Benedict Cumberbatch als Marvel-Superheld "Doctor Strange"

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"Doctor Strange": Astralkörper flitzt durchs Multiversum
10/27/2016

"Doctor Strange": Astralkörper flitzt durchs Multiversum

Benedict Cumberbatch veredelt als arroganter Neurochirurg Marvels Superhelden.

von Alexandra Seibel

Direkt von der Shakespeare-Bühne weg hat sich der charakterstarke Brite Benedict Cumberbatch für die Rolle des Marvel-Comic-Helden "Doktor Strange" engagieren lassen. Wie es einem intelligenten Schauspieler dabei ergeht, einen Gutteil seiner Spielzeit damit zu verbringen, mit den Händen in der Luft herumzufuchteln und imaginäre Kreise zu zeichnen (die sich in der digitalen Nachbearbeitung in spritzende Feuerringe verwandeln) – das lässt sich nur mutmaßen. Doch Benedict Cumberbatchs distinguiertes Spiel veredelt das Marvel-Superhelden-Universum, dessen Endlosserie längst Schnarchalarm auslöst, enorm. Auch seine britische Kollegin Tilda Swinton bringt als Zauberin "Die Älteste" mit ihren mystischen Kampfkünsten und einer blank polierten Glatze einen frischen Look in die sonst eher monochrome Welt der Superhelden.

Bevor Doktor Stephen Strange allerdings übernatürliche Kräfte entwickelt, ist er zunächst einmal übernatürlich arrogant. Im Arroganz-Fach ist Cumberbatch ohnehin spätestens seit seiner Rolle als "Sherlock" unschlagbar, und als weltbester New Yorker Neurochirurg Doctor Strange an Eingebildetheit kaum zu übertreffen.

Ein fieser Autounfall allerdings lehrt ihn Demut: Seine Wunderfinger werden zertrümmert, und danach kann er sich kaum noch rasieren, geschweige denn operieren.

LSD-Rausch

Doktor Strange hadert gewaltig mit seinem Schicksal und sucht schließlich Heilung in einem Tempel in Nepal. Dort lehrt ihn Zauberin Swinton Meditation und Kampfsport. Und lässt seinen Astralkörper durchs blubbernde Multiversum flitzen.

Regisseur Scott Derrickson komponiert die mystischen Parallel-Welten der Superhelden-Zauberer als eine flüssige Mischung aus Post-"Matrix"-Martial-Arts-Choreografie und LSD-Rausch. Sichtlich befeuert von den Tagträumen aus Christopher Nolans "Inception", zwingt er ganze New Yorker Wolkenkratzerschluchten in die Knie. Straßenzüge verschlingen sich kunstvoll zu halluzinierenden Escher-Bildern, Häuserfassaden verbeugen sich, Gebäude stehen Kopf. Auch Zeitschleifen entstehen, dank der mystischen Fähigkeiten von Doctor Strange, der damit die Welt vor der Kraft einer dunklen Magie schützen will. Strange hat endlich auch sein besonderes Kampfrelikt gefunden: Einen roten Umhang, der in einem Londoner Tempel hängt und beim Anblick seines neuen Herrn vor Vorfreude in seiner Vitrine zu hüpfen beginnt. Der Schwebemantel ist eine Waffe für sich: Im Kampf gegen böse Zauberer schlingt er sich gefährlich um den Hals seiner Gegner. Das sieht ziemlich witzig aus – so, als würden sich wüste Krieger mit einem wildgewordenen Badetuch balgen. Überhaupt hat Erickson seine Marvel-Delikatesse auf knackige Humortemperatur gestellt, ohne sich dabei gänzlich mit Selbstironie zu zerlegen.

INFO: USA 2016. 115 Min. Von Scott Derrickson. Mit Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton.

KURIER-Wertung:

Zukunft ohne Recht auf Tod

Im Wien der näheren Zukunft findet man Sätze wie "Recht auf Tod" auf die Hauswände gesprüht. Das Burgtor ist mit einem Schranken gesperrt, die Stadt in unterschiedliche Sektionen unterteilt. Die Sonne scheint selten, meist herrscht nachtschwarze Finsternis.

