Die Psyche Freuds – zurück in Wien

Freud Museum: Die Psyche des Sigmund Freud…
Foto: /Oliver Ottenschläger Neuerwerbung des Freud Museums: der grau lackierte Spiegelschrank, gefertigt im Stil der Garderobe

Raffinierte Nabelschau im Freud Museum: die Jahresausstellung "Der Wohnung geht es gut".

Sigmund Freud lebte beinahe ein halbes Jahrhundert, genau genommen 47 Jahre lang, in der Berggasse 19, ehe er 1938 in die Emigration nach London getrieben wurde. Und er lebte dort zusammen mit seiner wachsenden Familie, also mit seiner Frau Martha und den sechs Kindern sowie seiner Schwägerin Minna Bernays, Hinzu kamen die Chow-Chows des Patriachen und Tochter Annas Schäferhund Wolf.

Die Folge war, dass die Wohnung im Mezzanin mehrfach umgebaut beziehungsweise erweitert werden musste. 1908 zum Beispiel wurden drei Zimmer der bis dahin von Freuds Schwester Rosa Graf bewohnten Zimmerflucht als Praxis für den "Vater der Psychoanalyse" adaptiert, der die kindliche Sexualität hautnah, quasi von der Couch aus, studieren hatte können. Und im September 1910 erhielten die Freuds ihr erstes Badezimmer. Darüber berichteten alle drei Töchter dem Familienoberhaupt, das sich währenddessen auf einer Italienreise befand, in Briefen.

Lüns Fressnapf

Seit 1971 befindet sich in diesen Räumlichkeiten das mittlerweile an Kapazitätsgrenzen stoßende Freud Museum. In seiner kürzlich eröffneten Jahresausstellung mit dem Titel "Der Wohnung geht es gut" – so Anna 1910 in einem Brief an ihren Vater – konzentriert es sich auf das Privatleben der Freuds. Mithilfe (leider nur faksimilierten) Briefen und etlichen Fotografien, zwei davon "lebensgroß" aufgeblasen, erzählt Kuratorin Daniela Finzi die turbulente Familiengeschichte ab dem Einzug 1891.

Und sie wartet mit zwei kleinen Sensationen auf. Denn zu sehen ist zum Einen eine Filmsequenz aus 1937 über die Freuds beim Essen, den Direktorin Monika Pessler in einem Washingtoner Archiv entdeckte. Kurz taucht auch der Chow-Chow Lün neben dem Fressnapf auf. Die einstige, streng eingehaltene Tischordnung veranschaulicht in der Schau eine Installation mit den Biografien der Familienmitglieder als Sets.

Zum Anderen präsentiert das Museum, dem es an Originalen ein wenig mangelt, stolz seine Neuerwerbung: Freuds Psyche. Also Spiegelschrank der Familie, der in der Berggasse 19 stand. Dieter Neuhaus, ein evangelischer Theologe aus Berlin, hatte die grau lackierte Frisierkommode vor 20 Jahren gekauft – und überließ sie nun dem Freud Museum. Zum Freu(n)dschaftspreis.

(kurier) Erstellt am
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