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Festival
10/22/2014

Elevate: 10 Jahre Musik und Diskurs in Graz

Das Festival begeht von 23. bis 26.10. sein zehnjähriges Jubiläum. Das Elevate-Team im KURIER-Interview.

von Marco Weise

Das Elevate Festival in Graz bringt seit nunmehr zehn Jahren die Schwerpunkte Musik, Kunst und politischen Diskurs zusammen. Dieses Konzept konnte sich über die Jahre etablieren, auch wenn es für die Veranstalter "nicht immer einfach" war und ist, das Anliegen des Festivals zu vermitteln. Wir haben beim Elevate Team (Daniel Erlacher, Roland Oreski, Bernhard Steirer) nachgefragt, wofür das Festival steht, was man in den zehn Jahren bewirken konnte und auf welche Gäste man sich dieses Jahr besonders freut.

KURIER: Diskurs & Aktivismus lautet das diesjährige Motto. Was genau kann man sich darunter vorstellen?
Elevate-Team: Eine Kombination von nostalgiefreien Rückblicken, intelligenten Gegenwartsanalysen und spannenden Zukunftsperspektiven. Wir beschäftigen uns mit den großen Elevate Themenbereichen, die in fast jedem Jahr eine Rolle spielen: Commons (als roter Faden), Demokratie und soziale Bewegungen, die sozial-ökologische Transformation und Medien/Technologie. Zusätzlich wollen wir auf Elevate selbst und die Verbindung Musik/Diskurs/Aktivismus eingehen. Zahlreiche neue Themenfelder gibt es ebenso: Fair und Clean IT und Open Hardware - eine deutliche Kritik an den Monopolisierungstendenzen der IT Szene. Die Macht von Google, Facebook und Co. muss kritisch gesehen werden. Aber es geht nicht nur um eine kritische Analyse, sondern vor allem um jene alternativen und progressiven Ideen, die der Gesellschaft wirklich etwas bringen. Im Kleinen, wie auch im Großen. Lokal und global.

Was genau will das Elevate Festival erreichen?
Wir wollen erreichen, dass sich Menschen nicht nur mit komplexen und kritischen Diskursen zur Gesellschaftspolitik auseinandersetzen, sondern vor allem auch offen sind für neue Ideen, abseits jeder ideologischer Scheuklappen. Das gilt auch für das künstlerische Programm: Offen und experimentierfreudig sein, aber die eigene Vergangenheit nicht vergessen und viel Liebe zum Detail an die Sache herangehen.

Konnte man diesbezüglich in den bisherigen zehn Jahren schon etwas bewirken?
Durchaus. Es gibt zahlreiche Beispiele, wo Menschen sich am Festival inspirieren ließen und dann selber aktiv wurden: Eine "Commons"-Folgekonferenz in Deutschland, nach dem Festival 2008. Es gibt auch konkrete Projekte, die aus dem Festival heraus entstanden sind, wie zum Beispiel die Initiative 14mmm.org, ein Mapping Projekt, das OpenStreetmap nutzt. Bei uns kommen Menschen in netter und teilweise auch konsumfreier Atmosphäre zusammen und finden somit einen idealen Nährboden, um progressive Ideen voranzutreiben. Es ist besonders schön zu sehen, wenn die Inspiration nicht nur vom Elevate ausgeht, sondern das Publikum gleichfalls aktiv am Geschehen teilnimmt und sich einbringt. Künstlerisch gesehen hat sich das Festival mit der Zeit weiterentwickelt, aber seinen Charakter nicht verloren. Das merken auch die auftretenden Künstler und somit sind auch auf dieser Ebene viele Kontakte und wohl auch neue Kooperationen eingefädelt worden.

