Kultur
29.12.2011

Die Wieder-Entdeckung eines Künstlers

Am Sonntag, den 17. Juli 2011 jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag des 1994 verstorbenen Malers und Grafikers Lucas Mahrenbrand.

Das Ringen mit Widrigkeiten begleitet so manchen Künstler ein Leben lang. Im Falle von Lucas Mahrenbrand hatte ein Unfall im Kindesalter weitreichende Folgen. Im Alter von sechs Jahren, kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges, verlor er bei einem Kellersturz weitgehend sein Gehör. An eine Schulausbildung im herkömmlichen Sinn war nicht zu denken. Als Autodidakt eignete sich Mahrenbrand allerdings einen hohen Bildungsstand an, und: künstlerische Fähigkeiten. So erschloss sich der Wiener, im Brotberuf Kaufmann, nicht zuletzt durch die Kunst "seine" Welt. Der 100. Geburtstag des 1994 verstorbenen Lucas Mahrenbrand könnte ein Anlass sein, einen österreichischen Künstler neu zu entdecken.

Mahrenbrands Werk von Lucas umfasst ein breites Spektrum an
Gattungen der Malerei - Porträtmalerei, Landschaftsgrafiken, Aktmalerei,
Stillleben, abstrakte Malerei. Besondere Erwähnung verdient die
kontinuierliche Umsetzung von literarischen und philosophischen Themen,
die die gesamte künstlerische Entwicklung begleitet.

Kunsthistorisch als Novum hervorzuheben ist der von Lucas Mahrenbrand entwickelter Tusche-Malstil. Diese häufig mit Symbolen  operierende Form abstrakter Malerei nannte er "Weiße Hieroglyphen". Sie basiert auf einer Ausspar- und Schabtechnik auf eigens präpariertem PVC-Folienkarton als Malgrund.
Diese Technik ermöglichte ihm den Erhalt des reinen Weiß als tragendes
graphisches sowie als zeichnerisches Element. Die ausgesparten grafischen Zeichen erzählen in der weißen Farbe der Folie die Geschichte.

Auch die Pastellmalerei Mahrenbrands findet unter Zeitgenossen
kaum Vergleichbares. Mahrenbrand verwendete Pastell nicht in Form
üblicher hart gebundener Pastellstifte, sondern er malte mit selbst
hergestellten, weichen organischen Pastellkreiden. Charakteristisch für
diese Werke ist die vorzugsweise eingesetzte Grundierung des Malgrundes
mit einem tiefen, satten Pariserblau und eine graphische Vollendung der
Werke mit einer Weißhöhung. Seine von hoher Farbintensität und
Leuchtkraft geprägte Pastellmalerei fand ihre bevorzugte Anwendung in
der Aktmalerei und in der Porträtmalerei.

Das alltägliche Malwerkzeug waren aber Kohlestifte, Kugelschreiber und
Filzstifte. Damit fertigte der passionierte Bergwanderer Reiseskizzen
der bäuerlichen Landschaft seiner Zeit an. Einer Landschaft, die in
dieser Form nicht mehr existiert. Im steten Ringen um eine Optimierung
des grafischen Ausdrucks wurden diese Skizzen teils mehrfach in größeren
Formaten unter Auslotung der Ausdrucksmöglichkeiten anderer Malstile und
Materialien und zunehmender Abstraktion graphisch neu umgesetzt.

Philosophische Fragestellungen ziehen sich durch das Gesamtwerk. Fragen
nach dem Sein oder Nicht-Sein, nach dem Wesen des Menschen, nach dem
Woher und Wohin und dem, was daraus gesellschaftlich entsteht.
Desillusioniert und skeptisch. Umgesetzt mit allen verfügbaren
bildnerischen Materialien. Im Frühwerk vor allem mit Kohle und Bister
und im Spätwerk vorwiegend mit Japantusche und dem dafür prädestinierten
Malstil der "Weißen Hieroglyphen".

Einige Werke von Lucas Mahrenbrand wurden anno 1966 im Rahmen der
"Aktion zur Verbreitung guter Werke bildender Kunst" vom Berufsverband
der Bildenden Künstler (BVÖ) ausgewählt, von der Jury mit dem
"Gütezeichen des BVÖ" versehen und danach in der Galerie auf der
Stubenbastei ausgestellt. Eines davon befindet sich im Besitz der
Republik Österreich.

Nach einem rasanten Start Ende der 60er/Anfang der 70er endete die
künstlerische Karriere des Lucas Mahrenbrand aus gesundheitlichen
Gründen jäh. Das Werk wurde in den vergangenen Jahren archivarisch
aufbereitet und digitalisiert und wird künftig einer breiteren
Öffentlichkeit vorgestellt werden. Teil dieser Aufarbeitung ist auch eine Website (Link siehe unten), auf der man das Werk des Künstlers kennenlernen kann.

Aus Anlass des 100. Geburtstags Lucas Mahrenbrands wird auf der dem Künstler gewidmeten Website ein Preisausschreiben veranstaltet. Unter allen Einsendern wird einer von zehn Jubiläums-Sonderdrucken verlost. Es gibt eine Frage zum Künstler Lucas Mahrenbrand zu beantworten, die Gewinner können unter drei auf www.mahrenbrand.at (Link siehe unten) zur Auswahl gestellten Werken wählen.