Die Highlights im Opernjahr 2013

PRÄSENTATION "EISERNER VORHANG 2012/2013: MEYER
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Staatsopern-Direktor Dominique Meyer hat sich rechtzeitig auf das Verdi- und Wagnerjahr vorbereitet.

Opernhäuser in aller Welt scheinen einander mit Wagner- und Verdi-Produktionen überbieten zu wollen. Es wird eng mit den Sängern.

Das Opernjahr 2013 steht im Zeichen der Jahresregenten Richard Wagner und Giuseppe Verdi. Beide wurden vor 200 Jahren geboren, der Bayreuther Meister am 22. Mai 1813 in Leipzig (Wagner starb am 13. Februar 1883 in Venedig), der italienische Gigant – je nach Interpretation des Taufbuches – am 9. oder 10. Oktober 1813 in Le Roncole im Herzogtum Parma (Verdi starb am 27. Jänner 1901 in Mailand).

Opernhäuser in aller Welt scheinen einander mit Wagner- und Verdi-Produktionen überbieten zu wollen. Die Mailänder Scala hat – bis auf zwei Ausnahmen – in diesem Jahr überhaupt nur Werke dieser beiden Komponisten im Opernprogramm.

Der Bayreuther „Ring“

Die am meisten beachtete Produktion dürfte in Bayreuth stattfinden, wo seit 1876 Wagner-Festspiele zelebriert werden. Dort inszeniert Frank Castorf, als Stücke-Zertrümmerer bekannt, den „Ring des Nibelungen“, Kirill Petrenko dirigiert.

Nicht alle finden jedoch diese monothematische Ausrichtung richtig. So ist etwa Wiens Staatsoperndirektor Dominique Meyer ein großer Skeptiker gegenüber Jubeljahren. „Das ist wie eine Karikatur, wenn man überall die gleichen Stücke spielt“, sagt er zum KURIER. „Ich habe da gemischte Gefühle. Einerseits ist man als Opernliebhaber glücklich, wenn es viele solcher Aufführungen gibt. Andererseits bringt das viele Nachteile mit sich.“

Besetzungsprobleme

Welche er konkret meint: „Bei so einer Konzentration ist man im Nachhinein sehr erschöpft. Und für Veranstalter ist sie sogar beängstigend, was die Sänger der Hauptpartien betrifft.“ Wenn ein Protagonist nämlich kurzfristig erkranke, sei es fast unmöglich, spontan adäquaten Ersatz zu bekommen, „weil alle Parsifale und alle Siegmunde anderswo besetzt sind“.

Meyer erinnert sich etwa an Verdis 100. Todestag im Jahr 2001. „Da gab es allein in Italien an einem Tag 17 Aufführungen des Verdi-Requiems. Sieben Tenöre waren krank. Das bedeutet, man hätte allein in Italien 24 erstklassige Tenöre gebraucht. Die gibt es dafür natürlich nicht. Ich möchte gar nicht wissen, wer da aller gesungen hat.“

Wagner, Richard Foto: ÖNB Richard Wagner (1813–1883)

Er selbst hat, mit Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst, sofort nach seiner Designierung im Jahr 2007 begonnen, Sänger für das Wagner-Jahr zu engagieren. Heute ist er stolz darauf, dass in einer Saison die besten Wagner-Tenöre wie Jonas Kaufmann, Stephen Gould, Peter Seiffert oder Johan Botha in Wien singen. Und dass Nina Stemme, die fabelhafte Sopranistin, gleich drei Monate an der Staatsoper verbringt.

Sie singt alle drei Brünnhilde-Partien im „Ring“, der an Wagners Geburtstag mit der „Götterdämmerung“ endet. Und die Isolde in der „Tristan“-Premiere (13. Juni), die – wie der „Ring“ – von Welser-Möst dirigiert wird; Seiffert ist der Tristan.

Trotz Meyers Vorbehalten gegenüber dem Wagner-Jahr werden dessen Werke freilich dennoch in Wien große Präsenz haben. „Das zählt zum Kernrepertoire des Orchesters, das jede Wagner-Aufführung zu einem Erlebnis macht.“

2014 folgt dann die nächste Wagner-Premiere: „Lohengrin“, dirigiert von Bertrand de Billy, mit Klaus-Florian Vogt in der Titelpartie und Camilla Nylund als Elsa.

