Kultur
20.06.2017

Dustin Guy Defa: Partygast liegen geblieben

US-Regisseur Dustin Guy Defa zeigt am Dienstagabend im Wiener Filmcasino seine schrägen Kurzfilme.

Weihnachten, das Fest der Liebe. Dazu gehören leuchtende Kinderaugen, geschmückte Christbäume und harmonische Familienfeiern mit Eltern und Verwandten.

Doch die Home Movies des amerikanischen Independent–Filmemachers Dustin Guy Defa sehen anders aus: Auf verwaschenen VHS-Bildern halten Frauen mit Fönfrisur fahrig ihre Bierdosen in die Kamera, saugen dabei gierig an Zigaretten und lachen hysterisch. Manisch gute Laune, die auf der Kippe zu stehen droht. Eine Frau schluckt verstohlen eine Tablette. Die Urli-Oma, eine zahnlose Alte, sitzt auf dem Sofa und krächzt. Die Kamera bewegt sich in Richtung eines Zimmers, in dem eine Gruppe von Männern vor dem Fernseher sitzt. "Da würde ich nicht hineingehen", sagt eine Frau grimmig: "Die schauen sich gerade schweinische Filme an. Und das zu Weihnachten!"

"Family Nightmare" nannte Dustin Guy Defa den Zusammenschnitt seiner Familienfilme. Defa selbst kommentiert mit in die Tiefe verzerrter Stimme die festlich familiären Treffen Geburtstag, Hochzeit und Weihnachten. Dazu unterlegt er einen latent düsteren Sound und verpasst damit seinem verdrogten Familienalbum einen drohenden Unterton.

Im Nachspann von "Family Nightmare" wird es dann richtig deprimierend: Der Großvater starb an Oberschenkelbruch nach einer Rauferei mit Sheila. Sheila starb 48-jährig an den Folgen von Alkoholismus. Daryl starb 44-jährig an Heroin-Überdosis. Und so weiter.

Geheimtipp

"Family Nightmare" (2011), eine zehnminütigen Destillation aus 40 Stunden Familienvideos, war einer der ersten Filme, mit denen Dustin Guy Defa als Filmemacher (in Sundance) von sich reden machte. Seitdem gelten der Mann aus Salt Lake City und seine schrägen (Kurz-)filme als Geheimtipp. Dass Defa seiner traumatischen Herkunft mit verwinkeltem Humor begegnen kann, bewies er mit Arbeiten wie "Person to Person" (2014) oder "Review" (2015). In "Person to Person", einer witzigen Miniatur, die den Realismus der 1970er-Jahre atmet, findet der Besitzer eines New Yorker Schallplattengeschäfts eine junge Frau in seiner Wohnung. Sie ist nach seiner Party als Überbleibsel auf dem Teppich liegen geblieben – im wahrsten Sinn des Wortes.

In "Review" erzählt ein Mädchen ihren Freundinnen in einem Kurz-Konversationsstück "Taxi Driver"nach. Von der Gewalt sei ihr schlecht geworden, gesteht sie, "aber die Kameraarbeit war exzellent". Auch so kann eine Hommage aussehen: verstohlen.

Info: Kurzfilmprogramm am Dienstag, 20.15 Uhr im Wiener Filmcasino. Danach Dustin Guy Defa im Gespräch mit dem Filmkritiker Dominik Kamalzadeh.