Kultur
23.11.2012

Ehrenpreis für Brigitte Hamann

Die bekannte Historikerin wurde als "mahnende Stimme" mit dem Ehrenpreis des Buchhandels ausgezeichnet.

Sie sei nicht nur eine „große Darstellerin“ mit einem „imposanten Oeuvre“, sondern vereine auch „wissenschaftliche Rigorosität mit publikumsfreundlicher Lesbarkeit.“ Das mache Brigitte Hamann zu einer der erfolgreichsten Historikerinnen des deutschen Sprachraums, lobte Gerald Stourzh, selbst emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Wien, bei der Verleihung des Ehrenpreises des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln die Preisträgerin am Donnerstagabend im Wiener Rathaus.

Mit ihren populären Werken wie den Biografien zu Kronprinz Rudolf oder Kaiserin Elisabeth, aber auch ihrer Auseinandersetzung mit Hitlers Wien vereine Hamann hohe Intelligenz, einen starken Willen und die Freude an der Recherche mit einigem an Mut und Disziplin, so Stourzh weiter. Sie habe sich mit ihrem Wunsch, ein größeres Publikum zu erreichen, durchgesetzt, was ihr auch ihre Gabe als „große Darstellerin“ bescheinige.

"Große Humanistin"

Hamanns Verdienste – etwa mit dem Lexikon der Habsburger“ seien „von keiner Wikipedia zu schlagen“, meinte Stourzh. Der Preis des Buchhandels sei eine „angemessene Ehrung für eine große Schriftstellerin und Humanistin“.

Auch Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ), der als „Hausherr“ und in Vertretung von Bürgermeister Michael Häupl anwesend war, bescheinigte nicht nur dem Ort der Preisverleihung – dem Stadtsenatsitzungssaal – einiges an historischer Bedeutung, sondern auch Hamann ein Talent für die Vermittlung und Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. „Sie hat damit sowohl zur Wissenschaft, als auch zur Volksbildung beigetragen und so eine wichtige Brückenfunktion eingenommen“, meinte Ludwig.

Auf geradezu „idealtypische Weise“ setze sich die Preisträgerin für die Verständigung in Europa und die Toleranz gegenüber Nachbarn ein, erklärte der Vorsitzende des Verlegerverbandes Benedikt Föger die Entscheidung für Hamann. Von der Monarchie bis zu den Katastrophenjahren im 20, Jahrhundert hätten die Werke der Historikern „großen Einfluss auf unsere Sichtweise der Vergangenheit und Gegenwart“, erklärte Föger. Das mache die Qualität ihres Schreibens aus, dass es den „Blick auf scheinbar Bekanntes verändert und dadurch auf neue Art zugänglich macht.“

Auch die offizielle Stellungnahme der Jury unterstrich diese Wahrnehmung: „Brigitte Hamann legt mit dem objektiven Blick einer nicht gebürtigen Österreicherin die Identität dieses Landes offen“, heißt es hier. Sie trete in ihren Analysen immer wieder als Mahnerin auf und appelliere, „alles zu tun, um die Entstehung sozialer Gegensätze und wirtschaftlicher Notlagen zu vermeiden, wie sie etwa zum Aufstieg des Nationalsozialismus beigetragen haben. Insbesondere vor dem Hintergrund aktueller krisenhafter Situationen in Europa sind mahnende Stimmen wie jene von Brigitte Hamann unverzichtbar.“

Hamann nahm den mit 10.000 Euro dotierten Preis erfreut entgegen und erinnerte sich an ihren ersten Reisen von ihrer Heimat Essen nach Wien und ihre Anfangszeit in der Stadt: „Ich wollte hier raus, und wohin wollte ich? Ich wollte nach Wien. Es war toll“, so die Preisträgerin, die ihre Rede ansonsten neben einigen Dankesworten kurz hielt.

Der Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels wird seit 1990 jährlich vergeben. Unter den bisherigen Preisträgern finden sich unter anderen Milo Dor, Simon Wiesenthal, H. C. Artmann, Ilse Aichinger und Klaus Wagenbach. Im Vorjahr wurde „Polt“-Erfinder Alfred Komarek mit der Auszeichnung bedacht.