This film publicity image released by TriStar, Columbia Pictures-Sony shows Matt Damon in a scene from "Elysium." (AP Photo/TriStar, Columbia Pictures - Sony, Kimberley French)

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Elysium
08/15/2013

Sturm auf das vermeintliche Paradies

Filmstarts der Woche: Matt Damon als verletzlicher Held eines unterdrückten Proletariats + "Kick Ass 2" + "The Bling Ring".

von Susanne Lintl

Sie sind die Elenden: Eine Nutzmasse billiger Arbeiter, denen gerade das Nötigste zum Leben gewährt wird. Ihr Zuhause sind Baracken, medizinische Versorgung gibt es nicht. In deren Genuss kommen nur die Reichen, die sich auf dem Planeten Elysium im Jahr 2154 ihr Paradies errichtet haben. Für die geschundenen Erdlinge ist Elysium unerreichbar: Eindringlinge werden gnadenlos liquidiert.

Die Zukunftsvision des südafrikanischen Regisseurs Neill Blomkamp („District 9“) ist eine düstere. Er entwirft das – durchaus realistische – Bild einer Zweiklassengesellschaft, in der es nur um den Wohlstandserhalt einer privilegierten Minderheit geht. Dass das nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand: Die Armen stehen auf – mit einem Anführer, der den Mut der Verzweiflung hat.

Eiserner Rächer

Ausgerechnet Matt Damon, die graue Maus Hollywoods, die erst auf der Leinwand zum Superhelden à la Jason Bourne aufblüht, ist dieser Max, der den Kampf gegen die Unterdrücker anführt. Ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat: Nach einer tödlichen Strahlung Radioaktivität, der er ausgesetzt war, hat Max nur noch fünf Tage zu leben. Er lässt sich in einen Metallpanzer schweißen und nimmt den Kampf auf; nicht zuletzt für die krebskranke Tochter seiner Jugendliebe. Ein bisschen Liebe muss bei all der Endzeitstimmung auch sein.

Um den Aufstand der Unterdrückten realistisch scheinen zu lassen, drehte Blomkamp in den Elendsvierteln von Mexico City auf dem Gelände einer Müllkippe – „auf Staub, der aus Exkrementen stammte“, wie sich Damon mit Schaudern erinnert. Die authentische Atmosphäre, dass eben nicht im sterilen Studio gedreht wurde, merkt man dem Film aber auch an.

Und die Actionszenen? Sie sind brutal, vor allem, wenn die auf Gewalt programmierten Roboter auf irdische Pistoleros und Messerstecher treffen. Aber bei einer richtigen Rebellion muss halt Blut fließen.

KURIER-Wertung: **** von *****

INFO: Elysium. USA 2013. 110 Min. Von Neill Blomkamp. Mit Matt Damon, Jodie Foster, Diego Luna, Sharlto Copley.

Die Rückkehr der pickeligen Popo-Treter

Nein, zimperlich geht es hier nicht zu: Eisenhower, der Hund von Colonel Stars and Stripes, verbeißt sich auf das Kommando „Schwanz!“ hingebungsvoll in männliche Genitalien, und Hit-Girl bringt die Oberzicken ihrer Schule leinwandfüllend mit einem Sick Stick zum Kotzen. Dazwischen wird in bester Choreografie Kampfsport geboten: Kung-Fu, Kickboxen und was es sonst noch an spitalsbehandlungsfördernden Ertüchtigungen gibt.

Nach dem erfolgreichen ersten Teil der Junge-Superhelden-Saga starten Hit-Girl Mindy Macready und Kick-Ass Dave ein zweites Mal durch. Drei Jahre sind vergangen, seit die beiden Teenager mit ihren politisch unkorrekten Racheakten gegen die Bösen dieser Welt ins Leben von Millionen Kinofans traten. Ein metzelndes Girlie im kunterbunten martialischen Latex-Catsuit, das noch dazu sympathisch wirkt, das war neu. Das gefiel nicht nur den Kids.

Diesmal bekommen es Hit-Girl und Kick-Ass mit dem bösen Motherfucker zu tun, einem reichen Schnösel, der den Tod seines Vaters Kick-Ass zuschreibt und diesen rächen will. Motherfucker kann sich jeden Killer – auch russische Kampfwalzen à la Red Sonja – kaufen, es gibt viel Blut und gebrochene Knochen.

