Nur die inneren Werte zählen: Emma Watson und Dan Stevens kommen einander näher

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"Die Schöne und das Biest": Das Biest, das Shakespeare liest
03/16/2017

"Die Schöne und das Biest": Das Biest, das Shakespeare liest

Disneys Real-Verfilmung als zuckersüßes Singspiel.

von Alexandra Seibel

Man muss schon sehr genau hinsehen. Wenn man gerade mit den Augen blinzelt, hat man ihn schon verpasst: den ersten, offen "schwulen Moment" in einem Disney-Film – in dem ein Mann für wenige Sekunden mit einem anderen...tanzt. Aus dem kolportierte Kuss wurde ein kaum wahrnehmbares Tänzchen. Und die Aufregung um diesen marginalen gleichgeschlechtlichen Augenblick rief im Vorfeld werbewirksame Zensurrufe zwischen Alabama und Moskau hervor.

Dass eine junge hübsche Frau mit einem gehörnten Felltier schmust, machte offenbar niemanden Sorgen. Was die zarte Emma Watson als resolute, wenngleich etwas glanzlose Belle am Ende auch tränenreich tut und das Biest zurück in einen blonden (ein wenig fade aussehenden) Prinzen verwandelt.

Josh Gad aber spielt seinen flamboyanten Knappen LeFou mitreißend, liegt seinem eingebildeten Herren Gaston (lustig: Luke Evans) hingebungsvoll zu Füßen und lässt sich von diesem schlecht behandeln.

Auf Horror-Elemente, die in der französischen "Die Schöne und das Biest"-Verfilmung von 2014 noch für erheblichen Gruselfaktor sorgten, hat Regisseur Bill Condon weitgehend verzichtet.

Dirndl

Abgesehen von ein paar hungrigen Wölfen, wird weitgehend gut gelaunt und kinderfreundlich mit französischem Akzent gesungen und das Leben auf dem Dorfe zelebriert. Dort fadisiert sich die junge Belle im Dirndl zwischen Provinzdeppen und Analphabeten.

Als sich ein zerzauster Kevin Kline als Belles Vater im Wald verirrt und in einem verwunschenen Schloss landet, nimmt das Unglück seinen Lauf. Der Alte reißt für seine Tochter eine Rose ab und landet zur Strafe im Kerker. Belle eilt ihm zu Hilfe und nimmt seinen Platz im Gefängnis ein. Schnell lernt sie den verbiesterten Hausherren kennen: Ein grummeliger Pelzträger mit Hörnern, der Shakespeare liest ("Ich hatte eine teure Erziehung") und die junge Frau mit seiner Bibliothek beeindruckt.

Krimskrams

Bill Condon spart nicht an teuren Schauwerten, stopft seine zuckrigen Bilder mit Rokoko-Krimskrams voll und überzieht sie mit glänzendem Kunstlicht. Haushaltsgeräte wie Tischuhren, Teetassen und Kerzenleuchter beginnen zu sprechen, zu singen und zu tanzen – was übrigens weit weniger charmant aussieht, als man annehmen würde. So gesehen bleibt die angestrebte Zauberhaftigkeit weitgehend aus und hinterlässt statt magischen Momenten polierte Spezialeffekte. Auch dann noch, wenn sich am Ende Teetassen, Tischuhren und Kerzenleuchter in Brit-Star-Schauspieler wie Emma Thompson, Ian McKellen und Ewan McGregor verwandeln.

INFO: USA 2017. 129 Min. Von Bill Condon. Mit Emma Watson, Dan Stevens.

KURIER-Wertung:

Rückfall in konservativen Rachefeldzug in Teheran

Der Boden unter den Füßen eines liberalen, modernen jungen Ehepaars in Teheran gerät plötzlich ins Wanken – und zwar im wörtlichen Sinn: Ihr Wohnhaus entpuppt sich als einsturzgefährdet und muss evakuiert werden. Doch die Risse in ihrer Existenz nehmen weitere Formen an. In der neuen Wohnung wird die junge Frau von einem Fremden in ihrem Bad überrascht und verletzt. Der Versuch, mit diesem Vorfall besonnen umzugehen, scheitert. Vor allem der Ehemann steigert sich unter dem Druck der Nachbarn in einen persönlichen Rachefeldzug hinein. Der Iraner Asghar Farhadi, berühmt für seine filigranen Beziehungsstudien, legt konservative Impulse frei, mit denen sich die Protagonisten selbst nicht mehr wieder erkennen. Auslandsoscar.

INFO: Iran/F 2016. 125 Min. Von Asghar Farhadi. Mit Taraneh Alidoosti, Shahab Hosseini.

Entjungferung mithilfe von Erni Mangold

Greise Frivolität macht Kino-Zuschauer schon längst nicht mehr baff. Im Gegenteil! Die sexuelle Befreiung einer liberalen Senioren-Generation ist inzwischen beinahe selbstverständlich. Das bedrängt jene, die sich einen Lebensabend ohne Sex vorstellen konnten – wie etwa der alte Schwede Karlsson, der als Hundertjähriger aus dem Fenster stieg und verschwand. Nach dem Ausbruch aus dem Altersheim hatte er es sich auf Bali gemütlich gemacht – bis ihn ein neues Abenteuer quer durch die Welt und zurück in seine schwedische Heimat führt. Dabei wird er nicht nur von einem rachsüchtigen Gangster, sondern auch von der CIA und alten Bekannten aus Russland gejagt. Aber noch viel wichtiger war es dem Regisseur des Films offenbar, dass Karlsson als Hunderteinjähriger nun endlich entjungfert werden sollte. Dafür sorgt Erni Mangold, die ihm als Amanda Einstein, die 96-jährige Witwe des Halbbruders, nicht nur den Kopf verdreht. Rund um diesen – Erni sei Dank! – vor allem filmischen Höhepunkt rankt sich eine mit Rückblenden überfrachtete Mischung aus Roadmovie und Agentenkomödie – bis hin zu einer Schießerei an der Berliner Mauer.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: SWE 2016. Von Måns Herngren, Felix Herngren. Mit Robert Gustafsson.

KURIER-Wertung:

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