Donizettis „Liebestrank“ in der Wurlitzer-Box in St. Margarethen

© /Armin Bardel/Oper im Steinbruch St. Margarethen

Kultur
07/08/2016

Erfreuliche Absage an die Gigantomanie

Gaetano Donizettis "Liebestrank" überzeugt szenisch und musikalisch in St. Margarethen

So klein, ja beinahe bescheiden war das finale Feuerwerk in St. Margarethen wohl noch nie. Aber das war irgendwie passend bei den burgenländischen Opernfestspielen, die sich nach vielen politischen, finanziellen und künstlerischen Querelen nun "Oper im Steinbruch" nennen.

Doch dieser Steinbruch steht heuer aufgrund der alle fünf Jahre stattfindenden Passionsspiele nicht zur Verfügung. Also musste man im zweiten und letzten Jahr der Intendanz von Maren Hofmeister – sie geht bekanntlich ans Mozarteum nach Salzburg – auf die kleinere, sogenannte Ruffinibühne ausweichen. Eine nicht nur notwendige, sondern gute Entscheidung. Denn im großen Areal wäre Gaetano Donizettis hinreißender "Liebestrank" vermutlich musikalisch wie szenisch versickert.

Wurlitzer

So aber konnte Regisseur Philipp Himmelmann im intimen Rahmen seine durchaus stringente Interpretation des "Liebestranks" zur Geltung bringen. Denn Himmelmann verlegt die Handlung in die 60er-Jahre. Das Bühnenbild von Raimund Bauer stellt eine überdimensionale Wurlitzer-Jukebox samt Tonarm und Plattenteller da.

Quacksalber Dulcamara fährt als eine Art Ober-Hippie mit einem VW-Bus ein, Sergeant Belcore kommandiert wohl eine Elite-Einheit, die hübsche Adina ist ein klassisches Partygirl, der sie liebende Nemorino der Außenseiter in einer Clique, die auch schon mal Rock ’n’ Roll tanzt.

Und die Rolle der Giannetta ist als Nemorino anhimmelnde "Brillenschlange" – schön die passenden Kostüme von Kathi Maurer – massiv aufgewertet. Das ist alles logisch, hätte an manchen Stellen trotz einer sehr guten Personenführung sogar noch mehr Humor vertragen.

Egal, denn auch die musikalische Seite funktioniert. Am Pult des Symphonieorchesters des Slowakischen Rundfunks sorgt Dirigent Karsten Januschke für Tempo und Dynamik; die (alternierenden) Sänger sind gut.

Elena Sancho Pereg ist eine kokette, nur selten schrille Adina mit guter Technik; Tenor Tamás Tarjányi gefällt mit lyrischem Schmelz. Andrei Bondarenko ist ein exzellenter Belcore, der Dulcamara von Uwe Schenker-Primus ist eine Bühnenerscheinung. Und Esther Dierkes lässt als Giannetta aufhorchen. Oper im kleineren Rahmen – die Zukunft? Wohl eher nicht. Denn 2017 kommt wieder einmal Verdis "Rigoletto".