Die Styria: Vom Platzhirschen zum internationa­len Player

Das Verlagsgebäude der Styria in Graz.
Foto: apa

Der langjährige Marktführer in der Steiermark lancierte zahlreiche Engagements in Südosteuropa. Die Fusion mit der Moser-Holding platzte.

Die Styria Media Group ist Österreichs umsatzstärkster Printkonzern, der in den vergangenen Jahren ein beachtliches Wachstumstempo im In-und Ausland an den Tag gelegt hat. Gleich mehrere Tages- und Wochenzeitungen, Magazine und Kundenmagazine sowie Online-Dienste, regionale Radio- und TV-Sender sowie Buchverlage gehören zu dem Grazer Medienunternehmen. 2008 hatte die Styria einen Konzernumsatz von rund 486 Mio. Euro, 2010 dürfte das Unternehmen das beste Ergebnis seiner Geschichte hinlegen. Rund 3.500 Mitarbeiter werden national und international beschäftigt.

Aktiv ist der Printriese neben Österreich vor allem in Kroatien und Slowenien, rund 3.500 Mitarbeiter werden derzeit national und international beschäftigt. Geprägt war das Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt vor allem von einer Person: Horst Pirker.

"Katholischer Preßverein"

Begonnen hat alles im Jahr 1869: Damals wurde in Graz mit der Gründung des "Katholischen Preßvereins" der Grundstein für die heutige "Content Company" gelegt. 1879 erhielt die Vereinsdruckerei den Namen Styria. 1904 erblickte die "Kleine Zeitung" das Licht der Pressewelt und wurde schon bald zum Flaggschiff des Unternehmens. Wie für viele Zeitungen und Verlage stellte die Nazi-Herrschaft in Österreich eine Zäsur dar: Beschlagnahmung, Entlassungen und Verhaftungen. Die Kleine Zeitung musste im Dienste der "NS-Südostdeutschen Zeitungsgesellschaft" die Propaganda Hitlers verkünden. Nach Kriegsende entstanden die "Pressvereinsanstalten" und mit ihr die Styria von neuem, ab 1948 erschien auch die "Kleine Zeitung" wieder.

Umwandlung

Die Umwandlung zur Styria Medien AG erfolgte im Jahr 1997. Aus einem "zentral gesteuerten und wenig transparenten Supertanker wurde ein flexibler Flottenverband mit dezentraler Führungsverantwortung", skizzierte die Verlagsleitung damals die strukturelle Neugliederung des Unternehmens. Die Anteile der "Medien-AG mit weltanschaulichen Wurzeln" liegen zu 98,33 Prozent bei der "Katholischen Medien Verein Privatstiftung" (vormals "Katholische Preßverein Privatstiftung") und zu 1,67 Prozent beim "Katholischen Medien Verein" (vorm. "Katholischer Preßverein"). Die Geschicke des Medienkonzerns wurden ab 1999 von Pirker als Vorstandsvorsitzendem gelenkt. Im Juli 2009 folgte die Umbenennung in Styria Media Group, etwas mehr als ein Jahr später geht nun die Ära Pirker zu Ende: Mit 30. September werde er seine Funktion als Vorstandsvorsitzender zurücklegen, teilte der Verlag am Montag mit.

Engagements

Das Verlagsgebäude der Styria in Graz. Foto: apa Das Verlagsgebäude der Styria in Graz.

Neben Kleiner Zeitung, Die Presse (wo man 1991 einstieg und die man 1999 zur Gänze übernahm), dem WirtschaftsBlatt, wo die Styria seit 2006 eine Mehrheit hat, der Wochenzeitung Die Furche, Wochen- und Monatszeitungen und Magazinen, sah sich die Styria in den 1990er Jahren auch nach Engagements im audiovisuellen Bereich um. Zum Konzern gehören die Radios Antenne Steiermark sowie Antenne Kärnten. Beteiligt ist man auch bei Sat.1 Österreich sowie an Lokal-TV-Sendern wie Steiermark 1. Die Anteile am Klagenfurter Privat-TV-Kanal KT1 hat die Styria mit 1. Oktober 2009 abgestoßen.

Hinzu kommen Verlags- und Buchhandelsaktivitäten (unter anderem die Morawa-Buchhandlungen) sowie Online- und Medien-Dienstleistungen.

Auf dem Gratiszeitungssektor hat sich die Styria im Vorjahr mit der Tiroler Moser Holding zusammengetan. Im April 2009 startete der gemeinsame bundesweite Gratiszeitungs- und Anzeigenring Regionalmedien Austria AG. Eine weitergehende Fusion mit der Moser Holding platzte jedoch überraschend im Dezember 2009. Die Tiroler Gruppe trat von den Fusionsplänen zurück, die Kooperation innerhalb der RMA blieb aber aufrecht. Über die Gründe herrschte Stillschweigen, im April gaben die beiden Verlage bekannt, dass die Fronten begradigt seien.

Das Engagement des Grazer Konzerns machte aber auch vor den österreichischen Grenzen nicht halt. In Kroatien ist die Styria Medien AG Alleinaktionärin der Traditions-Tageszeitung "Vecernji list" und hat außerdem die Tageszeitung "24 sata" auf den Markt gebracht. Zum Styria-Portfolio zählen außerdem das TV-Magazin "TVtjedan", das Suchportal www.njuskalo.hr sowie eine Mehrheitsbeteiligung an Kroatiens erster Wirtschafts-Tageszeitung "Poslovni dnevnik". Seit März 2008 ist die Styria-Unternehmensgruppe auch in der Region Friaul-Julisch-Venetien mit einem Mehrheitsanteil an der Wochenzeitung "Il Friuli" vertreten.

(apa) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?