Die Hölle sind wir, die wir hassen und lieben

"Unter der Treppe" Volkstheater Robert Joseph Bart…
Foto: Lalo Jodlbauer Ein seltsames Paar im Friseurladen: Robert Joseph Bartl ist Charles, und Marcello de Nardo spielt Harry – kompliziert, laut und schrill.

„Unter der Treppe“: Ehe-Szenen einmal anders mit Robert Joseph Bartl und Marcello de Nardo.

Für Pastorentöchter ist diese Ehekomödie nicht geschrieben, fand die Kritik nach der Uraufführung von „Staircase“ 1966. Die „Ehe“ in Charles Dyers Stück ist die zwischen dem gescheiterten Schauspieler Charlie und dem schrill-schrägen Friseur Harry, verfilmt 1969 mit Richard Burton und Rex Harrison. „Unter der Treppe“ – Premiere heute im Volkstheater – ist ein Synonym für die erniedrigende Situation gleichgeschlechtlicher Partner, die im England der 70er-Jahre versteckt leben müssen. Und „unter der Treppe“ in Hassliebe verbunden sind sich Robert Joseph Bartl und Marcello de Nardo (Regie: Katrin Hiller).

Die Assoziation liegt nahe: Ein Eheschlachtenpanorama wie Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ mit einem nicht mehr ganz taufrischen schwulen Paar in der Midlife Crisis? Das uns vermittelt: Die Hölle, das sind wir, die wir einander hassen und lieben?

Lebenslügen

„Nein, das Stück kann viel mehr“, sagt de Nardo im KURIER-Gespräch. „Es geht um die Beziehung zweier Menschen, die sich irgendwo unterwegs verloren haben und mit ihren Lebenslügen aufräumen. Da finden sich Heterosexuelle ebenso wieder, weil die Mechanismen genau die gleichen sind.“

„Auf den Keks geht“ de Nardo, „die Frage, ob sie schwul sind oder nicht.“ Er würde „gern so in der Mitte ankommen, dass das keine Relevanz mehr hat. Es ist einfach ein tolles Stück. Und es ist schrecklich, weil sich Menschen zerfleischen und sich das Fleisch bis auf die Knochen runterschneiden.“

Unerfüllte Träume

Als „größtes Übel“ stellt sich de Nardo vor, „auf ein Leben zurückblicken zu müssen, in dem sich die meisten Träume nicht verwirklichen ließen. Dann wäre ich ziemlich missmutig. Aber genau das passiert: Dass viele Menschen am Ende irgendwo in einer 25 Quadratmeter-Wohnung sitzen, und nichts ist sich ausgegangen.“

„Damit müssen wir leben: Dass wir nicht mehr aufgefangen werden. Dass die Systeme wegfallen. Und wenn im Alter kein Partner da ist, der sagt: ,Komm' Schatz, das ziehen wir jetzt durch!’, dann bin ich allein. Und nichts hat sich eingelöst.“

Und die Schwulenbewegung? „Die ist politisch so was von zahnlos geworden“, moniert de Nardo. „Jetzt dürfen sie heiraten und schon sind sie glücklich. Aber eigentlich beginnt jetzt erst die Arbeit: Wir müssen schauen, dass wir Kinder adoptieren dürfen, dass wir auch Witwenrenten bekommen ... Im Moment haben wir nur Pflichten und keine Rechte. Ein unhaltbarer Zustand.“

Für den Reinhardt-Seminar-Absolventen Bartl – zuletzt auch in der ZDF-Serie „Schafkopf – a bissel was geht immer“ als Pfarrer Ingo Koch zu sehen – ist die Paar-Komödie als Zimmerkrieg eine Rückkehr nach zwölf Jahren vom Münchner Residenztheater nach Wien:

„Am Burgtheater war ich von 137 Ensemblemitgliedern Nummer 137 und habe mir nach der Jahrtausendwende vor dem Cafe Landtmann mit Blick auf die Burg geschworen: Wenn ich nach Wien zurückkomme, muss es für eine schöne Rolle sein. Das hat sich jetzt erfüllt. Und ich bin schon wieder schwer verliebt in die Stadt.“

(kurier) Erstellt am
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