Kultur
09.12.2011

"Ein Fall für zwei": Matula tritt ab

Josef Matula geht nach 30 Dienstjahren in Pension. Am Montag startet die letzte Staffel mit der Folge "Der Fall Matula". 20:15 Uhr, ORF2.

Ein Stück Fernsehgeschichte geht zu Ende. "Ich habe mir gedacht, nach 30 Jahren habe ich eine größere Pause verdient", eröffnete Claus Theo Gärtner, der seit Beginn von "Ein Fall für zwei" den Privatdetektiv Josef Matula verkörpert, vor Kurzem seinen Fans.

Mit ihm geht einer der dienstältesten Ermittler der Fernsehgeschichte. Eine Rückkehr will Gärtner nicht ganz ausschließen. Er möchte mit seiner Frau auf eine einjährige Tour von Alaska nach Feuerland gehen. Und diesen Traum will er sich nicht erst dann erfüllen, wenn er im Rollstuhl sitzt. Was danach kommt, wird man sehen.


Mit Gärtner tritt auch Serien-Partner Paul Frielinghaus ab. Trotz des Abschieds wollen weder das ZDF noch die Produktionsfirma Odeon TV das Format sterben lassen. Derzeit werden neue Konzepte für ein neues Team erarbeitet. Über Schauspieler wird erst mit dem neuen Konzept entschieden.


30 Jahre war Josef Matula die Verkörperung des coolen, knallharten Raubeins, das beim Ermitteln gern unkonventionelle Methoden anwendet. Ein Macho, der mit rauer Stimme kantige Sprüche klopft und immer knapp bei Kasse ist. Der auf fahrende Autos hüpft und elegant abrollt. Und der in so gut wie jeder Folge Prügel einsteckt oder austeilt. Das ist wohl auch Teil jenes Männerbildes, das die seit 11. September 1981 laufende Serie vermittelt: Wenn es um Gerechtigkeit geht, nimmt er eine blutige Nase in Kauf.

 

Zähne blecken

Matula ist rau, aber ein guter Kerl. Irgendwie von gestern, irgendwie liebenswert. Mit immer schütterer blonder Scheitelfrisur im Stil der frühen 80er. Er legt Wert auf ein jugendliches Erscheinungsbild. Sein Grinsen ist eher ein

Zähneblecken. Sein Sport-Shirt liegt (auch in der heutigen Folge) eng an und da ist kein Hauch von Bauch zu sehen. Doch krampfhaft auf jugendlich machen, muss zumindest in musikalischen Belangen nicht sein. Hip-Hop? „Nur über meine Leiche.“ Lieber Black Sabbath. 2013 wird Gärtner siebzig, nun möchte der „alte Mann mit der Lederjacke“ ( Der Spiegel ) sein Leben genießen.

 

Tarzan

Gärtner, der seit seinem sechsten Lebensjahr Schauspieler werden wollte (seit er im Kino "Tarzan in der Großstadt" mit Johnny Weissmüller gesehen hat), hatte immer auch andere Interessen: Irgendwann einmal war er kurz davor, Profi-Rennfahrer zu werden, ist letztlich aber bei der Schauspielerei geblieben. Die Rolle des Matula hat ihm viel ermöglicht, unter anderem einen Alfa Romeo als Dienstauto.


Das Konzept der Serie: Privatdetektiv Josef Matula (Gärtner), ehemaliger Polizist, arbeitet für Mandanten eines Rechtsanwaltes. Oft muss er den wahren Täter suchen, damit ein Unschuldiger entlastet wird. Ort der Handlung ist Frankfurt am Main. Vier Partner hat Matula verbraucht: 1981 bis 1988 Dr. Dieter Renz (Günter Strack †); 1988 bis 1997 Dr. Rainer Franck (Rainer Hunold); 1997 bis 2000 Dr. Johannes Voss (Mathias Herrmann), und zuletzt Dr. Markus Lessing (Paul Frielinghaus).


Auch in der heutigen Folge gerät Matula in Schwierigkeiten. Dialoge und Handlung sind stellenweise etwas hölzern ("verdammt Richie, es gibt ’ne undichte Stelle"), trotzdem sehenswert. Nicht zuletzt wegen Josef Matula.