Kultur
05.09.2017

Ein neues, tolles "Spielzeug" in der Staatsoper

Der erste Abend der neuen Saison der Wiener Staatsoper war Verdis "Il trovatore" gewidmet – viel Applaus für zwei Einspringer.

Die Wiener Philharmoniker sind (respektive das Wiener Staatsopernorchester ist) zurück von musikalischen Festspiel-Aktivitäten – bestimmt werden die Musikerinnen und Musiker schon bald wieder jenem Niveau nahekommen, das sie während des Sommers mit hochkarätigen Dirigenten erreicht hatten. Der Saisonauftakt an der Staatsoper mit Giuseppe Verdis "Il trovatore" und mit Marco Armiliato am Pult war zumindest schon ambitioniert, wenn auch noch ein bisschen wackelig und allzu voluminös.

Aber kommen wir gleich zur wesentlichsten Neuerung, die fürderhin jede Besucherin und jeden Besucher betreffen wird: Es gibt seit Montag ein neues " Spielzeug", mit dem man Freude haben darf. Vor jedem Platz ist eine Art Mini-Ipad montiert, das nun nicht mehr nur den Text zum Mitlesen anbietet, sondern auch Inhaltsangaben, Besetzungen, Spielpläne und Antworten auf häufig gestellte Fragen. Zum Beispiel: Darf ich Fotos und Videos machen? Oder: Kann ich Speisen und Getränke für die Pause vorbestellen?

Zwei Millionen Euro hat die technische Aufrüstung gekostet, die Oper hat sie selbst aus ihrem Budget bezahlt. Die Bildschirme blenden weniger als die Vorläufermodelle, die Untertitelung funktioniert sehr gut, das ist eindeutig eine Verbesserung und ein fabelhaftes Service. An die Einspeisung von Videospielen ist nicht gedacht, Werbung wird wohl irgendwann kommen.

Die Frist ist um

Zur Aufführung selbst: Die Inszenierung von Daniele Abbado ist zwar auch noch recht neu, leider ist man aber im Opernbereich bezüglich der Umtauschfrist sehr kleinlich, nachträgliche Reklamationen sind also sinnlos.

Die meisten hatten wohl Tickets für einen Auftritt von Anna Netrebko als Leonora gekauft – sie bekamen immerhin Yusif Eyvazov als Manrico (ursprünglich war Marcelo Alvarez geplant). Eyvazov singt aufopfernd, verfügt allerdings nicht über das allerschönste Timbre. Seine Höhen sind klar, bei der "Stretta" wagte er nicht sonderlich viel. Anstelle der erkrankten Netrebko sang Maria José Siri die Leonora: Kultiviert, mit schöner Phrasierung, Sicherheit in den Spitzentönen und sehr berührend. Sie ist alles andere als zweite Wahl.

Auch Luciana D’Intino als ausdrucksstarke Azucena, George Petean als präziser, hell timbrierter Luna sowie Jongmin Park als stimmlich präsenter Ferrando runden die gute Besetzung ab.