Eine Frischzellen­kur mit hohem Starfaktor

La Boheme…
Foto: Wiener Staatsoper/Michael Poehn Leidenschaftlich und intensiv: Vittorio Grigolo als Rodolfo und Angela Gheorghiu als Mimì in „La Bohème“.

Kritik: Giacomo Puccinis "La Bohème" wie Angela Gheorghiu und Vittorio Grigolo an der Wiener Staatsoper.

Darf man es einmal deutlich festhalten? Ja, es macht einen Unterschied, wenn ein Superstar wie Angela Gheorghiu im Haus am Ring eine Repertoire-Aufführung von Giacomo Puccinis „La Bohème“ singt. Und wenn sie dann noch einen Partner wie etwa den Tenor Vittorio Grigolo an ihrer Seite hat, dann wirkt auch die 403. Aufführung von Franco Zeffirellis Inszenierung plötzlich taufrisch und höchst lebendig.

Festspiele einer Diva

Aber der Reihe nach: In dieser Spielzeit ist Angela Gheorghiu an der Staatsoper sehr präsent: Puccinis „Tosca“ hat sie schon gesungen, am 7. und 11. Dezember folgt noch zwei Mal die Mimì in der „Bohème“, und ab 16. Februar ist die Sopranistin in einer Neuproduktion als Francesco Cileas „Adriana Lecouvreur“ zu erleben. Man darf sich bereits jetzt freuen.

Denn Angela Gheorghiu ist – das ließ sich auch anhand ihrer Mimì feststellen – eine hinreißende Darstellerin. Eine, die das Schicksal der liebenden und kranken Mimì intensiv zu gestalten weiß. Vom ersten Kennenlernen über das unbeschwerte Glück mit Rodolfo bis zum bitteren Tod in der kleinen Mansarde – die Gheorghiu ist eine großartige Gestalterin und eine ebenso großartige Sängerin.

Ihrer schöner, klarer, fein geführter, leuchtender Sopran ist auch für diese Partie schlicht ideal; herrlich auch die lyrischen Momente und die zarten Piani.

Ähnliches gilt auch für Vittorio Grigolo, der den Rodolfo mit Schmelz, Hang zur Höhe und leidenschaftlicher Expressivität gestaltet. Grigolo verfügt über einen kräftigen, strahlenden Tenor und gibt schauspielerisch alles. Sein Rollendebüt im Haus am Ring war eine echte Freude.

Neben diesem Duo sind bewährte Kräfte im Einsatz. So wird Gabriel Bermúdez in die Rolle des Marcello stimmlich sicher noch mehr hineinwachsen; als Charakter füllt er diese Partie jetzt schon aus. Valentina Nafornitá ist eine vokal nicht große, aber kecke und höhensichere Musetta; Dan Paul Dumitrescu (Colline) und Tae-Joong Yang als Schaunard fügen sich solide ein. Und Wolfgang Bankl hat als Benoit und Alcindor die Lacher auf seiner Seite.

Nur Dirigent Philippe Auguin (für ihn gab es ein lautes, aber überzogenes Buh) darf am Pult des routinierten Orchesters noch mehr Feinheiten zulassen.

KURIER-Wertung:

(kurier) Erstellt am
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