Tierköpfe (Zodiac Heads) vor dem BElvedere, Wien

© /Belvedere Wien

Kultur
02/13/2017

Erfolge! Rekorde! Rückgänge!

Besucherzahlen der Museen: Agnes Husslein-Arco hängte die Latte für Stella Rollig ziemlich hoch.

von Thomas Trenkler

Haben Sie sich schon einmal überlegt, eine Jahreskarte für ein Museum zu kaufen? Die Angebote klingen ja verlockend. Das Kunsthistorische Museum z. B. verlangt 34 Euro. Da der normale Eintritt 15 Euro kostet, rechnet sich die Anschaffung bereits beim dritten Besuch. Doch die Wahrheit ist: Mit dem Erwerb der Jahreskarte machen Sie vor allem Paul Frey, dem kaufmännischen Direktor, eine Freude.

Warum? 2016 wurden 20.959 Jahreskarten – eine im Vergleich herausragende Zahl – im Wert von 712.606 Euro ausgegeben. Es gab mit ihnen aber nur 45.479 Besuche. Sinnvoller wäre es gewesen, Einzeltickets zu kaufen. Denn sie hätten 682.185 Euro gekostet. Ähnlich verhält es sich beim Mumok: Mit der Jahreskarte um 28 Euro ging man im Durchschnitt nur 2,04-mal ins Museum, das Einzelticket kostet elf Euro. Gut genutzt wurden hingegen die Jahreskarten des Naturhistorischen Museums um 27 Euro und des Technischen Museums um 32 Euro: Mit ihnen besuchte man das NHM im Durchschnitt vier Mal – und das TMW 3,55-mal.

Unter allen Bundesmuseen haben NHM und TMW zudem den größten Anteil an jungen Besuchern, die freien Eintritt genießen: 2016 waren im Technischen Museum 53,4 Prozent (mehr als die Hälfte!) unter 19, im Naturhistorischen 40,7 Prozent. Bei den "U19" ziemlich unattraktiv sind das MAK (Anteil nur 11,6 Prozent) und das Mumok (15,5 Prozent).

Agnes Husslein-Arco, Direktorin bis Ende 2016, hat die Latte für ihre Nachfolgerin Stella Rollig extrem hoch gehängt: Das Belvedere übertraf mit den Exposituren 21er Haus und Winterpalais noch einmal die Rekordbesucherzahl – und kam auf 1,33 Millionen. Albertina, MAK, Mumok und Leopold Museum zusammen hatten nicht wesentlich mehr Besucher.

Klaus A. Schröder schaffte ein Plus von neun Prozent (von 648.989 auf 707.082 Besucher) und damit das viertbeste Albertina-Ergebnis. Christoph Thun-Hohenstein setzte den Aufwärtstrend des MAK fort: Mit 182.049 Besuchern nähert er sich den Zahlen an, die Vorgänger Peter Noever nur mit Tricks erreicht hatte.

Minimale Besucherrückgänge gab es im Leopold Museum (von 368.128 auf 365.318) und im Mumok (von 210.006 auf 208.323). Einen herben Rückgang um neun Prozent (von 767.413 auf 700.901) musste Sabine Haag, die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, im Hauptgebäude hinnehmen. Die Statistik retteten die Wagenburg (Steigerung um 69 auf 130.620) und die Skulptur "Man in a Boat" von Ron Mueck, die sogar von 156.320 Menschen bestaunt worden sein soll. Doch diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen: Der Eintritt war gratis; da wirft man gerne einmal einen Blick in den Theseustempel.

Stabil blieb die Besucherzahl des von Bettina Leidl neu positionierten KunstHausWien (116.479). Trotz der "Sex in Wien"-Schau kam auch das Wien Museum am Karlsplatz mit 166.010 Besuchern nicht über das 2015er-Ergebnis hinaus. Dass Direktor Matti Bunzl dennoch einen Rekord der Gesamtbesucherzahl von zuletzt 452.818 auf 505.020 melden konnte, lag vor allem an der Wiedereröffnung der Virgilkapelle.

Das Jüdische Museum Wien gab unter dem Titel "Erfolgreiches Jahr 2016" bekannt, dass es "wieder mehr als 106.000 Besucher" verzeichnet hätte. In Wahrheit gab es einen Rückgang von zehn Prozent (zu 2015 mit 118.000 Besuchern). Kaum weniger Besucher hatte das Freud Museum: DirektorinMonika Pessler konnte die Rekordzahl von 2015 um 13,5 Prozent toppen – auf 103.722. Allmählich wird es echt eng in der Wohnung von Sigmund Freud.

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