Kultur
15.05.2017

Erste Festwochenpremiere: Sie wollen ja doch nur spielen

Kritik: "Ishvara" von Tianzhuo Chen.

Jung wollen sie sein. Und neu. Und hip. Und cool. Und gender. Und queer. Und vor allem ganz, ganz anders. Aber sie wollen sich auch profilieren, sie wollen schockieren, Party machen und vermutlich doch einfach nur spielen. Egal, womit und mit wem. Denn irgendwie ist ja eh alles Kunst, hat alles seine Bedeutung. Irgendwas wird das Publikum schon mitnehmen aus der fröhlichen Partyzone, zu der Intendant Tomas Zierhofer-Kien die Wiener Festwochen gemacht hat.

Insofern passt die erste Premiere gut ins Bild. "Ishvara" des chinesischen Provokateurs Tianzhuo Chen – ein irgendwo zwischen lautem Rave-Event, Bhagavad Gita und 80-er Aktionismus angesiedeltes Werk über . . . ? Na ja, über alles und nichts zugleich. Über Shiva, den indischen Gott der Zerstörung. Über Mythen und Musik, über Spaßkultur und den ewigen Kreislauf des Lebens, über Sex und Gewalt, Erkenntnis und Untergang. So oder so ähnlich.

Was also sieht und hört man in der Halle E des Museumsquartiers? Man sieht einige Performer, die in folkloristische Kitsch-Kostüme gekleidet sind. Man sieht bemalte, nackte Körper, die sich auf einer Art Laufsteg dem Publikum präsentieren. Man sieht rituelle Waschungen und brutale Kämpfe in einem Planschbecken der Marke Frank Castorf.

Fleischstücke

Man sieht simulierte Akte des Kannibalismus via Video und auf der Bühne und wird dabei natürlich auch live mit Fleischstückchen beworfen. Blut und Wasser spritzen – und ein (in Europa) längst überwunden geglaubter Aktionismus feiert fröhliche Urstände. Schockierend? Sicher nicht! Eher langweilig.

Denn all das mag in China radikal sein, zieht hier in seiner künstlichen Aufgeregtheit aber nur monoton-hysterisch vorüber. Getanzt wird (bewusst nicht wirklich gut?) auch ein bisschen. Die Musik changiert zwischen einer Art chinesischem Free-Jazz, Hip Hop, Rave sowie elektronischen Beats samt erhöhter, per Mikrofon verstärkter Schreigefahr. Ohrenstöpsel sind kein Fehler.

Doch so etwas wie eine Geschichte? Gibt es die? Ja, irgendwie schon. Und nein, irgendwie auch nicht. Denn darum scheint es gar nicht zu gehen. Wichtig ist der Spaßfaktor ebenso wie das Anderssein. Das ist als Weg sehr mutig, richtig und vielleicht auch notwendig. Wer damit nichts anfangen kann – wie die doch zahlreich vorhandenen Buhrufer – hat sicher etwas verpasst. Oder nur Geschmack?