Der Schein trügt: So viel an Bewegung wie hier (Gerti Drassl, Michael Scherff, Lisa Weidenmüller, v. li.) gibt es in dieser "Wildente" sonst nie.

© ALEXI PELEKANOS

Die matten Flügelschläge eines gerupften Federviehs
12/08/2013

Die matten Flügelschläge eines gerupften Federviehs

Henrik Ibsens "Die Wildente" muss im Landestheater Niederösterreich Federn lassen.

von Peter Jarolin

Angestrengt-anstrengend – auf diesen Nenner lässt sich die Neuproduktion von Ibsens Gesellschaftsdrama um Lüge und Wahrheit bringen. Gewiss: Es ist keine leichte Kost, die der norwegische Dramatiker in seinem 1885 uraufgeführten Stück „Die Wildente“ dem Publikum kredenzt. Aber muss Ibsens böse Familienaufstellung so aseptisch, so gekünstelt daherkommen wie in der Regie von Daniela Kranz?

Worum geht es? Nach Jahren in der Fremde kehrt Gregers Werle in seine Heimat zurück. Sein Ziel ist es, den Menschen die Augen zu öffnen und ihre Lebenslügen zum Einsturz zu bringen. Damit aber löst der besessene Wahrheitsfanatiker eine Tragödie aus, die letztlich der 14-jährigen Hedvig das Leben kostet. Selbstmord als Flucht aus einer kaputten Welt ...

Kaputt sind sie alle, die Protagonisten in der Inszenierung von Daniela Kranz, die Ibsens kluge, psychologische Studien stark gekürzt, Nebenfiguren (zurecht) gestrichen und die Handlung damit komprimiert hat.

Doch Kranz traut in ihrer spartanischen Inszenierung dem Gefühl nicht. Sie steckt – auf der leeren Bühne (Jutta Burkhardt) – das Personal in ein sprachliches wie auch gestisches Korsett. Nur ja kein Pathos, bitte – das scheint die Intention zu sein.

Szenenfotos des Stücks

Die Wildente, Michael Scherff, Katharina von Harsdorf, Gerti Drassl, Johannes Schmidt, Tobias Voigt c Alexi Pelekanos 1..jpg

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Die Wildente, Benno Ifland c Alexi Pelekanos 1.jpg

Kalt und manieriert

Nüchtern und kühl läuft das Geschehen in pausenlosen 100 Minuten ab; immer wieder werden einzelne Szenen eingefroren und (nicht wirklich geglückte) Video-Projektionen eingesetzt. Distanz statt Nähe, das mag zu Ibsens Figuren passen, wirkt in der konkreten Umsetzung aber vor allem gestakst, manieriert, künstlich hochstilisiert. Und es lässt einen letztlich einfach kalt.

Zumal auch nur wenige der Darsteller echte Töne einbringen. Gerti Drassl als Gina gelingt das wunderbar. Sie zeichnet eine lebenstüchtige, dabei aber hart und fast verhärmt gewordene Frau, die nun für einen einstigen Fehltritt büßen soll. Das wahre Opfer aber ist ihre Tochter Hedvig, die von Lisa Weidenmüller sehr intensiv gestaltet wird. Eine Pubertierende, die geliebt werden will, sich jedoch das Leben nimmt. Neben Drassl und Weidenmüller sorgt Michael Scherff als Arzt noch für angenehme, erfreulich unprätentiöse Töne. Mit Abstrichen gelingt das auch Helmut Wiesinger als fast zu jovialem Opa Ekdal und Katharina von Harsdorf.

Johannes Schmidt ist als Hjalmar Ekdal um Larmoyanz und Schwäche bemüht. Warum aber Gregers seinen Vernichtungsfeldzug startet, kann Tobias Voigt in keiner Phase deutlich machen. Nur Benno Ifland schafft es als alter Werle noch besser, seiner Figur gar kein Profil zu verleihen. Schade, denn so bleibt alles reine Theater-Theorie.

Nur ja keine Gefühle

Inszenierung Kühl, manieriert und theoretisch. Eine Absage an jede Emotion.

Spiel Zwischen sehr gut und schwach, Drassl und Weidenmüller glänzen.

KURIER-Wertung:

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