Meg Wolitzer veröffentlicht seit 1982 Romane, zuletzt „Saras Freunde“

© /Nina Subin

Meg Wolitzer
08/28/2014

"Die Interessanten": Baby-Boomer im ewigen Ferienlager

Meg Wolitzers in den USA gehypter Roman über Träume und was aus ihnen wird.

von Barbara Mader

In einer kleinen chaotischen New Yorker Wohnung lebt ein einsames Kind namens Wally Figman. Im Kunstunterricht soll Wally einen Thanksgiving-Truthahn malen, formt aber stattdessen aus Ton einen Planeten, den er im Schuhkarton zu sich nach Hause nimmt und unters Bett stellt. Nachts erwacht der Planet zum Leben und Wally fällt hinein in dieses Universum, das ab sofort "Figland" heißt und zur erfolgreichen Trickfilmserie wird, die seinem Schöpfer, dem neurotischen New Yorker Künstler Ethan Figman, zu Ruhm und sehr viel Geld verhilft.

Niemand hätte er das gedacht, damals, im Ferienlager als er, ein pickeliger Fünfzehnjähriger, seine schrägen Ideen ausheckte, um damit seine Angebetete zu beeindrucken. Aber, was weiß man schon vom Leben. Zumindest das: Dass es sich anders entwickelt als erwartet.

Die Interessanten, Meg Wolitzers in den USA bejubelter Roman über das Aufwachsen und Altwerden einer Gruppe von Freunden, die einander einst im Ferienlager kennenlernten, erzählt im Kern scheinbar eine Binsenweisheit – und doch liest man diesen Freundschafts-Entwicklungsroman gierig, als wären seine Protagonisten wirklich allesamt das, was sie schon im Ferienlager zu sein behaupten: "Die Interessanten". Denn nein, besonders interessant sind sie eigentlich nicht, abgesehen von Ethan, der reich und berühmt wird. Im Mittelpunkt der Erzählung steht das Provinzmädchen Jules, dem das Sommercamp eine neue Welt eröffnet. Hier lernt Jules ihre lebenslangen Freunde Ethan, Jonah, Cathy, Ash und Goodman kennen, fünf New Yorker, die sie in ihre privilegierte Clique aufnehmen.

Doch wenn Wolitzer erzählt, was aus den Freunden und ihren Träumen wird, macht sie das so leise und genau beobachtet, dass man vermeint, sie alle zu kennen – und umso mehr von den Volten, die ihr Schicksal schlägt, mitgenommen wird. Ein bisschen tragisch, ein bisschen komisch und sehr überraschend ist dieser Roman, der als harmlose Erzählung vom Ferienlager der späten 60er beginnt, durch das die Haschischwolken wabern und das bis zuletzt als romantisierter Ort der Verheißung in Erinnerung bleibt.

Und dann ist da noch das heikle Thema Freundschaft und Neid. Jules und ihr Mann sind neidisch auf den finanziellen Erfolg ihrer Freunde Ash und Ethan. Und moralisch genug, um sich die Frage zu stellen, ob das mit ihren Freundschaftsgefühlen vereinbar ist. Ein Dilemma, das die New Yorkerin Meg Wolitzer, 1959, im selben Jahr wie ihre Protagonisten geboren, mit großer Raffinesse beschreibt.

Wenn Wolitzer über Freundschaft, Ehe und Sex schreibt, dann sind das natürlich genauso männliche wie weibliche Themen, bloß, so resümierte sie in einem Essay in der New York Times, werde das gerne in die Ecke des "Frauenromans" gestellt: Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides – mit denen sie übrigens oft verglichen wird – schrieben ebenfalls über Familie und Freundschaft, bei weiblichen Autoren, moniert Wolitzer, heiße es dann aber gleich "Frauenliteratur" und werde mit dementsprechenden Coverabbildungen entwertet, die "Bleibt weg, Männer. Lest stattdessen Cormac McCarthy!" schreien.

Eine Klippe, die die amerikanischen und deutschen Verleger hier einigermaßen elegant umschiffen: Das bunt gestreifte Cover sieht wirklich nur ein ganz kleines bisschen nach "Frauenbuch" aus.

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