Doris Uhlich  entzündet am Dienstag im MQ das Tanzfieber in Wien.

© /Daniel Gottschling

Doris Uhlich
07/12/2015

"Die Welt ist mein Körper"

Die Tänzerin Doris Uhlich über die Impulstanz-Eröffnung und ihre Wäschetrommel-Weltmaschine.

von Barbara Mader

Die Energie von Motoren steigt in den Körper von Doris Uhlich und Doris Uhlich gibt Energie wieder ab. Und dann schau’ma, was passiert."

Doris Uhlich lacht laut und schallend, als sie ihre neue Performance beschreibt. "Universal Dancer" heißt das Projekt, dass die Tänzerin und Choreografin im Rahmen von Impulstanz am 27. Juli and am 8. August im Club "Grelle Forelle" vorstellen wird.

Uhlich hat sich dafür eine Beat-übertragende Maschine aus Wäschetrommeln bauen lassen. "Der Rütteltisch rüttelt mich und ich bewege meinen Körper dazu zu Techno-Sound. Es ist eine Weltaufrüttelungsmaschine, die mich energetisiert und mit mir die Welt. Ich behaupte, wo auch immer dieser Tisch ist, ist das Epizentrum eines Welttanzes."

Uhlich meint das ernst, doch in ihren Augen glitzert der Schalk. Sie hat keine Angst vor dem ganz Großen, nimmt auch das scheinbar Unaussprechliche in den Mund. "Ich wollte groß planen und mich fragen: Was für eine Kraft braucht es, um eine große Bewegung zu starten, die auch andere Menschen aufrüttelt?" Es geht ihr um "Entgrenzung. Energien ausladen, sich öffnen. Über sich hinauswachsen. Die Tendenz unserer Gegenwart ist ja, sich zurückzunehmen. In unserem Fleisch ist ein Pragmatismus. Man will Grenzen ziehen, das Alte bewahren, weil man Angst vor Verlust hat. Entgrenzen bedeutet, keine Angst zu haben, alles niederzureißen. Man muss nach draußen," beschreibt sie schwärmerisch ihre Wäschetrommel-Weltmaschinen-Performance.

Die Fleischlichkeit

Bei Uhlichs bisherigen, preisgekrönten Produktionen wie "Rising Swan", wo sie in Tüllrock und Lederjacke zu "Eye of the Tiger" Spitzentanz zeigte und sich mit klassischem Tanz auseinandersetzte, stand immer der Körper im Mittelpunkt: Der alte, der nicht konforme, der nackte Körper. Die Fleischlichkeit, wie etwa in "more than naked", wo Uhlich den Nackttanz und den "Fetttanz" entwickelte.

Auch um den scheinbar ausgemusterten Körper ging es, wie etwa im Stück "Come Back", wo ehemalige Balletttänzer, darunter die einstige Primaballerina Susanne Kirnbauer, auf ihre Tanzkarriere zurückblickten.

Aufgewachsen am Attersee, sollte sich Uhlich als kräftig gebautes Mädchen nicht allzugroße Hoffnungen auf eine Tänzerkarriere machen, gab man ihr zu verstehen. Dazu habe sie einfach nicht die Statur. Doch Uhlich, tanzbegeistert seit der Ballett-Serie "Anna", ließ sich nicht abbringen, studierte Tanzpädagogik und machte die eigene Biografie zum Gegenstand ihrer Arbeit. Etwa in der Performance "Uhlich", in der ihre Mutter die Hauptrolle spielte.

"Ich choreografiere mein Leben. Alles, was ich tue, ist Teil meines Lebens."

Bei "Universal Dancer" geht es diesmal aber nicht um das Brechen von Schönheitsnormen, sondern darum, "etwas in die Gänge zu bringen. Es geht um Ausbreitung von Bewegung und darum, Energie auszulagern.Ich will immer größere Themen ansprechen. Es geht um Wildheit. Ich energetisiere den Club mit meiner Maschine. Der Körper der Welt mein Fleisch. Die Welt ist mein Körper. Das wird der Auftakt zu einem Universal Rave, die ganze Nacht hindurch."

Wie gesagt, Uhlich geht aufs Ganze.

Der Herzschlag

Techno taugt ihr derzeit besonders, weil er "symphonischer ist als Pop, der nach drei Minuten endet". Mit Techno könne man Ausdauer im Sound kreieren. "Große Bewegungen brauchen Ausdauer. Und weil Techno auch sehr viel mit dem Herzschlag zu tun hat, habe ich das Gefühl, es geht extrem hinein ins Fleisch. Ich möchte laut sein!"

Die Herzlichkeit der 37-jährigen Oberösterreicherin ("Sag dem KURIER, ich fühl mich wie 28!") ist ansteckend. Damit wird es ihr spielend gelingen, nicht nur die Grelle Forelle, sondern auch die geschätzten 4000 Menschen im MuseumsQuartier, die am Dienstag bei der Eröffnung des Impulstanz-Festivals erwartet werden, mit Begeisterung anzustecken.

Unter dem Titel "Hit the Boom" wird die unbändige Doris Uhlich mit 20 jungen Tänzerinnen und Tänzern um 21.30 Uhr das Museumsquartier zum "Epizentrum einer Energie" machen. Das MQ soll vibrieren, zum "Energetic Dance Floor" werden. Der Sound wird eine spezielle Mischung, die "Uhlich-Melange": Techno, Pop, Barock. Und natürlich wird Uhlich dann ihre in zartes Oberösterreichisch gefärbten DJ-Sprüche in die Menge werfen: "The body is the brain. Check your body Vienna. The whole world can hear us !"

Einfach und direkt soll es werden. Dass sie diesmal eine Open-Air-Bühne zur Verfügung hat, findet Energiebündel Uhlich "schon irre. Endlich kein Bühnenende. Die Grenze ist der Himmel! Wir haben die Ehre, das Tanzfieber in Wien zu entzünden. Des moch ma!"

Info: www.impulstanz.com

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