© KURIER / Gerhard Deutsch

Kultur
12/05/2011

Erni Mangold: Ein Sexbömbchen im Widerstand

Eine Lesevergnügen von Erni Mangold mit dem Titel: "Lassen Sie mich in Ruhe". Die Autobiografie einer Widerspenstigen.

von Werner Rosenberger

Umwerfend war sie als exzentrische Lisi in Stefan Vögels fröhlicher "Best Age"-Komödie "Altweiberfrühling". Aufmüpfig, unkonventionell, emanzipiert. Ganz so, wie sie selber ist, die Erni Mangold.

Ihre Erinnerungen tragen die Aufforderung im Titel: "Lassen Sie mich in Ruhe". Und das ist durchaus ernst gemeint. Das Buch liest sich genau so, wie sie redet - mit lockerem Mundwerk und trockenem Witz. Wie ihr der Schnabel gewachsen ist.
"Sie ist eine richtige Bissgurn, aber eine ganz große Schauspielerin", sagte Bühnenkollege Heinz Petters zärtlich über sie. Und von ihr kam kein Widerspruch.
Dabei ist sie gern widerborstig. Das Anbiedernde lag ihr nie. Deshalb war sie, 1927 beim Sauschlachten im Wirtshaus ihrer Großeltern in Großweikersdorf geboren, Helmut Qualtinger in inniger Freundschaft verbunden.

Schmähsüchtig

An seiner Seite genoss sie die Freiheit im zerbombten Wien: "Wir waren Schmuddelkinder. Wir hielten uns gern in den Ruinen der Stadt auf; wir waren happy, dass alles kaputt war, dass nun etwas Neues nachkommen konnte. Erst später haben wir gemerkt, dass damit nicht zu rechnen war."

Ihr Zuhause damals: der Gutruf. "Unsere Schmähsüchtigkeit, gepaart mit Zynismus, war dort berühmt", erinnert sich die Mangold. "Wir hatten große Gedanken oder gar keine. Mit einem Wort: Wir waren gerne böse und haben sehr viel getrunken."

Gustaf Gründgens hat sie ans Hamburger Schauspielhaus engagiert. Anfang der 50er-Jahre wird sie als junges, hübsches Blondchen auch für den Film entdeckt, spielt u. a. in "Abenteuer im Schloss" und in "Lavendel - Eine ganz
unmoralische Geschichte". Sie ist die hörige Geliebte des Hellsehers "Hanussen" (1955) im gleichna- migen Film mit O. W. Fischer.

Handgreiflich

Wie sie sich gegen seine Zudringlichkeiten und die Nachstellungen anderer arrivierter Kollegen und Regisseure zur Wehr setzt, gibt ihrem Buch anekdotische Würze. Das "Sexerl" im Theater an der Josefstadt, zwischenzeitlich mit Heinz Reincke verheiratet, ist mitunter handgreiflich im Widerstand gegen seine männlichen Verfolger.

"Ich war immer ein Sexbömbchen, also wurde auf Sex reduziert, und das hat mich schon sehr geärgert."

Man kennt sie aus TV-Produktionen ("Kaisermühlenblues", "Kottan ermittelt") genauso wie von Kinofilmen. Auf Theaterbühnen steht sie seit mehr als 60 Jahren. Sie ist "grad a gängige Großmutter" und brillierte zuletzt in der Josefstadt als glatzköpfiger Unruhestif ter Lumpazivagabundus. Von "Ruhe-Stand" könne keine Rede sein, es gäbe genug Anfragen für neue reizvolle Rollen.

Einerseits hält sie sich für einen "sehr realen Menschen", andererseits erinnert sie sich noch gut an frühe Träumereien. An "die exaltierte klane Funsen, die sich mit jugendlichem Überschwang aus Großweikersdorf in die Wiener Mischpoche hineinbewegt hat - bis zu den ersten Watschen!"

Und nach dem Tod? "Da wäre ich gern eine Hainbuche", sagt Erni Mangold. "Vermutlich werde ich eher eine Fliege, was mir weniger gut gefällt. Eine Spinne wäre ich lieber."