Die Wagner-Kunstkammer

Wagner Extase, Ausstellung, moderne Kunst…
Foto: Deutsch Gerhard Eintauchen in den Mythos Wagner: Die Ausstellung ist Einleitung und Kulisse zu Mankers „Wagnerdämmerung“

Die Schau zum Manker-Stück: "Wagner Extase" im Wiener Post- und Telegrafenamt.

Aus den Fensteröffnungen des ehemaligen k.u.k. Post- und Telegrafenamts auf dem Börseplatz quellen Schaumstofffetzen und verzerrte Klänge. Beim Eintreten in den Foyer grüßt ein Neonleuchtschild mit dem Wort „Extase“, darüber schweben ein Paar geflügelter Füße aus Gips. Das Dröhnen wird lauter. Rechts wird in einer Projektion Hermann Nitschs reichlich Blut und Farbe vergossen. Links führt der Weg von Raum zu Raum tiefer ins Gebäude – und in die unheimliche Welt von „Wagner Extase“.

Kunstprominenz

Wagner Extase, Ausstellung, moderne Kunst… Foto: Deutsch Gerhard Unheimliche Klaviermaschinen und dröhnende Klanginstallationen Über dreißig österreichische Künstler und Künstlerinnen, darunter Erwin Wurm, Ona B., Hans Hollein und Alfred Hrdlicka, haben sich an Leben und Werk Richard Wagners abgearbeitet. Ihre Visionen wurden nun in den verfallenden Räumen des seit 1996 leer stehenden Gebäudes am Börseplatz ausgebreitet.

Die von Paulus Manker, Peter Bogner und Florentina Welley kuratierte Ausstellung dient – im Sinne des Wagner’schen Gesamtkunstwerks – zugleich als Einstimmung und Kulisse für das Stück „Wagnerdämmerung“. Mankers neues, im Juli uraufgeführtes Wagnerdrama verfolgt ein ähnliches Konzept wie das an Alma Mahler-Werfels Leben angelehnte Stück „Alma – A Show Biz ans Ende“, das über Jahre höchst erfolgreich lief und 2010 und 2012 am selben Standort aufgeführt wurde.

Eigenständig

Obwohl in enger Verbindung mit dem Drama entstanden, ist die Ausstellung „Wagner Extase“ auch abseits der Inszenierung als eigenständiges Kunstwerk erlebbar. Der an sich schon eindrucksvolle Schauplatz lässt vor lauter bröckelndem Putz und kafkaeskem Ambiente die Grenzen zwischen den Jahrhunderten verschwimmen.

In dem Labyrinth aus Räumen, deren ursprünglichen Zwecke nur noch manchmal zu erahnen sind, macht sich immer mehr das Gefühl breit, man wandle durch die buchstäblich gewordenen Gedankengänge eines Wahnsinnigen – oder eines Genies.

Mythos

Die Installationen, Objektfigurationen und Lichtskulpturen sind kein Porträt der historischen Persönlichkeit Wagners. Sie sind Manifestationen des Mythos Wagner, wie er durch Erinnerung und Unterbewusstsein der Künstler und der Betrachter gleichermaßen geistert.

Unheimliche Piano-Maschinen dubiosen Zwecks, gespenstisch dröhnende Klanginstallationen, Räume voller Schutt oder voller Rindenmulch, traumartige Erinnerungsfetzen and Texte, Bilder, Melodien und biografische Fakten: ein bombastisches Gruselkabinett, heimgesucht von Wagners Geist mit all seinem historischen und mythologischen Ballast.

Stunden könnte man in der Ausstellung verbringen. Je länger man bleibt, desto mehr fühlt sich die Rückkehr in die Alltagswelt an wie ein Aufwachen – ob aus Traum oder Albtraum, bleibt dahingestellt.

Info: „Wagner Extase“ noch bis 17. August täglich außer Montag von 13 bis 17 Uhr. Details unter www.wagner200.com

Szenenbilder aus "Wagnerdämmerung"

Wenn sich Schauspieler, Regisseur und Bürgerschreck Paulus Manker Richard Wagner vorknöpft, ist bereits im Vorhinein klar, dass das keine leicht zu verdauende Angelegenheit werden dürfte. Erste Eindrücke zum Durchklicken... Nach dem Welterfolg mit dem Polydrama "Alma" steht nun die Uraufführung des Nachfolgeprojekts "Wagnerdämmerung" an. Uraufführung ist am 16. Juli im  Wiener K&K Post- und Telegraphenamt.  "Wie in einer Grottenbahn wandern die Besucher von Abgrund zu Höhenflug", heißt es auf der Webseite des Projekts. Dabei begegnet man nicht nur Wagner selbst, sondern natürlich auch seiner Musik, seinen Opern, seinen Figuren und jenen Menschen, die eine entscheidende Rolle in Leben und Karriere des Künstlers gespielt haben. Neben dem Genie wird aber auch die dunkle Seite Wagners nicht ausgespart und sein Antisemitismus ebenso zum Thema.

  Wie bei Manker üblich, sollen in "Wagnerdämmerung" alle Sinne angesprochen werden: Durch eine Kombination aus Schauspielern, Sängern, Tänzern, Live-Musikern und das Ganzen während einem Gala-Dinner wird das möglich. 125 Euro kostet die "Reise in Richard Wagners Gehirn - ohne Visum", so der Untertitel des Projekts. Die ursprünglichen Termine sind bereits ausverkauft, vier zusätzliche Vorstellungen wurden veranschlagt. Noch gibt es dafür Karten. Hier geht's zum Vorverkauf. Ab 17. Juli ist auch eine begleitende Ausstellung in den erweiterten Räumlichkeiten des Post- und Telegraphenamts zu sehen. Mit Nikolaus Gansterer, Hans Hollein, Hermann Nitsch und Erwin Wurm konnten dafür renommierte Künstler gewonnen werden. Gemälde, Installationen, Objekt-Figurationen bis hin zu Lichtskulpturen sind in der sehenswerten Ausstellung mit dem Titel "Wagner Extase" zu sehen. Die Wechselwirkung zwischen Bühnenbild und Kunst soll spürbar gemacht werden. Dafür kann sich der Besucher bereits Stunden vor den Theateraufführungen durch die Räume bewegen. Allerdings lieber nicht in allzu luftiger Kleidung und ohne Stöckelschuhe, wird man auf der Internetseite gewarnt.
(kurier / Daniela Fasching) Erstellt am
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