
© RTL/Stefan Menne
Ossi statt Ösi: Melanie ist Dschungelkönigin 2014
Außenseitersieg: Melanie Müller gewinnt die achte Staffel der RTL-Show. Favoritin Larissa Marolt landet auf dem zweiten Platz.
Was wurde sie nicht alles genannt? Zicke. Nervensäge. Wirr-Model. Tollpatsch. ADHS-Ösi. Sogar Stefan Petzner war die Kärnterin aus St. Kanzian am Klopeiner See zu peinlich für sein geliebtes Klagenfurt. Am Ende waren die Sympathien aber auf Larissas Seite. Roger Willemsen nannte die Absolventin der New Yorker Lee Strasberg Schauspielschule in der Süddeutschen Zeitung liebevoll "eine junge Frau mit mehr Möglichkeit als Wirklichkeit."
Alle diese Bezeichnungen hätten sich am Samstagabend zu einem Titel fügen sollen: Dschungelkönigin. Doch anstatt des Favoritensieges gab es nur Platz zwei. Was bleibt, ist der Titel der Quotenbringerin und ein Weltrekord. Noch nie zuvor war ein Kandidat vom Publikum zu allen Prüfungen gewählt worden. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lange durchhalte", zeigte sich die 21-Jährige gegenüber den beiden Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich zufrieden mit ihrer Leistung. "Und ich habe ja auch den Weltrekord."
Ossi statt Ösi
Die Dschungelkönigin 2014 heißt aber Melanie Müller, war vor dem Dschungelcamp Erotikmodel, kommt aus Oschatz, Sachsen, und war ziemlich perplex: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin überglücklich und völlig überfordert." Mit Krone, Zepter und Champagner-Glas ausgestattet gab es dann von Hartwich eine kleine Hilfestellung: "Mache dies, was einer Königin beschieden ist: Knall dir einen rein!"
Als erster der drei Finalisten musste Jochen Bendel am Samstag das Dschungelcamp räumen. Zuvor stellte er gemeinsam mit Melanie und Larissa aber noch einmal seine Leidensfähigkeit unter Beweis:
Der Weg ins Finale
Vater Marolt ist stolz auf seine Tochter
Vater Heinz Anton Marolt zeigte sich in einer ersten Reaktion angesichts der Leistungen seiner Tochter stolz auf seine Tocher. "Larissa hat bis ins Finale Unglaubliches geleistet und sie hat viele Herzen im deutschsprachigen Raum erobert", meinte er im Gespräch mit der APA. "Es ist ihr gelungen, sich sehr gut zu präsentieren und ihren Bekanntheitsgrad enorm zu steigern. Ganz Österreich kann stolz sein."
Ein Stummfilm mit Ton und in Farbe
Egal, dass die Dschungelkönigin am Ende Melanie Müller hieß. Diese Staffel hatte von Beginn an sowieso nur einen Star: Larissa Marolt aus St. Kanzian am Klopeiner See. Oder Klooopeiner See, wie die deutschen Moderatoren der Show gerne sagten.
Das führt uns zu
Erkenntnis 1:
Wenn man die Gesetzmäßigkeiten dieser Serie verstanden hat, kann man in zwei Wochen „Dschungelcamp“ ein Star werden. Oberstes Gesetz lautet: Auch, wenn den Insassen laut eigenen Aussagen vor allem fad ist – dem Zuschauer darf nie fad sein. Larissa Marolt, gestählt in zwei „Supermodel“-Castingshows, zog eine große Show ab, schimpfte, greinte, heulte, lachte hysterisch, purzelte über alles, was ihr im Weg oder nicht im Weg stand ... mit einem Wort: Slapstick. Stummfilm, nur mit Ton und Farbe.
Alleine mit der Frage – ist das echt oder gespielt? – beschäftigte Marolt schon ihr Publikum. Für Theaterfreunde ist das keine Frage: Offensichtlich, wenn auch sehr gut, gespielt – typisch für das betont naturalistische „Method-Acting“, welches Marolt an der Lee-Strasberg-Schauspielschule in New York gelernt hat.
So sehr dominierte Marolt die Show, dass sie sie gleichzeitig damit auch abwürgte. Eine Woche lang war es faszinierend, zuzuschauen – dann hatte man alles gesehen und es wurde fad.
Kein anderer Camp-Insasse konnte die Lücke füllen, egal, wie oft Melanie Müller auch ihre Plastikbrüste zeigte oder Winfried Glatzeder verbal um sich drosch. Am ehesten bleibt paradoxerweise Tanja Schumann im Gedächtnis – die einfach überhaupt nichts tat. Als sie dann am Freitag doch endlich hinaus durfte, kochten ihre Emotionen über: Sie sprang euphorisch durchs Camp.
Erkenntnis 2:
Die Show mit dem unhandlichen Titel „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ fand diesmal mindestens so sehr in den sozialen Medien statt wie im Fernsehen. Unter den Hashtags #ibeshmhr bzw. #ibes wurde hemmungslos diskutiert, gestritten, für oder gegen Kandidaten Stimmung gemacht. Andere kommentierten den Verlauf mit, sodass man informiert war, ohne auch nur einmal den Fernseher aufdrehen zu müssen.
Das ging so weit, dass Hunderttausende Menschen überzeugt waren, Winfried Glatzeder habe Larissa Marolt eine Ohrfeige gegeben, obwohl in der Übertragung eindeutig „nur“ ein Schubser gegen den Körper zu sehen war. Aber über die sozialen Medien und Boulevardzeitungen verbreitete sich die Ohrfeigengeschichte blitzschnell und wurde zur Ersatzrealität.
Erkenntnis 3:
Man sah diesmal sehr genau, dass die Show „gescripted“ ist, also ähnlich wie ein Stegreif-Theaterspiel über ein grobes Drehbuch verfügt. Man konnte die vorgegebenen „Storylines“, also die Handlungsstränge, gut erkennen. Interessanterweise wurden diese bald völlig unerheblich, weil Larissa alles an die Wand spielte. Was andere Figuren taten, wurde uninteressant – so sichtlich verzweifelt sich die Regie auch bemühte, Geschichten zurechtzuschneiden. Auch die früher so kultigen Dschungelprüfungen waren diesmal mäßig interessant.
Die bisherigen Dschungelkönige im Überblick
Hoden, Hoden, viel zu viele Hoden
"Wir brauchen mehr Eier." Dieser Satz würde Oliver Kahn im Dschungelcamp so wohl nie über die Lippen kommen. Die Kandidaten kosteten sich durch alle Grauslichkeiten männlicher Geschlechtsorgane. Von Hoden à la Truthahn bis Hoden à la Ziegenbock. Ach ja, und ein Anus war auch dabei, was Larissa zu dem schönen Satz inspirierte "Ein Arschloch ess' ich nicht".
Dazu kamen natürlich Kakerlaken, Maden und sonstiges Kleingetier. Aber das schien in Staffel acht niemanden mehr wirklich zu stören.
Dazwischen gab es zwar auch Geschicklichkeitsübungen, am meisten mussten sich die Kandidaten - allen voran Larissa mit acht Prüfungen (noch einmal: Weltrekord!) - aber im Erdulden üben. Das scheint ja das generelle Motto der achten Staffel gewesen (außer natürlich für Larissa, versteht sich).