Kultur
08.02.2018

Ernst Lothar: Die Rückkehr

Nach seinem "Engel mit der Posaune" fing er im nächsten Roman die Stimmungim Nachkriegswien ein: Wieso Dörrgemüse besser war als das Theater in der Josefstadt ...

Als Ernst Lothar 1946 nach der Flucht vor den Nazis aus Amerika ins geliebte, immer noch geliebte Wien zurückkam, schrie ihn ein Bub an: "Ami, go home!"

Am zweiten Tag sagte der alte Hausdiener im Hotel Bristol zu ihm: "Net amal den Heinrichshof, wo der Herr von Slezak g’wohnt hat, ham s’ stehen lassen, die Amerikaner – dös Bombenschmeiß’n war do nix wia a Barbarei!"

(Lothar ärgerte sich, dass er dem Herrn Steindl nicht geantwortet hatte, die Bomben seien die Konsequenz der Barbarei gewesen.)

Als ihn Bürgermeister Theodor Körner empfing, kam es zu folgendem Dialog: " Lothar, Lothar? Wo tu i Ihnen gleich hin?"

"Ich war Direktor des Theaters in der Josefstadt."

"So? Josefstadt? Da hab ich gestern abend ein miserables Stück g’sehn. Aber dafür war ich heut früh bei etwas wirklich sehr Gutem – einer Dörrgemüseausspeisung."

Die Kultur erwacht nach der Katastrophe ...

Nach dem Erfolg

1.) und 2.) stehen in Lothars Erinnerungen "Wunder des Überlebens". Die Körner-Episode findet sich in einem Brief an Kollegen Friedrich Torberg, der noch in den USA blieb. Literaturwissenschaftlerin Dagmar Heißler konnte dieses Schreiben für die Biografie "Ernst Lothar" (Böhlau Verlag, 60 Euro) verwenden.

Eine graue Eminenz des Theaters ... mit dem im Exil geschriebenen Roman "Der Engel mit der Posaune" (1944) hat er den Amerikanern die zwiespältigen Österreicher näher gebracht, himmlisch und höllisch.

2016 vom Zsolnay Verlag neu aufgelegt, war die Geschichte der Klavierfabrikantenfamilie Alt zum zweiten Mal ein Erfolg.

Deshalb erscheint jetzt "Die Rückkehr", sehr autobiografisch. 1947 wurden nicht viele der gedruckten 19.000 Exemplare verkauft: Man wollte sich nicht auf die Nase binden lassen, aus der Vergangenheit wenig gelernt zu haben.

Der Romanheld ist hin- und hergerissen zwischen Dankbarkeit gegenüber den Amerikanern und Liebe zur Heimat. Die konservierte Stimmung in der Stadt, in der vieles tot, aber der Nationalsozialismus lebendig war, ist Hauptgrund, "Die Rückkehr" heute zu lesen.

Es ist – trotzdem – ein Buch des Verzeihens. Lothar, als Kulturbeauftragter der US-Armee für die Entnazifizierung der Künstler zuständig, setzte sich sehr dafür ein, dass Karajan, Karl Böhm, Attila Hörbiger ab 1947 bei den Salzburger Festspielen auftreten durften.

Der persönliche Lieblingssatz steht auf Seite 163:

"Ich bin in Wien, dachte er und wollte glücklich sein."

Ernst Lothar: „Die Rückkehr“
Nachwort von
Doron Rabinovici.
Zsolnay Verlag.
431 Seiten.
26,80 Euro.

KURIER-Wertung: ****