss jetzt raus", sagte Charlotte Roche kürzlich in einem Interview über ihren neuen Roman "Schoßgebete". Foto: dapd/David Hecker "Das muss jetzt raus", sagte Charlotte Roche kürzlich in einem Interview über ihren neuen Roman "Schoßgebete".

Der Verlag hat sich eine ausgeklügelte Vermarktungsstrategie ausgedacht, bewusst werden Infos verknappt. So bekamen die Redaktionen die Kritiker-Exemplare erst unmittelbar vor Erscheinen zugesandt. Als erste Zeitung durfte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) - exklusiv - eine Rezension veröffentlichen, der Spiegel bekam ein Exklusiv-Interview.

In der FAZ ist der neue Roman positiv aufgenommen worden: "Charlotte Roche hat ein Buch geschrieben, das uns weit über die Lektüre hinaus bewegt und beschäftigt." Weiters schrieb die Rezensentin: "Von dem entwaffnend umgangssprachlichen Erzählton, der über die gesamte Strecke durchgehalten wird, ... sollte man sich nicht täuschen lassen: Hier ist eine Erzählerin am Werk, die genau weiß, was sie tut. Der Unfall, klaffende Wunde und moralisches Rückgrat des Romans, wird dramaturgisch ebenso perfekt vorbereitet wie der - dank des Fadenwurmbefalls um einen Tag verschobene - mal wieder fällige Bordellbesuch von Elizabeth und Georg."

Die Geschichte der (wie Roche) 33-jährigen Elizabeth Kiehl und ihres Mannes Georg und das, was die beiden in ihrem eigenen Bett und dem von Prostituierten so treiben, beschreibt die Autorin in allen Details. Dabei überschreitet die Autorin auch immer wieder die Grenzen zur Pornografie.

Schwerer Schicksalsschlag

Kern des Buchs ist aber der Unfall - und dieser beschreibt eine Parallele zu Roches eigener Biografie. Ihre drei Brüder waren 2001 auf dem Weg zu ihrer Hochzeit bei einem Autounfall ums Leben gekommen, die Mutter überlebte schwer verletzt. Sie habe das geschrieben, weil sie das Gefühl hatte: "Das muss jetzt raus", bekannte Roche gegenüber dem Spiegel. "Ich habe bis heute nicht getrauert, kein bisschen."

Dass in Elizabeth viel von ihr selbst steckt, daraus macht die Autorin keinen Hehl. Ihr Mann sei nach dem Lesen erst einmal "hinten rüber gefallen", sagte Roche der Zeitschrift Brigitte. "Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Darüber hinaus ist jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen sowie realen Geschehnissen rein zufällig" - das steht am Anfang des Buches. Dem Spiegel sagte sie, sie müsse aufpassen, "dass es in der öffentlichen Wahrnehmung überhaupt noch eine Trennung gibt zwischen dieser Figur und der Autorin".

Aus der Zeit dieses Schicksalsschlages stammt auch Roches Wut auf Boulevardmedien, die sie immer wieder gerne zur Schau trägt. So berichtete die Autorin von Versuchen der deutschen Bild-Zeitung, nach dem Unfall ein Interview von ihr zu "erpressen". In ihrem neuen Buch heißt der Feind "Druck-Zeitung", ein Blatt, das die Tragödie ihrer Familie gnadenlos ausschlachtet. Nicht von ungefähr schreibt Roche am Anfang des Buches: "Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Darüber hinaus ist jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen sowie realen Geschehnissen rein zufällig".

Dass sich die reale Bild-Zeitung wieder mit ihrer liebsten "Schamlos-Autorin" (Copyright: Bild) auseinandersetzen kann, dafür garantieren wohl auch die folgenden Passagen aus "Schoßgebete". Eine ausführliche KURIER-Rezension finden Sie hier im Laufe des Tages.

Erste Zitate aus "Schoßgebete"

Alice Schwarzer sitzt immer beim Sex zwischen mir und meinem Mann und flüstert mir ins Ohr. 'Ja, Elizabeth, das denkst du nur, dass du jetzt einen vaginalen Orgasmus hast, das bildest du dir nur ein, um dich deinem Mann und seinem Machtschwanz zu unterwerfen."

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Kochen hilft gegen Verrücktwerden. Gemüse hilft, nicht verrückt zu werden.

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Die Sprungfedern der Dildoverschlüsse sind kaputt, sodass man die Batterie nicht mehr festklemmen kann. Bei jedem anderen elektrischen Gerät würde man in den Laden gehen und sich beschweren.

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Ich hasse es, alleine zu sein mit diesen Gedanken, immer so ekelhafte Gedanken, entweder Tote oder anal, was anderes gibt's wohl nicht in meinem Kopf.

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Anderen beim Sex zuzugucken ist ein ganz schön gesunder Drogenersatz.

aus: "Schoßgebete", Piper Verlag, 288 Seiten, 17,50 Euro. Erscheint am 10. August.

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(KURIER.at,dpa / tem) Erstellt am
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