Wie gehen Clubkultur, experimentelle Klangkunst und Weltverbesserung zusammen?
Indem sich die Menschen, die das Festival programmieren, zusammentun und gemeinsam mehr erreichen. Unser Anspruch ist aber nicht, alles zwanghaft zu verschmelzen, sondern eher auf wohldosierte Überschneidungen zu setzen, ohne den für das Festival sehr zentralen Fokus auf die inhaltlich-diskursive bzw. künstlerische Qualität aus den Augen zu verlieren. Heuer legen wir zur zehnten Festivalausgabe wieder einen Fokus auf die unterschiedlichen Bereiche und präsentieren mit der Diskussionsrunde „Creative Response/Ability“ ein spannendes Thema: Wie reagieren Künstler und Künstlerinnen auf gesellschaftliche Verhältnisse – und welche Verantwortung tragen sie dabei?

Ausgewählte musikalische Höhepunkte des Festivals

Wie schwierig ist es, Gäste wie Amy Goodman (Democracy Now!) fürs Festival zu gewinnen?
Es ist manchmal gar nicht so schwierig wie man glaubt. Amy Goodman ist schon ein Fall, wo wir seit Jahren dran sind. Sie war ja 2009 schon einmal via Videostream bei uns zugeschaltet. Democracy Now! War auch schon einige Male Ideengeber und Inspiration für das Elevate Programm. In dem Sinne freuen wir uns umso mehr! Manchmal reicht aber auch Mut, die ehrliche Anfrage und das Klarstellen, dass wir keine kommerzielle Ausrichtung als Verein haben. Im ersten Jahr (2005) gelang es ja sogar, Jimmy Wales, den Begründer von Wikipedia, nach Graz zu bringen. Ebenso 2005 zu Gast: Phil Zimmerman, den Erfinder der weltweit wohl meist benutzten Email-Verschlüsselungs-Technologie PGP (Pretty Good Privacy). Wichtig ist für unsere Gäste immer: Der Inhalt und das besondere Flair von Elevate stehen im Vordergrund. Es geht nicht ums Geld oder Prestige.

Auf welchen Gast freut ihr euch heuer besonders – und warum?
Amy Goodman natürlich, weil sie wohl eine der herausragendsten Persönlichkeiten der weltweiten Medienszene ist. Toll ist auch: Democracy Now! Wird erstmals live an ein globales Millionenpublikum aus dem Okto.tv-Studio in Wien gesendet. Eine Österreichpremiere auf Democracy Now! Sie ist am Freitag dem 24.10. also in Wien, auch abends bei einer Diskussion im Radiokulturhaus, und am 25.10. in Graz. Ganz besonders freuen wir uns auch auf Micah Lee, den „digitalen Bodyguard“ von Glenn Greenwald und The Intercept, der mehr als eine Woche bei uns bleibt. Unsere via Videostream zugeschalteten Gäste sind auch klingende Namen einer globalen Bewegung, die vor dem Klimawandel warnt und betont, dass vor allem auch das Wirtschaftssystem und dessen Wachstumszwang nicht mit der Natur dieses Planeten vereinbar sind: Bill McKibben (350.org/USA), Vandana Shiva (navdanya.org / INDIEN) und Alternativnobelpreisträger Pat Mooney (etcgroup.org/Kanada).

Wie schwer ist es, in Zeiten von nicht vorhandenem Sponsoring und stagnierender Kulturförderung, so ein Festival auszurichten?
Es war schwer genug und jahrelange Arbeit. Wir sind aber derzeit vom Land Steiermark und Stadt Graz aus relativ gut abgesichert und auch ein willkommener Partner. Einzig vom Bund würden wir uns deutlich mehr Unterstützung erwarten. Aber damit sind wir nicht die Einzigen in der steirischen Kulturszene. Es fließt einfach zu wenig Geld von Wien aus in die Bundesländer. Das kritisiert auch die IG Kultur. Wir haben viele Partner und auch Sponsoren und freuen uns sehr, dass uns heuer die Contempus Kulturstiftung mit einer deutlichen Erhöhung unterstützt. Auch in den nächsten Jahren werden wir das Festival durch inhaltliche und künstlerische Qualität stark positionieren und hoffen, dass wir die Mittel steigern können, um weiterhin sehr inspirierende internationale Gäste aus allen Bereichen nach Graz zu holen.

INFO: Das Elevate Festival 2014 findet vom 23. bis zum 26.10. in verschiedenen Locations in Graz statt.

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