Jim Carrey, der als eingangs erwähnter Colonel Stars and Stripes an der Seite von Kick-Ass und Hit-Girl kämpft, ärgerte sich übrigens so sehr über die viele Gewalt, dass er aus dem Projekt ausstieg. Ein Kassenhit wird es trotzdem werden.

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: Kick-Ass 2. USA 2013. 113 Min. Von Jeff Wadlow. Mit Chloe Grace Moretz, Aaron Taylor-Johnson.

Jeder hat das Recht auf eine Prada-Tasche

Fünf Mal sollen sie in Paris Hiltons Villa eingebrochen haben, die es ihnen aber auch leicht machte: Typisch Paris, hatte sie ihren Hausschlüssel unter der Türmatte „versteckt“. Also spazierten die fünf gelangweilten Kids aus Beverly Hills einfach rein in die gute Villen-Stube und nahmen sich, was sie wollten: Prada-Taschen und Louboutins, Schmuck und Kleider.

Dem „Bling Ring“, einer nach Glamour süchtigen Teenie-Gang in Los Angeles, die 2008 und 2009 dort ihr Unwesen trieb, hat Starregisseurin Sofia Coppola hier ein zweifelhaftes Denkmal gesetzt: In „Täglich grüßt das Murmeltier“-Manier lässt sie ihre unsympathischen Protagonisten immer wieder in Promi-Villen eindringen, dort etwas mitgehen und dann feiern: mit fetten Beats und viel Koks in den angesagten Clubs der Stadt. Spätestens nach dem dritten Einbruch wird das fad, der Film dreht sich im Kreis. Wirklich cool ist nur die Musik, die von basslastigem Clubsound bis zu Sleigh Bells, Chris Brown und Frank Ocean reicht. Der schwächste Sofia-Coppola-Film seit Langem.

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: The Bling Ring USA 2013. 90 Min. Von Sofia Coppola. Mit Emma Watson, Katie Chang, Israel Broussard.

Junge Halbgötter.

Die einen sind selbst ernannte Superhelden (siehe „Kick-Ass 2“-Kritik unten), die anderen junge Halbgötter. Wer die Welt der griechischen Mythologie und den ganzen Hokuspokus drumherum mag, der ist hier richtig. Die göttlichen Teenies unter Führung von Poseidons Sohn Percy Jackson liefern sich im zweiten Teil der effektreichen Fantasy-Saga einen grimmigen Kampf mit einem Zyklopen.

Der einäugige Riese hat Percys besten Freund Grover entführt. Zu allem Überfluss ist auch noch der schützende Wall rund um das Camp der Teenie-Halbgötter zerbrochen. Dafür hat Percy einen neuen Mitstreiter: seinen einäugigen Halbbruder Tyson. Alles in allem viel Effekt und wenig Geschichte – und deutlich braver als „Kick-Ass“.

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen. USA 2013. 105 Min. Von Thor Freudenthal. Mit Logan Lerman.

Kammerspiel

Es ist der perfekte Fernsehfilm: In ruhigen Bildern und kammerspielartigen Szenen erzählt Regisseur Fritz Urschitz von der vor den Nazis geflohenen Wiener Familie Kohschitz. Mit seiner Tochter lebt Friedrich Kohschitz in London in einem kleinen Haus, ist aber ansonsten entwurzelt. Rosemarie, die Tochter, verliebt sich in den verheirateten Freund ihres Vaters, Anton. Erst als sie schwanger ist, erfährt sie, dass Anton verheiratet ist. Flüchtlingsschicksal mit viel Schmerz und Drama.

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: Where I Belong. A 2013. 80 Min. Von Fritz Urschitz. Mit Nathalie Press, Johannes Krisch, Matthias Habich.

Komödie

Eine Frau mit zwei Männern, die beide im Gefängnis sitzen. Ein verkorkster Gefängniswärter. Ein Tangokurs, in dem sie den Wärter wiedertrifft und ihm Beine macht: Das sind die Ingredienzien dieser leichtfüßigen Knacki-Komödie des Franzosen Frédéric Fonteyne, die einfach Lust auf Tanzen und auf Das-Leben-leicht-nehmen macht. Mit Sergi Lopez als Ehemann, Anne Paulicevich als lebenslustiger Strohwitwe und dem knuddeligen François Damiens als Wärter auch top besetzt.

KURIER-Wertung: **** von *****

INFO: Tango Libre B/F/LUX 2012. 101 Min. Von Frédéric Fonteyne. Mit Anne Paulicevich, Sergi Lopez.

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