Die Starbesetzung von "Grand Budapest Hotel"

Tilda Swinton, Bill Murray und Co.: Mehr als ein Dutzend Hollywood-Größen hat Wes Anderson für seinen neuen Film gewinnen können. Viele davon sind treue Wegbegleiter.

Wes-Anderson-Filme sind längst zu einer eigenen Marke geworden: schräg, humorvoll, intelligent - und immer mit hervorragenden Schauspielern besetzt.

In seinem jüngsten Film lässt Wes Anderson mehr als ein Dutzend Hochkaräter durch die historischen Kulisse des "Grand Budapest Hotel" laufen. Wieder mit dabei: Bill Murray, der bei der US-Premerie des Films voll des Lobes für seinen Freund Anderson war: "Vieles von seinen anderen Sachen kann man mögen oder nicht. Aber diesen hier werden Sie mögen." Und an Anderson gerichtet: "Ich glaube, das ist das Beste, was du jemals gemacht hast."

Wer sonst noch ein Zimmer in "Grand Hotel Budapest" gebucht hat:
Der hochkarätige Cast von Wes Andersons jüngstem Streich

Stammkunde im Hause Anderson: Seit "Rushmore" (1998) hatte Bill Murray in jedem Film seines Freundes einen (wenn auch mitunter nur kurzen) Auftritt. Diesmal ist er als M. Ivan zu sehen. Er hat im "Grand Budapest Hotel" das Sagen: Ralph Fiennes als Concierge Gustave H. Es ist die erste Zusammenarbeit des Briten mit Wes Anderson. Sein bevorzugtes Beuteschema als charmanter Concierge: alternde Blondinen. Eine von ihnen, Madame D., wird von Tilda Swinton gespielt. Und die ist so von Gustave H. angetan, dass sie ihm nach ihrem Tod ein wertvolles Gemälde vermacht. Sein Gegenspieler: Adrian Brody - auch ein häufig gesehener Gast in Wes Anderson-Filmen - will ihm als verbissener Sohn und Erbe Dmitri das Bild streitig machen. Dafür hetzt er ihm sogar den Killer Jopling (Willem Dafoe, hier bei den Dreharbeiten im sächsichen Görlitz) auf den Hals. Gustave muss also flüchten - auch vor der Polizei, die glaubt er hätte die alternde Madame D. auf dem Gewissen. Zusammen mit seinem getreuen Lehrling Zéro gespielt von Tony Revolori flüchtet er quer durch Europa. Der 17-Jährige war bisher vor allem in TV-Serien wie "My Name is Earl" zu sehen. Glücklicherweise können sie dabei auf (sehr unterschiedliche) Unterstützer bauen. Eine davon ist die Konditorin Agatha (Saoirse Ronan). In weiteren Rollen: Tom Wilkinson (li.) und Anderson-Intimus Owen Wilson, der den Film auch mitproduzierte. Jude Law (rechts im Bild) als junger Schriftsteller. Jeff Goldblum, hier bei der Premiere in New York, spielt den Ermittler Kovacs. Harvey Keitel ist als tätowierter Gefängnisinsasse Ludwig zu sehen. Ein Wiedersehen gibt es auch mit Edward Norton. Er gab in "Moonrise Kingdom", dem letzten Kinofilm Andersons den besorgten Pfadfinderführers - diesmal ist er als Ermittler Henckels zu sehen. Und auch Jason Schwartman gehört gewissermaßen zum Inventar eines Wes-Anderson-Films. Er spielte bereits in "Rushmore", mit dem Wes Anderson 1998 zum umjubelten Arthouse-Regisseur aufstieg, die Hauptrolle. Ein Interview mit Ralph Fiennes, der in Andersons achter abendfüllender Regiearbeit die Hauptrolle spielt, lesen Sie hier.

Interview mit Ralph Fiennes

Der Dandy als Hausmeister

Ralph Fiennes ist in Wes Andersons "Grand Budapest Hotel" als exquisiter Concierge zu sehen. Im Interview spricht er über Wes Anderson und Sex mit Damen über 80.

Aufmacher: Grand Budapest Hotel…
Foto: Centfox

Wer hätte das gedacht: Ralph Fiennes ist der perfekte Hausmeister. Oder vornehmer ausgedrückt: der perfekte Concierge. Wie angegossen sitzt ihm die Uniform am Leib. Sein Benehmen ist tadellos, seine Ausdrucksweise mehr als erlesen. Sein Reich ist das "Grand Budapest Hotel" (derzeit im Kino) in Wes Andersons schrägem Komödien-Melodram.

Darin spielt Fiennes den umtriebigen Angestellten in einem osteuropäischen Grand Hotel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und begeht unvermutet einen spektakulären Kunstraub. US-Regisseur Anderson ("The Royal Tenenbaums") hat die Rolle des Dandy-Hausmeisters Gustave H. für Ralph Fiennes geschrieben. Auch wenn er es dem Briten vorerst verheimlichte.

KURIER: Stimmt es, dass Wes Anderson Ihnen das Drehbuch für "Grand Budapest Hotel" in die Hand gedrückt hat, ohne Ihnen zu sagen, welche Rolle Sie spielen sollen?

