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Kultur
12/05/2011

"Die Kommune": Ein Lacherfolg

Der Dogma-Filmer brachte im Akademietheater sein Stück "Die Kommune" zur Uraufführung. Ein Lacherfolg.

von Michaela Mottinger

Rolle rückwärts. In eine Zeit, als die Linke allmählich begann, sich rechts zu überholen. Als Elisabeth Noelle-Neumann ihre Theorie der Schweigespirale formulierte (weil die feige Mehrheit die Pappn hält, kriegt eine goscherte Minderheit recht). Wo's von der WG Richtung Ich-AG ging.

Rolle rückwärts ins Jahr 1975. Kopenhagen.

Hier siedelt Thomas Vinterberg sein neues Stück "Die Kommune" an. Der dänische Filmemacher, der mit Lars von Trier das "Dogma 95"-Keuschheitsgelübde ablegte, und dessen bekanntestes Werk das Missbrauchsdrama "Das Fest" ist, war selbst Kommunenkind.
Eine Binsenweisheit, dass die besten Geschichten das Leben schreibt. Und so beschreibt Autor und Regisseur Vinterberg, der die Story beim Proben mit dem Schauspielkollektiv entwickelte, eine Situation, die auf die eine oder andere Art bekannt ist:

Masse ohne Macht

Ein Freundeskreis im Selbstzerstörungsmodus, weil einer einen neuen Partner einbringt, mit dem's nicht passt. In "Die Kommune" ist es Gründer/ Vater Erek, der seine langjährige Lebensgefährtin Anna sitzen lässt, weil er sich verliebt hat. Und der seine Neue, Emma, miteinziehen lässt. Und der auf leise Proteste der Mitbewohner vom Kuschelkommunarden zum Alphatier mutiert.

Sein Haus, seine Regeln.

So viel zum Basisdemokratie-Bla-Bla, unter dessen Deckmäntelchen vorher sogar abgestimmt wurde, ob die Vegetarier auch Fleisch einkaufen müssen.
Oder ob man die leere Bierkasse aus der Haushaltkasse nachfüllen soll (alle Männer sind dafür).
Es ist nicht die Welttragödie, es ist die kleine, persönliche, genauso schlimme, die Inhalt von Vinterbergs Familienaufstellung ist. Und mag man's belanglos, banal finden - ja, so ist das Leben.

Dabei ist Vinterberg für seine Begriffe ungewohnt ausgelassen heiter. Wie er die Spießbürgerlichkeit seiner Freidenker entlarvt. Wie er die geheuchelte Patchwork-Harmonie platzen lässt. Wie er an der Idee bastelt, dass das Verteilen von Partnerproblemen auf mehrere diese nur potenziert.

Tanz und Musik

All das bietet viel Raum für die wunderbaren Darsteller. Sie füllen ihn. Und wie! Mit Slapstick. Mit nacktem Klavierspiel (Tilo Nest) oder einer Headbanging-Performance zu "Hot Stuff" (Dietmar König).

Im Mittelpunkt aber stehen Joachim Meyerhoff als Erek, ausgestattet mit einem Verständnisvoll-Grinsen, hinter dem die Gefährlichkeit lauert. Und Regina Fritsch als Anna, wie immer top, wenn sie Widersacherin Emma (Adina Vetter fletscht nur in Ereks Abwesenheit die Bissgurn-Zähne) mit spitzzüngigen Seitenhieben geißelt, um ihre Verletztheit zu kaschieren.
Sie alle machen Vinterberg das schönste Geschenk. Sie spielen seine Figuren nicht, sie leben und atmen sie. Auf der Bühne menschelt's. Sehr sympathisch ist das.

KURIER-Wertung: **** von *****

Fazit: Und jetzt wird ein Film draus

Das Stück: Schrieb Vinterberg wie stets gemeinsam mit seinem ehemaligen Lehrer Mogens Rukov. Geistig verwandt mit Yasmina Rezas "Gott des Gemetzels". Nur metzelt hier die Neue Linke der 70er-Jahre.

Inszenierung: Naturtrüb, spritzig, erfrischend. Sonderlob für den Soundtrack von Donna Summer bis Jethro Tull. Im KURIER-Gespräch versprach Vinterberg, bei Erfolg einen Film draus zu machen. Los geht's!

Schauspieler:
Entfesselt, allesamt. Regina Fritsch zeigt wieder welch große Klasse sie hat.

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