APA11787370 - 07032013 - WIEN - ÖSTEREICH: Sänger und Gitarrist Marcus Mumford von der Band "Mumford & Sons" während eines Konzertes am Donnerstag, 7. März 2013 in Wien. APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET

© APA/HERBERT P. OCZERET

Pop
05/20/2016

Die Hochzeit von Folk und Bombast

Mumford & Sons zeigten sich in der Wiener Stadthalle als eine Band in Wandlung.

von Michael Huber

"Viel ist passiert, seit wir zum letzten Mal hier waren", sagte der Musiker Winston Marshall an einem Punkt des Konzerts der Band Mumford & Sons am Donnerstag in der ausverkauften Wiener Stadthalle. "Wir haben ein neues Album veröffentlicht..."

Wie allen Fans im Saal wohl bewusst war, war das genannte Album "Wilder Mind" nicht einfach ein weiteres Album, sondern eine Abkehr von dem folk-lastigen Sound, mit dem Mumford & Sons ab 2009 berühmt geworden waren. Winston Marshall ist seitdem der Eben-nicht-mehr-Banjospieler der britischen Erfolgsband, sondern primär ein weiterer Gitarrist.

Erwartungshaltungen

Mumford & Sons hatten in Wien mit der unausgesprochenen Herausforderung zu tun, die Pole von alt und neu, laut und leise, akustisch und elektrisch in Einklang zu bringen. Es gelang ihnen über weite Strecken gut - durch eine geschickte Dramaturgie, vor allem aber durch den Frontman Marcus Mumford, der mit seiner unverkennbaren Stimme, seinem Charisma und seiner instrumentalen Mehrfachbegabungen so etwas wie einen Superkleber für brüchig gewordene Bandkonzepte darstellt.

Auch bei altbekannten - und vom Publikum euphorisch aufgenommenen - Songs wie "Little Lion Man", "Lover of The Light" oder "Dust Bowl Dance" drehten Mumford & Sons die Intensitätsregler deutlich nach oben, Show und Sound waren auf Größe ausgelegt - dass das Banjo, das bei alten Songs doch noch zum Einsatz kam, dabei manchmal im Sound unterging, schien nicht wirklich ins Gewicht zu fallen.

Das Kunststück, das vielleicht den Kern von Mumford & Sons ausmacht, gelang in diesen Passagen: Es besteht darin, so etwas wie Intimität und Nähe möglichst groß und laut zu verstärken. Mumford, der mit Fußtrommel und hart gespielter Westerngitarre eigentlich die Werkzeuge eines Straßenmusikers benutzt, kann diese Direktheit auch im großen Rahmen vermitteln.

Grobe Vergrößerung

Irgendwann einmal reißt jedoch der Faden zwischen Nähe und Größe ab, und das ist das Problem, an dem das neue Material teilweise krankt. Natürlich lässt sich das Stadthallen-Format mit E-Gitarren leichter bedienen, doch oft werden dabei schlichte Songs gar grobpixelig aufgeblasen. Wenn Marcus Mumford zur Freude aller während des Stücks "Ditmas" eine Runde mitten durch das Saalpublikum drehte, sorgte das zwar bei allen für Freude, es lenkte aber schon auch vom Song ab. Auch das hart geholzte Cover des Kinks-Klassikers "You Really Got Me" wirkte wie ein verzweifelter Versuch, ein wenig Pub-Atmosphäre in die große Halle zurückzuzwängen.

Was - neben der ungeminderten Begeisterung für Marcus Mumfords Stimme und die Qualitäten seiner Mitmusiker - bleibt, ist das Gefühl, dass diese Band ihren Transformationsprozess noch nicht wirklich abgeschlossen hat. Dass die Musiker die Haut der Folkrock-Helden irgendwann abschütteln wollten, erscheint nur allzu logisch - das Darunter lässt aber noch kein klares Muster erkennen.

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