Ralph Fiennes: Ja, das kommt ungefähr hin. Das war eine ziemlich merkwürdige Erfahrung, denn normalerweise sagt der Regisseur immer klipp und klar, was er von einem will. Aber nicht Wes. Er meinte nur, ich sollte erst einmal das Buch lesen und ihm dann sagen, welche Rolle mich am meisten ansprechen würde. Später hat er mir dann sein Verhalten erklärt: Dass nämlich seiner Erfahrung nach Schauspieler immer eine andere Rolle spielen wollen als die, die man ihnen anbietet.

Was fanden Sie denn an dem Concierge Gustave attraktiv?

Schwer zu sagen. Das ist wie mit Menschen, die man trifft und die einem auf Anhieb liegen. An Gustave gefielen mir sein Witz und sein Mut. Er versucht nicht, sich anzupassen. Er braucht das Gefühl nicht, akzeptiert zu werden. Er verteidigt seinen Freund gegen die Nazis und verkörpert Menschlichkeit im Angesicht der Barbarei.

Und er liebt Sex mit älteren Damen jenseits der 80...

Oh ja, das war sehr erfrischend. (lacht) Außerdem redet er gern wie ein Poet. Wes schrieb absichtlich diese eher schlechten Verse, aber Gustave spricht sie im Brustton der Überzeugung. Das war die Idee dahinter.

Hatten Sie jemanden vor Ihrem inneren Auge, als Sie Gustave spielten?

Wes zeigte mir Arbeiten von einem Schauspieler, den ich schon sehr lange liebe, nämlich dem Wiener Adolf Wohlbrück (Wohlbrück flüchtete 1936 vor den Nazis nach England und nannte sich dort Anton Walbrook, Anm.). Wohlbrück spielt mit einer wunderbaren Präzision (u. a. in Max Ophüls’ "Der Reigen", Anm.). Das hat mir bei der Vorbereitung sehr geholfen.

Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern führen auch Regie. Wie würden Sie Wes Anderson als Regisseur beschreiben?

… Foto: Centfox Regisseur Wes Anderson mag Stefan Zweig und Wien Er ist unglaublich vorbereitet. Es existiert von jeder einzelnen Filmeinstellung, die er plant, eine Zeichnung. Und diese Storyboards sind teilweise sogar schon animiert, sprich, man kann sie bereits als bewegte Bilder sehen. Ich muss gestehen, ich habe es vermieden, mir allzu viel davon anzuschauen. Als Schauspieler braucht man Platz für seine eigene Vorstellungskraft. Wenn man alles schon im Vorhinein gesehen hat, ist das etwas schwierig.

Das klingt, als hätten Sie nicht gerade viel Freiraum gehabt.

Es war tatsächlich jede Kameraeinstellung bis ins kleinste Detail geplant. Trotzdem wurden wir dazu angehalten, vieles auszuprobieren. Es wurde auch nicht digital, sondern auf Film gedreht. Und zwar auf sehr, sehr viel Film . Wes vermeidet es, wo er kann, "Cut" zu rufen. Er dreht einfach immer weiter und schafft so eine Atmosphäre völliger Konzentration. Es ist toll, wenn man sich das leisten kann. Ich kenne das nämlich von meinen eigenen Regiearbeiten: Sobald man als Regisseur "Cut" sagt, ist die Spannung am Set draußen.

Von Tilda Swinton über Willem Defoe bis hin zu Bill Murray spielen unglaublich viele bekannte Schauspieler mit. Gab es ein starkes Ensemble-Gefühl?

Ja, sehr. Ich habe so etwas Ähnliches bei den Dreharbeiten zu "Schindlers Liste" erlebt. Auch damals wohnten wir alle – mit Ausnahme von Steven Spielberg – im gleichen Hotel. Das steigerte die Intensität der Arbeit und gab ihr noch mehr Gewicht. Bei "Grand Budapest Hotel" war die Stimmung natürlich viel fröhlicher. Wir wohnten alle in einem Hotel in Görlitz, in Ostdeutschland, und für abends wurde ein Koch engagiert. Das schaffte eine sehr familiäre Atmosphäre – so als wäre man bei jemandem zu Hause auf Besuch.

"Grand Budapest Hotel" wurde von Stefan Zweig inspiriert. Kennen Sie dessen Bücher über die Habsburgwelt vor dem Ersten Weltkrieg?

Ja, ich habe "Ungeduld des Herzens" und "Die Welt von Gestern" gelesen. Außerdem kannte ich den Schriftsteller Gregor von Rezzori, der mir ebenfalls viel von damals erzählte. Schließlich spielte ich noch in István Szabós Film "Ein Hauch von Sonnenschein", der in der Habsburgwelt Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist. Ich stelle mir das damalige Wien als Goldenes Zeitalter der großen Ideen vor. Da gab es Vorreiter wie Sigmund Freud mit radikalen Vorstellungen von Sexualität. Und eine sehr starre Gesellschaft, die an der alten Weltordnung festhalten wollte. Gleichzeitig lebten sehr viele verschiedene Völker und Religionen scheinbar friedlich unter der Herrschaft von Franz Josef zusammen. Das ist meine persönliche Vorstellung vom damaligen Wien – als diesem speziellen Ort, bevor die große Schlächterei der Kriege losging.

(KURIER / kob) Erstellt am
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