Kultur
20.05.2017

Elvis Presley zerstörte Michael Jacksons Nase

Der King hat nach seinem Tod vernünftige Sachen gemacht. Heuer ist er 82 geworden - im Roman von Tobias Geigenüller

Elvis Presley ist wieder einmal am 16. August 1977 nicht gestorben, er täuschte seinen Tod nur vor, um Ruhe zu haben.

Schauen wir, was Tobias Geigenmüller anlässlich Presleys 40. Todestages aus diesem ausgezuzelten Stück Stoff gemacht hat.

Geigenmüller ist ein Witzbold, der mitunter von sich behauptet, er trage ein künstliches Bein aus Gold und lebe zurückgezogen im Schloss Versailles.

Oh weia.

Allergisch

Und er kommt aus der Werbebranche, sodass er in seinem (ersten) Roman "Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis" präzise formulieren kann – zum Beispiel: Elvis habe sich in der letzten Zeit vor seinem Tod gut als Rechenübung für Volksschüler geeignet.

1 Kinn.

Doppelkinn.

Triplekinn ...

Es wäre verlogen zu sagen, man habe sich bei Geigenmüller nicht unterhalten. Er hat gute Ideen, und mit zwei Ideen spielt er sich erfolgreich und baut sie zu Geschichten aus. Begrüßenswert dabei ist, dass sein Elvis Presley immer echt ist, so verrückt alles wird.

Soll heißen: Seine Biografie ist historisch, und er bleibt auch in diesem Buch auf Schokolade allergisch, er mag keinen Ketchup und keinen Bob Dylan usw.

Nach seinem Tod verändert der 42-Jährige sein Aussehen nur, indem er abspeckt und auf Frauen und Drogen verzichtet.

Jetzt möchte Presley etwas Vernünftiges machen, deshalb ärgert er zuerst einen Rassisten, später reist er in die DDR und beschleunigt den Fall der Mauer.

Das hat etwas.

Und dass er David Hasselhoff davon zurückhält, dauernd "Looking For Freedom" zu singen: Das ist überhaupt großartig (und hat einen wahren Kern).

Noch eine zweite Episode gibt es, die Spaß macht.

Tochter Lisa Marie, eingeweiht in den Betrug – wie auch die sympathische Priscilla – schockt Papa mit der Meldung, sie werde Michael Jackson heiraten.

Diesen Freak?

Elvis probiert alles, damit es nicht dazu kommt, Geld hat er ja, und er besticht einen Schönheitschirurgen, damit er Jacko die absurdeste Nase verpassen darf.

Durchs Anekdotische zieht sich über Jahrzehnte die Jagd, die Colonel Tom Parker auf den King veranstaltet. Der gnadenlose Vermarkter hat nie an dessen Tod geglaubt.

Elvis Presley wäre heuer 82 Jahre alt geworden.

Bzw. er ist es.

Und angelt irgendwo.

Und würde beim Lesen grinsen. Übersetzen sollte man ihm den Roman.

Tobias Geigenmüller:
„Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis“
Rowohlt Berlin.
256 Seiten.
17,50 Euro.

KURIER-Wertung: ****