Elīna Garanča wagt sich an neue dramatische Opernrollen heran, will die innere Ruhe aber nicht verlieren

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Interview
12/21/2014

Elīna Garanča: Stimme ist "größer, dunkler, erdiger" geworden

Klassikstar Elīna Garanča über ihr neues Lebensgefühl, neue Rollen von Santuzza bis Kundry und die CD "Meditation".

von Peter Temel

Man kann nicht behaupten, dass Elīna Garanča ein beschauliches Leben führt. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Cristina Sophie im Jänner ist der Konzertkalender der Mezzosopranistin wieder gefüllt. Dennoch strahlt die Starsängerin eine innere Ruhe aus. Ein Lebensgefühl, dass sie mit ihrer neuen CD "Meditation" (Deutsche Grammophon) auch nach außen vermitteln will. "Alle meine Einspielungen sind eine Spiegelung dessen, was ich fühle", sagt Garanča im KURIER-Interview. "Jetzt habe ich mich als Mutter und als Frau gefunden. Ein gewisser Lebensabschnitt ist abgeschlossen."

Zur Ruhe findet die 38-Jährige nicht mit Meditation im klassischen Sinne. "In dem Moment, wo ich ein ,Ave Maria‘ singe oder beim Schminken ein Gebet in mir trage, kehrt eine gewisse Ruhe ein. Meditation bedeutet für mich nicht, dass man auf einer Yogamatte sitzt und die ,Om’-Pose einnimmt. Es geht einfach darum, jeden Tag Zeit zu finden, wo man das Alltagsleben abschalten kann."

Mit ihrem Ehemann, dem Dirigenten Karel Mark Chichon, hat sie für das Album Stücke von Bizet, Gounod, Mozart oder Puccini ausgesucht, dazu Werke ihrer lettischen Landsleute Ugis Prauliņš und Pēteris Vasks mit Chor und Orchester eingespielt. "Geistliche Musik wird ja oft nur zu Ostern oder zu Weihnachten gespielt. Wir wollten aber, dass man die Stücke auch im Alltag hören kann", erklärt sie.

Durch die Schwangerschaften sei ihre Stimme "größer, dunkler, erdiger" geworden, "ich habe manchmal das Gefühl, dass ich sie bändigen muss." Rollendebüts im dramatischen Fach sind bereits geplant: 2015 wird sie in Mailand als Santuzza in "Cavalleria rusticana" zu hören sein. "Mein Mount Everest ist aber die Amneris", so Garanča. Die Partie in Verdis "Aida" wolle sie in sechs, sieben Jahren anpeilen. Sogar Wagner reizt sie, zum Beispiel die Kundry im "Parsifal".

Zurück nach Wien?

Ihre beliebten (Hosen-)Rollen wie den Octavian im "Rosenkavalier" will sie zwar weiterhin, auch in Wien, "mit Freude" singen, "aber irgendwann reicht es, dass ich den Frauen hinterherjage, mir ist viel lieber, wenn die Männer mir auf der Bühne hinterherjagen. Ich fühle mich immer weiblicher."

An der Staatsoper sind weiters "I Capuleti e i Montecchi" und die Donna Elvira im "Don Giovanni" geplant. Garanča kann sich auch vorstellen, den Wohnsitz der Familie wieder nach Wien zu verlegen. In ihrer Heimat herrsche "furchtbare Angst. Wir haben fast täglich Kampfflugzeuge, die über Lettland fliegen, die Küste wird von russischen Schiffen überwacht. Man sitzt wie auf einer Messerklinge. Wir hoffen, dass sie nicht schneidet."

In Wien hat sie bereits für Tochter Catherine Louise (3) Schulen besichtigt. Garanča: "Wien bietet Kunst und Kultur im Übermaß, es wäre schon ein idealer Ort. Aber Wien kann auch schwierig sein. Die hohe Aufmerksamkeit kann hier sehr beengend werden."

(Interview: Peter Temel)

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