Journalismus
11/02/2012

Die Zeitung ist tot - es lebe die Zeitung

Die Medien verändern sich, aber guter Journalismus wird dabei noch wichtiger.

von Helmut Brandstätter

Im Internet findet man eine newspaper extinction timeline: Eine Landkarte zeigt, wo es bald keine Zeitung mehr geben wird. Für die USA wird das Jahr 2017 vorausgesagt, Österreich liegt mit dem Jahr 2028 im Mittelfeld, in Argentinien sollen 2039 die weltweit letzten Zeitungen gedruckt werden. Nun: „Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen“ – ein Zitat, das so hellen Köpfen wie Mark Twain und Winston Churchill zugeschrieben wird. Aber wahr ist auch, dass sich die Medien seit dem Erfolg des Internets so stark verändern wie keine andere Branche.

Gut, dass der KURIER die obige Prognose mit leicht steigenden Verkaufszahlen seit einiger Zeit widerlegt. Darüber hinaus wollen wir kommende Woche zeigen, dass eine leichte Veränderung der Optik eine Zeitung noch attraktiver macht. Die große Herausforderung aber besteht darin, die bewährten Tugenden des Journalismus mit der modernen Technik und verändertem Nutzungsverhalten im Medienkonsum zu verbinden.

Demokratie und Internet Ohne Medien keine Demokratie. Dieser Zusammenhang gilt immer, gerade auch in Systemen, die sich stark verändern. Die Machthaber in Peking wollen es nicht wahrhaben –, aber einen stabilen Wohlstand wird es in China nur mit freier Presse geben. In Russlands plagt sich Wladimir Putin mit Medien, die noch
mutig berichten. Aber seine Vorgänger sind gescheitert, obwohl sie mit der Parteizeitung Prawda („Wahrheit“) über Jahrzehnte Lügen verbreiten konnten.
Unser Rechtsstaat ist ohne Medien völlig unvorstellbar. In der Kärntner Hypo-Affäre gab es nur deshalb ein Gerichtsverfahren, weil Zeitungen auf den Skandal aufmerksam gemacht hatten. Der Staatsanwalt hatte schon zwei Mal seine Untersuchungen eingestellt. Und gut, dass wir den Politikern öffentlich auf die Finger schauen. Der Rohbericht des Rechnungshofs zum Museum für angewandte Kunst wird nur deshalb Konsequenzen haben, weil ihn der KURIER veröffentlichte.

Aber muss man Papier bedrucken, um die Demokratie zu retten? Wohl nicht. Allerdings ist das Internet bisher kein Ersatz für eine mediale Öffentlichkeit. Die deutsche Wochenzeitung Die Zeit – auch sie hat steigende Verkaufszahlen – nennt das Netz ein „hysterisches Medium“. Themen werden hochgespielt und verschwinden wieder. Journalismus aber verlangt nach Durchhaltevermögen. Dazu kommt, dass die Macht der Bilder das Netz immer stärker beeinflusst. Viele Zusammenhänge aber lassen sich nur mit dem geschriebenen Wort erklären. Auf der anderen Seite profitiert die Zeitung von der Interaktivität des Internets. Leserinnen und Leser kommentieren, oft ergibt sich ein reger Meinungsaustausch.
Das wahre Dilemma hat der US-Computerwissenschaftler Jaron Lanier in einem Interview mit unserer futurezone beschrieben: „Wenn Information kostenlos ist, wird die Wirtschaft weiter schrumpfen.“ Hier liegt unsere Herausforderung: Nur wenn wir gut genug sind, können wir für unsere Arbeit weiter Geld verlangen. Und so die newspaper extinction timeline Lügen strafen.

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