Emmanuel Pahud: Der König der Flöte

Pahud
Foto: Josef Fischschnaller Wie aus dem Ei gepellt: Das ist nicht der "Alte Fritz", sondern Emmanuel Pahud im passenden Gewand.

Der Starflötist durch Zufall gastiert im Musikverein und würdigt auf seiner neuen CD Friedrich den Großen.

Er war ein guter militärischer Stratege, zwang Österreich in die Knie und machte Preußen zur Großmacht. König Friedrich II. von Preußen. Doch der "Alte Fritz" – wie er oft genannt wird – war auch ein großer Anhänger der Künste. So ließ er etwa Schloss Sanssouci erbauen, korrespondierte mit dem französischen Philosophen Voltaire und machte Carl Philipp Emanuel Bach zum Hofmusiker. Und der "Alte Fritz" betätigte sich auch als Komponist – die Querflöte war seine Leidenschaft. Grund genug für einen anderen Flötisten, die Zeit am preußischen Hof musikalisch wieder aufleben zu lassen. Unter dem Titel "FlötenKönig" hat Emmanuel Pahud Werke von Bach, Johann Joachim Quantz, Franz Benda und Friedrich dem Großen auf CD (EMI) eingespielt. Im Wiener Musikverein gastiert Pahud heute, Montag, mit der Kammerphilharmonie Potsdam, Dirigent Trevor Pinnock sowie Werken von Bach und Quantz. Die Königsuniform, mit der auf dem CD-Cover posiert, wird er dabei aber nicht tragen.

"Die Plattenfirma war anfangs sehr skeptisch, als ich meinte, machen wir doch ein Doppel-Album mit dieser Musik", sagt der gebürtige Schweizer. "Doch ich konnte sie überzeugen. Immerhin feiert Deutschland heuer den 300. Geburtstag Friedrich des Großen. Und die Musik ist gut." Die Fotostrecke als preußischer Herrscher findet Pahud "sehr fein, denn das ist doch einmal etwas ganz anderes".

Nachbarschaftlich

Wie aber kam Pahud, der längst zu den bedeutendsten Solisten der Gegenwart zählt, ausgerechnet zur Flöte? "Das war purer Zufall. Ich komme aus einer Familie, die mit Musik gar nichts zu tun hat. Aber unsere Nachbarn haben immer klassische Musik gehört, und ich konnte das alles mithören. Stücke für Klavier, Cello, Violine – eigentlich hätte es jedes Instrument werden können. Dann aber habe ich Mozarts Flötenkonzert gehört und beschlossen: Eines Tages will ich das auch so gut spielen können." Die Reaktion der Eltern? "Sie haben gesagt: ,Wenn du das wirklich lernen willst, musst du immer besser sein als alle anderen.‘ Ich habe mich daran gehalten", so der zweifache Familienvater. Bereits mit 22 Jahren war Pahud Solo-Flötist der Berliner Philharmoniker. Eine Position, die "ich auch nicht aufgeben möchte". Denn: "Man lernt dabei extrem viel."

Leidenschaftlich

Eine besondere Liebe hat Pahud zur zeitgenössischen Musik. "Es ist doch wunderschön, wenn Komponisten für einen Werke schreiben. Ich habe da großes Glück. Manche Stücke gebe ich sogar selbst in Auftrag. Wir haben doch eine Verpflichtung dafür zu sorgen, dass die Musikentwicklung weitergeht." Pahud ist also ein glücklicher Mann. Bis auf einen Wermutstropfen: "Meine Söhne können mit Musik so gar nichts anfangen, die spielen viel lieber Football."

(kurier) Erstellt am
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