Kultur
09.12.2011

Elisabeth Kulmans Neustart

Nach ihrem Unfall und der dadurch nötigen Zwangspause kehrt die vielseitige Künstlerin an die Staatsoper zurück. Im KURIER-Interview.

Es war ein Schock, ein großer Schock", sagt Elisabeth Kulman, wenn sie an jenes Ereignis zurückdenkt, das sie fast die Karriere gekostet hätte. Im Juli dieses Jahres hätte die Mezzosopranistin bei der Ruhrtriennale ihr Rollendebüt als Brangäne in Wagners "Tristan und Isolde" geben sollen. Doch dann der Unfall während einer Probe. Kulmans Bühnenpartner rammte der Sängerin seinen Ellbogen mit voller Wucht gegen den Kehlkopf – Rettung, Spital, Pause.
"Ich habe einen Moment gedacht, das war’s jetzt mit dem Singen" bekennt die Österreicherin. Nach einer "kreativ genützten" Phase der Regeneration konnte Kulman aber kleine Comebacks geben, "bei denen ich extrem nervös war". Zu den erlittenen finanziellen Einbußen – es mussten Anwälte eingeschaltet werden – sagt sie: "Die Ruhrtriennale hat sich äußerst schäbig verhalten." Und zum Nicht-Brangäne-Debüt: "Das werde ich in naher Zukunft eben an der Staatsoper machen."
Doch das Haus am Ring hat noch weitere Aufgaben für die international gefragte Künstlerin. Schon ab heute, Samstag, singt Kulman die Gaea in der "Daphne" von Richard Strauss; ab 24. Jänner 2012 ist sie in Kurt Weills "Der Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" zu erleben. Kulman: "Ich denke, dieses Werk wird dem Haus und mir selbst sehr gut tun."

Wunsch

Was am Ring sonst noch mir ihr kommt? Kulman lacht: "Vieles, sehr vieles. Nicht nur 2013 ist für mich das Jahr der Frickas und Waltrauten. Da konnte ich mich vor Wagner-Angeboten kaum mehr retten. Außerdem werde ich in Wien eine große Premiere aus dem slawischen Repertoire singen. Und sollte Christian Thielemann wirklich `Hänsel und Gretel` dirigieren – dann wäre ich gern der Hänsel. Ich weiß aber, das ist nur ein frommer Wunsch."
Abstecher Abseits der Oper widmet sich Kulman dem Liedgesang und auch anderen speziellen Projekten. "Ihre (hinreißende) Liszt-CD "Roots & Routes" (mit Eduard Kutrowatz am Klavier) ist eben erschienen. Ein Bartók,-Kodály-Projekt ist in Vorbereitung. Kulman: "Da kommt meine burgenländische Herkunft durch, diese beiden ungarischen Komponisten will ich entdecken."
Entdeckungsfreude ist eines von Kulmans Markenzeichen; immer wieder unternimmt sie mit Lebenspartner Georg Breinschmid Ausflüge in jazzige Gefilde. Etwas davon wird 2013 im Musikverein zur Uraufführung kommen. Kulman: "Ich will in keine Schublade passen. Ich bin ein viel zu offener Mensch, als dass ich Kastldenken mögen könnte."

Kulman: Daten, Fakten und Termine

Biografie: Elisabeth Kulman wurde in Oberpullendorf (Burgenland) geboren, studierte erst Russisch und Finno-Ugristik, spricht sechs Sprachen fließend, lernte dann an der Wiener Musikuniversität und gab ihr Gesangsdebüt im Sopranfach. Inzwischen zählt sie zu den führenden Mezzosopranistinnen.
Auftritte: "Daphne" (Strauss, Staatsoper, mit u. a. Botha, Miller, Schade, Zeppenfeld, Dirigentin: Young) am 10., 13., 16., 19. Dezember 2011. "Mahagonny" (Weill, Staatsoper, mit u. a. Kirchschlager, Ventris, Konieczny, Dirigent: Metzmacher) am 24., 27., 30. Jänner sowie am 2. und 5. Februar 2012.