Maestro Nikolaus Harnoncourt reacts during a dress rehearsal of Wolfgang Amadeus Mozart's opera 'Die Zauberfloete' in Salzburg July 24, 2012. The opera is conducted by Harnoncourt and will premiere on July 27 as part of the annual Salzburg Festival. REUTERS/Herwig Prammer (AUSTRIA - Tags: ENTERTAINMENT)

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Kritik
07/20/2013

Ein idealer Festspiel-Auftakt

Jubel für Harnoncourt und seinen Concentus nach Haydns Oratorium "Die Schöpfung"

von Gert Korentschnig

Prachtwetter in Salzburg. Und genau eine Stunde vor dem Festspiel-Auftakt setzt Schnürlregen ein, sodass einander Menschen in Lederhosen und solche in Abendroben unter den schützenden Bäumen treffen. Alles wie gehabt also in Salzburg, wo am Freitag im Großen Festspielhaus das erste Konzert dieses Sommers stattfand.

Streng genommen handelte sich dabei um den Beginn der „Ouverture spirituelle“, der Woche mit geistlicher Musik, die Intendant Alexander Pereira wieder vor den eigentlichen Festspielstart stellte. Dass man nicht weiß, wann es wirklich losgeht und aufhört und neuerdings fast das ganze Jahr Festspiele sind – das passt auch gut ins Konzept.

Bei der „Ouverture spirituelle“ wird heuer aus dem christlichen Glauben motivierte Musik mit solcher aus buddhistischen Ländern kontrastiert. Das erste Konzert war – wie schon im vergangenen Jahr – Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ gewidmet. Alljährlich dasselbe Werk am Anfang – das könnte auch furchtbar langweilig sein. Nicht aber, wenn man jemanden wie Nikolaus Harnoncourt am Pult hat, der – nach dem linearen und klassischen Zugang von John Eliot Gardiner mit den English Baroque Soloists im Vorjahr – dieses Werk mit dem Concentus Musicus interpretiert.

Göttlich

Bei Harnoncourt ist die „Schöpfung“ zunächst ein besonders feinfühliger, intellektuell und architektonisch exakt konzipierter Akt Gottes, der die Welt in zartestem Pianissimo pinselt und viel Raum und Zeit zur Entfaltung braucht. Beim berühmten Satz „Es werde Licht, und es ward Licht“ beginnt das fabelhafte Orchester aber auch klanglich zu strahlen und entwickelt mit seinem Meister Farbenpracht, zwischendurch versetzt mit viel Humor. An diese in ihrem großen Bogen ebenso wie in ihrem Detailreichtum überzeugende „Schöpfung“ wird man noch lange denken.

Sehr erfreulich auch der Schoenberg Chor, während bei den Gesangssolisten – neben Michael Schade und Martina Janková – vor allem der Bass Florian Boesch mit sensibler Gestaltung berührte.

Stellvertretend für das herausragende Orchester sei ein Musiker erwähnt, der am Freitag sein letztes Konzert für den Concentus Musicus spielte: der Fagottist Milan Turkovic, der sich künftig aufs Dirigieren konzentrieren will. Er war jahrzehntelang mitverantwortlich für die hohe Qualität dieses Klangkörpers.

KURIER-Wertung: ***** von *****

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