Lukas Resetarits.

© /Katrin Werzinger/Stadtsaal

Kritik
03/17/2017

Ein alter Querulant erinnert sich an goldene Zeiten

Lukas Resetarits mit "70er – leben lassen".

Ich gebe es zu: Wer meine Frau zum Lachen bringt, hat meine Sympathien. Lukas Resetarits ist das – wieder unterstützt von seiner Tochter Kathrin – mit seinem 26. Solo "70er – leben lassen" hervorragend gelungen.

Premiere war am Dienstag im Stadtsaal. Wer die 70er-Jahre erlebt hat, bekommt sie vom Kabarettisten noch einmal treffend mit viel Selbstironie vor Augen geführt: Als die Zukunft noch Zukunft war, Raucher überall und jederzeit hemmungslos qualmen durften und Kinder prügeln gang und gäbe war. Als "Frauen zu Personen wurden und das vielen nicht recht war".

Als gar nicht wenige gegen den Bau von U-Bahn, UNO-City und Donauinsel protestiert haben. Als man noch keinen Airbag und keinen Gurt und kein Navi, sondern gefaltete Landkarten hatte.

Und: "Sexfilm war eine Frau, die ohne Kopftuch durch das Bild gegangen ist."

Mit einem Wort: Es waren goldene Zeiten. Kunststück: Man hatte noch einen positiven Blick in die Zukunft.

Alltagsarchäologe

Wie ein Alltagsarchäologe spürt Resetarits dem Lebensgefühl von damals nach, ruft vieles, was im vergesslichen Hirn schon verschütt gegangen ist, im Detail wieder in Erinnerung.

"Ich bin der Meinung", sagte Bruno Kreisky. Und der "Sonnenkönig" hatte eine Meinung. "Heute sagen die Politiker: Ich denke", so Resetarits, "und sie lügen."

Es gab in der neben Phänomenen wie Disco-Seligkeit und Drei Wetter Taft, dem "perfekten Halt fürs Haar", auch herzeigbare Siege zu feiern seinerzeit: die Arena-Besetzung und die Verhinderung von Zwentendorf.

Wenn sich Resetarits vor der Pause die Figur des in die Jahre gekommenen glücklichen arbeitslosen Steirers aneignet, und danach den Ausländer-Hunde-Tauben-Hasser spielt, der sich selber nicht leiden kann, da ist er plötzlich ganz Satiriker, der über die Schreamsn agiert: Der da auf der Bühne das Gegenteil dessen sagt, was er meint. Der diese Typen mit anderen Mitteln lebendig werden lässt, die sein verstorbener Freund Manfred Deix zum Weinen schön gezeichnet hat.

"Die meisten Menschen wollen gar nicht mehr", wundert sich Resetarits, der aus einer Generation kommt, als man noch "keine Zeit für Angst hatte" und man die Gesellschaft verändern, nein: verbessern wollte". "Die meisten heute wollen doch nur, dass der andere weniger hat als sie selbst."

Aber der Alt-Linke und alte Querulant im positiven Wortsinn – er wird im Oktober 70 "und 70 ist bekanntlich das neue 50" – hat Hoffnung und ist überzeugt: Der Weg führt vorwärts zurück in die Zukunft.

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