Dirigent Meister: "So gut aufgestellt wie noch nie"

cornelius meister
Foto: KURIER/Jürgen Christandl Cornelius Meister steht vor der Verlängerung als RSO-Chefdirigent.

Der Chefdirigent des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien zieht Zwischenbilanz und hat auch in Wien noch sehr viel vor.

Viel wurde zuletzt über die Erfüllung (oder wohl besser Nicht-Erfüllung) des Kulturauftrags des ORF diskutiert. Zumindest in einem Punkt aber kommt der öffentlich-rechtliche Sender seiner Verpflichtung nach, mit dem eigenen Radio-Symphonieorchester. Seit 2010 ist Cornelius Meister Chefdirigent dieses Klangkörpers, und der gebürtige Deutsche ist längst in Wien angekommen. "Wir sind so gut aufgestellt wie noch nie", betont Meister im KURIER-Gespräch. Auch die langjährige existenzielle Bedrohung des Ensembles sei "nach turbulenten Zeiten hoffentlich Vergangenheit".

Basis

dapdCornelius Meister (M.) dirigiert am Freitag (11.05.12) am Rathausplatz in Wien beim Finale der "Eurovision Young Musicians 2012" waehrend der Eroeffnung derner wochwochen das Radio Symphonie Orchester. Si. Sieben Finalisten des Wettbewerbs musizierten Foto: dapd

"Ich habe eine sehr gute Gesprächsbasis mit den Verantwortlichen im ORF", sagt Meister. Bis 2014 läuft der Vertrag des auch als Pianist tätigen Künstlers. Eine Verlängerung scheint mehr als wahrscheinlich. Denn Cornelius Meister hat noch viel vor. "Wir spielen im Musikverein, im Konzerthaus, im Theater an der Wien, im RadioKulturHaus, bei den Salzburger Festspielen, bei anderen wichtigen Festivals, gehen auf Tourneen und steuern auch wertvolle Radio-Sendeminuten bei. Und ich hoffe, es ist mir gelungen, das früher vor allem auf die zeitgenössische Musik spezialisierte Orchester breiter zu positionieren."

Vielfalt

Meister weiter: "Unabhängig von meiner Person ist das RSO für Wien und für die internationale Musiklandschaft unverzichtbar." Im Konzerthaus hat Meister, der Assistent in Bayreuth war, eben erst die RSO-Saison mit einem sehr mutigen Strauss-Cage-Wagner-Programm eröffnet; im Musikverein starten Orchester und Dirigent nach "Wien Modern" am 23. November. "Die musikalische Vielfalt ist unser größtes Atout", meint Meister, der am 1. März 2013 im Musikverein auch am Flügel zu erleben sein wird. "Musikvereinschef Thomas Angyan hat mich gefragt, ob ich nicht den Klavierpart bei Arvo Pärts ,Credo" übernehmen will – ich habe mich auf das Abenteuer eingelassen."

Weitere "Abenteuer" führen den erst 32-Jährigen an diverse Opernhäuser. An die Oper Zürich (Debüt mit der "Salome" von Strauss), nach Kopenhagen, Baltimore, Paris, Dresden, Berlin, Londons Covent Garden, Riga (Wagners "Ring des Nibelungen") sowie an die Wiener Staatsoper. Hier wird Meister am 30. Dezember 2012 sein Debüt mit Mozarts "Zauberflöte" geben.

Perfektion

cornelius meister Foto: KURIER/Jürgen Christandl

Auf die Frage nach weiteren Plänen steigt Meister auf die Bremse. "Man sollte nie den zweiten Schritt vor dem ersten tun. Niemand wird als perfekter Dirigent geboren. Ich lerne jeden Tag etwas Neues und würde meine Karriere niemals auf dem Reißbrett planen. Das wäre unseriös. Außerdem gilt meine Haupttätigkeit dem RSO. Da haben wir – von CD-Aufnahmen angefangen – noch sehr viel vor. Mein Ziel ist es, das RSO eines fernen Tages einem Nachfolger in einem besseren Zustand zu übergeben, als ich es vorgefunden habe."

http://rso.orf.at

Meister: Musik ist seine Bestimmung

Biografie: Cornelius Meister wurde 1980 in Hannover geboren. Der Vater war Pianist und Professor; die Mutter Klavierlehrerin. Nach dem Studium wurde er Generalmusikdirektor in Heidelberg; seit 2010 ist er Chefdirigent des RSO.

Orchester: Das RSO ging 1969 aus dem ehemaligen Großen Orchester des Österreichischen Rundfunks hervor. Chefdirigenten waren: Milan Horvat, Leif Segerstam, Lothar Zagrosek, Pinchas Steinberg, Dennis Russell Davies und Bertrand de Billy.

(kurier) Erstellt am
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