Kultur
15.03.2018

Einems "Besuch der alten Dame": Liebe und Rache

Mezzosopranistin Katarina Karnéus über "Der Besuch der alten Dame" im Theater an der Wien.

Gleich zwei Wiener Institutionen würdigen in den kommenden Wochen einen der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts: Gottfried von Einem. Anlässlich der 100. Wiederkehr des Geburtstags (im Jänner) kommen zwei Schlüsselwerke des 1996 verstorbenen Künstlers zur Aufführung. So ist an der Staatsoper ab 24. März "Dantons Tod" in einer Neuproduktion zu sehen; das Theater an der Wien legt bereits diesen Freitag (16. März) mit der Premiere von "Der Besuch der alten Dame" vor. Die Titelpartie der Claire Zachanassian singt dabei die schwedische Mezzosopranistin Katarina Karnéus.

"Ich habe acht Monate an dieser Rolle gelernt", sagt Katarina Karnéus im KURIER-Gespräch. "Von Einems Musik ist herrlich, auch das Libretto von Friedrich Dürrenmatt ist großartig. Aber für mich ist eine Herausforderung, vor allem den deklamatorischen Gesangspassagen gerecht zu werden", so das Ensemblemitglied der Göteborg Opera.

Die Geschichte rund um die Milliardärin Claire Zachanassian, die in ihre alte, heruntergekommene Heimat Güllen zurückkehrt, um Rache an ihrer einstigen Liebe Ill zu nehmen, sieht Karnéus differenziert. "Natürlich geht es hier um Rache an Ill, der sie einst schwanger sitzen ließ, dessen Kopf sie von den Bürgern Güllens gegen viel Geld fordert. Aber es ist auch eine Liebesgeschichte. Ich denke, Claire hat Ill wirklich geliebt, hat durch ihn unendlich Demütigungen erfahren und holt ihn aber letztlich als Toten für immer zu sich heim. Liebe und Rache – beides ist eng miteinander verbunden. Ich kann Claire in gewisser Weise gut verstehen."

Groteske Momente

Ja, aktuell sei diese 1971 uraufgeführte Oper immer noch. Denn: "Wir leben in einer Zeit der völligen Profitmaximierung, des Shoppingwahns, des Geldes. Die Korrumpierbarkeit der Bürger Güllens zeigt das sehr schön. Aber ich finde viele Momente auch herrlich komisch, ja fast grotesk. Unser Regisseur Keith Warner hat auch das gut herausgearbeitet, neben aller Sozialkritik", sagt die Theater-an-der-Wien-Debütantin.

Zum Gesang kam Katarina Karnéus übrigens durch die unvergessene Birgit Nilsson, deren 100. Geburtstag heuer ebenfalls gewürdigt wird. "Ich habe als Kind Tag und Nacht Nilsson gehört, und jetzt darf ich selbst schon so viele Jahre auf der Bühne stehen." Mit einem Repertoire von Mozart oder Rossini bis zu Wagner und Strauss. Karnéus: "Ich bin viel zu neugierig und möchte mich nie in eine Schublade, in ein Fach pressen lassen."