Wer stirbt und keine Todesversicherung abgeschlossen hat, dem droht ewiges Leben. Soll heißen: Er wird in einer Art Komazustand in Lagerhallen aufbewahrt und dort als Organspender-Ersatzteillager, als Leihmutter, oder als "Visionär", dessen Gehirnströme abgezapft werden, "weiterverwendet."

Wien-Filme spielen selten in der Zukunft. Umso spannender der Versuch von Valentin Hitz, die Walzerstadt als albtraumhafte Zukunftszone zu imaginieren. Charismatisch leuchten die düsteren Bilder von Kameramann Martin Gschlacht, die derartig heruntergekühlt wurden, als wären sie in Schwarz-Weiß. Leichenblasser Chique umgibt auch die handelnden Figuren: Vincent Baumann, eine Art Don Draper unter den Versicherungsbeamten, verliebt sich in die falsche Frau. Sie, eine Barsängerin, ist Aktivistin und will die Kühlanlage für das menschliche Ersatzteillager abdrehen.

Trotz seiner effektvoll dystopischen Ausstattung beginnt "Stille Reserven" aber an seinem mechanisch abgespulten Plot zu leiden. Auch das emotionstote Schauspiel verliert an Strahlkraft und muss zunehmend Handlungsinformationen liefern – mit versteifenden Nebeneffekten.

INFO: Ö/D/CH 2016. 96 Min. Von Valentin Hitz. Mit Clemens Schick, Lena Lauzemis.

KURIER-Wertung:

Babysitterin verschwindet im Alkoholrausch

Eine junge Frau bildet sich ein, aus dem Zugfenster heraus einen Mord beobachtet zu haben.

Klingt das nicht nach einem wunderbaren Thriller? Nach kräftigem Charakterschauspiel, eng gestricktem Suspense, befriedigenden Krimi-Lösungen? Nach einer gehaltvollen Hitchcock-Inspiration mit einem Touch von Agatha-Christie?

Von wegen. Emily Blunt, zuletzt erfolgreich als starke Frau in diversen Action-Filmen, heult sich als verlassene Ehefrau namens Rachel mit Alkoholproblem durch eine verworrene Handlung. Tagtäglich fährt sie an jenem Haus vorbei, in dem sie einst glücklich verheiratet war. Doch Kinderlosigkeit und Alkohol zerbrachen die Ehe, jetzt wohnt ihr Ex-Mann mit der neuen Frau dort und hat auch schon den gewünschten Nachwuchs. Der Anblick vom Glück der anderen zermürbt Rachel. Sie verfolgt die neue Frau und deren Babysitterin – und als diese verschwindet, verwickelt sie sich in die Ermittlungen: Vordergründig, effekthascherisch – und Krimi-lösungstechnisch wenig befriedigend.

INFO: USA 2016. 112 Min. Von Tate Taylor. Mit Emily Blunt, Haley Bennett, Rebecca Ferguson.

KURIER-Wertung:

Es ist die Erzählung von Kain und Abel – nur ohne Toten

Es war einmal … So beginnen Märchen. Auch jenes, in denen zwei Brüder aus UK die Hauptrolle übernehmen. Sie heißen Noel und Liam, waren einfache Jungs aus einer einfachen Gegend, hören auf den Nachnamen Gallagher und haben mit ihrer Band Oasis alles erreicht, was es zu erreichen gibt. "Oasis war so etwas wie ein Ferrari: Toll anzusehen, toll zu fahren und ab und zu verlor man die Kontrolle." Mit diesen Worten wird "Supersonic" – die erste autorisierte, von den zerstrittenen Gallagher-Brüdern mitproduzierte Doku – eingeleitet. In knapp zwei Stunden wird der Aufstieg und Fall der einstigen Britpop-Helden abgehandelt. Zu sehen sind Konzertaufnahmen, Bilder aus dem Familienalbum und wackelige Videos. Dazu erzählen Noel, Liam und ihre Wegbegleiter die Geschichte zweier Egos, deren Hassliebe 2009 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte: Oasis trennten sich.

"Supersonic" wird heute (21.10.) in Wien im Filmcasino, im Cineplexx Wienerberg, im City Kino in Linz und im Rechbauerkino in Graz sowie am 25.11. im Cinema Paradiso Baden gezeigt. Weitere Vorstellungen sind bereits geplant.

KURIER-Wertung:

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