Einblicke in die Gedankenwelt Pädophiler

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Foto: verleih Der Dämon steckt auch im netten jungen Mann.

Diagonale: Sebastian Meises Dokumentation "Outing" gibt erstaunlich offene Einblicke in die Gedankenwelt Pädophiler.

Eigentlich ist Sven ja so wie die fröhlichen, feschen Teenies in der Werbung: ein sympathischer junger Mann, der viel vor dem Computer hockt, viel telefoniert und brav Archäologie studiert. Wäre da nicht sein unwiderstehlicher Drang zu Kindern. "Ich war selbst erschrocken, als ich merkte, dass mich meine vierjährige Cousine sexuell anzog", erklärt der 19-Jährige. Er arbeite daran, die "Gedanken zu vertreiben". Was ihm natürlich nicht gelingt.

Sebastian Meises Dokumentation "Outing" ist ein erstaunlich offener und zugleich beklemmender Einblick in die Gedankenwelt einer "tickenden Zeitbombe". Eines Mannes mit pädophilen Neigungen, der diese durch diverse Therapien im Zaum zu halten sucht, aber nie sicher ist, ob sie nicht doch die Oberhand gewinnen. Die Dokumentation ist Ergänzung zu Meises Spielfilm "Stillleben", in dem es um das gleiche Thema – die Obsession eines nach außen hin braven Familienvaters in der Provinz von seiner Tochter – geht. Der Sohn entdeckt, dass Papa für seine Lydia etwas zu viel Zuneigung empfindet – er hortet Kinderfotos von ihr, hat sie aber nie unsittlich berührt – und outet den Vater als Perversen. Zerstört damit die ganze Familie.

Beide Filme, die Meise bei der Diagonale in Graz präsentierte, sind packende Grenzgänge: Er wirft die Frage auf, wie weit Fantasie gehen darf. Wie schuldig man sich allein durch seine Fantasien macht. Wie effektiv die Therapie noch nicht straffällig gewordener Pädophiler sein kann.

Jeansbuben

Ein Grenzgänger war auch Hermes Phettberg ein Leben lang. In ästhetischen Schwarz-Weiß-Bildern setzt Sobo Swobodnik dem einstigen Kult-Moderator der "Nette Leit Show" ein zärtliches Denkmal. Er besucht den nach mehreren Schlaganfällen geh- und sprechbehinderten Außenseiter in seiner Wohnung im 6. Wiener Bezirk und filmt sein "elendes Leben".

Doch es wäre nicht Hermes Phettberg, hätte er sich trotz aufgewärmtem Essen auf Rädern und Inkontinenz nicht seinen Humor bewahrt: Noch immer träumt der nun "Post-Homosexuelle" von knackigen Jeansbuben und dem Papst mit seinen Kardinälen. Was Phettberg selbst nicht mehr sagen kann, spricht übrigens Josef Hader. Ein Film, der einen trotz allem schmunzeln lässt.

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(kurier) Erstellt am
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