Kultur 05.12.2011

Ein Ex-Philharmoniker geht eigene Wege

Manfred Honeck dirigiert das Pittsburgh Symphony Orchestra in Grafenegg und hat auch für Wien einige Pläne.

Einzigartig. Anders ist sie kaum zu bezeichnen, die Karriere des Manfred Honeck. Als Solo-Bratschist hat Honeck über Jahre den Orchesterklang der Wiener Philharmoniker mitgeprägt, dann aber hat er "seine musikalische Familie" verlassen, um freiberuflicher Dirigent zu werden.

Heute, Jahre später, ist Manfred Honeck Chefdirigent des international renommierten Pittsburgh Symphony Orchestra. Sein Vertrag wurde erst vor Kurzem bis 2016 verlängert. Aus gutem Grund: Denn Honeck - sein Bruder Rainer ist Konzertmeister der Wiener Philharmoniker - hat das amerikanische Orchester an der internationalen Weltspitze gehalten und dem Klangkörper seinen eigenen, persönlichen Stempel aufgedrückt. Nachzuprüfen am 1. und 2. September beim Musik-Festival in Grafenegg.

Unsentimental

Honeck: "Ich freue mich sehr, dass wir im Rahmen unserer großen Europa-Tournee auch in Grafenegg Station machen dürfen. Das ist für mich schon so eine Art Rückkehr nach Hause, zu den Wurzeln. Auch wenn ich das insgesamt ganz unsentimental sehe."

Nachsatz: "Zu Grafenegg - es ist unglaublich, was man hier geleistet hat, was Intendant Rudolf Buchbinder da gelingt. Grafenegg ist für mich der beste Beweis, was in einem kleinen Land wie Österreich kulturell alles möglich ist. Denn kulturell ist Österreich, sind wir Weltmeister. Das sollten wir aber auch nie vergessen. Vor allem die Politiker nicht."

Im Gepäck haben Honeck und seine Musiker Werke von Mendelssohn-Bartholdy, Rihm, Tschaikowsky, Beethoven und Mahler; Solistinnen sind die Geigerin Anne-Sophie von Mutter sowie die Pianistin Hélène Grimaud. Honeck: "Vor allem Mahler liegt mir sehr am Herzen, denn er ist den USA ein bisschen unterrepräsentiert. Außerdem habe ich versucht, diesem hervorragenden Orchester auch ein bisschen etwas vom Wiener Klangstil zu vermitteln. Lachend: "Man kann ja seine künstlerische Prägung doch nicht ganz verleugnen."

Für Wien ist Honeck mit dem Musikverein über Gastspiele "seiner" Pittsburgher "im Gespräch". Und Staatsoperndirektor Dominique Meyer will den Maestro an den Ring holen. "Ich denke, wir kommen da in absehbarer Zukunft zusammen."

Wie aber hat sich die Wirtschaftskrise auf das Pittsburgh Symphony ausgewirkt? "Wir haben das ganz gut gemeistert. Aber künstlerisch muss man dem Publikum Zugeständnisse machen. Statt der einen oder anderen Rarität spielen wir populärere Stücke. Die Zeit des Experimentierens ist noch nicht gekommen."

Honeck: Dirigent statt Solo-Bratschist

Biografie: Manfred Honeck wurde 1958 geboren, nach seinem Ausscheiden bei den Wiener Philharmonikern war er u. a. Musikdirektor an der Oper in Oslo und Generalmusikdirektor an der Oper in Stuttgart. Seit 2008 in Pittsburgh.

Grafenegg: Pittsburgh Symphony Orchestra, Manfred Honeck, Anne-Sophie Mutter (am 1. 9.) , Hélène Grimaud (2. 9.). Karten: www.grafenegg.at

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011