Meyer selbst wird sich heuer die Generalproben in Bayreuth anschauen, dazu Teile des „Rings“ in Paris und in New York.

Was die adäquate Besetzung von Verdi-Opern betrifft, sei es sogar noch schwieriger als bei Wagner. „Bei einer ,Aida‘ wird es schon eng“, sagt er. Wie feiert die Staatsoper den Verdi-Geburtstag im Oktober? „Lassen Sie sich überraschen.“

Musiktheater 2013

Höhepunkte

Die erste Premiere der Staatsoper im Wagner- und Verdi-Jahr ist Rossini gewidmet („Cenerentola“ am 26. 1.).

Das Theater an der Wien startet mit Händels „Radamisto“ (20. Jänner) szenisch, die Volksoper mit Smetanas „Verkaufter Braut“ (17. 2.).

Die Grazer Oper bringt am 19. 1. Verdis „Falstaff“ heraus.

Das neue Linzer Musiktheater wird am 12. April mit der Uraufführung „Spuren der Verirrten“ von Philip Glass eröffnet, ab 22. September startet dort eine neue „Ring“-Produktion.

In Mörbisch beginnt Dagmar Schellenberger ihre Intendanz am 11. 7. mit dem „Bettelstudenten“. Tags davor hat in St. Margareten „La Bohème“ in der Regie von Robert Dornhelm Premiere.

Bei den Wiener Festwochen ist Verdis „Trovatore“ (26. 5.) die zentrale Opernproduktion. Die Bregenzer Festspiele zeigen auf dem See „Zauberflöte“ (17. 7.).

Die Salzburger Festspiele laufen heuer von 19. 7. bis 1. 9. und bringen Verdis „Falstaff“ (29. 7.) und „Don Carlo“ (13. 9.) szenisch, dazu Wagners „Meistersinger“ (2. 8.) und vieles mehr. Bei den Salzburger Osterfestspielen (23. 3.) dirigiert Thielemann „Parsifal“.

In Erl läuft ab 6. 7. „Rigoletto“, in Bad Ischl ab 13. 7. Hermans „Hallo, Dolly“.

Das war das Kulturjahr 2012

Mariss Jansons und die Wiener Philharmoniker läuten bei ihrem zweiten gemeinsamen Neujahrskonzert das Klimt-Jahr ein. Die Balletteinlage in der Choreografie von Davide Bombana widmet sich dem 150. Geburtstag Klimts mit der Nachstellung seines berühmten Gemäldes "Der Kuss" im Oberen Schloss Belvedere. Heuer waren bei der TV-Übertragung in 73 Länder rund 45 Millionen Menschen live mit dabei. 15. George Clooney räumt mit seinem Film "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten" bei den Golden Globes ab: Der Streifen wird als bestes Filmdrama, er als bester Schauspieler ausgezeichnet. Zur besten Schauspielerin in einem Drama wird Meryl Streep gekürt. Der französische Stummfilm "The Artist" gewinnt den begehrten Golden Globe als beste Komödie und startet so seinen Siegeszug. Die Hommage an die Stummfilm-Ära von Michel Hazanavicius feiert bei der 84. Oscar-Verleihung in Los Angeles mit insgesamt fünf Academy Awards, darunter Auszeichnungen für den besten Film, die beste Regie und den besten Hauptdarsteller (Jean Dujardin), einen Triumph. Ebenso fünf Oscars ergattert der 3D-Film "Hugo Cabret" von Martin Scorsese, allerdings fast ausschließlich in den technischen Kategorien. Meryl Streep erhält nach ihrer 17. Nominierung ihren dritten Oscar als beste Schauspielerin für die Verkörperung der britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Karl Markovics' Regiedebüt "Atmen" war im Vorjahr der österreichische Film des Jahres. Das wird bei der zweiten Ausgabe des Österreichischen Filmpreises ausgiebig gewürdigt: Der Film wird von der Akademie des Österreichischen Films in allen sechs nominierten Kategorien geehrt und u.a. als bester Spielfilm, für die beste Regie und das beste Drehbuch ausgezeichnet. Der Film des Jahres 2012 aus österreichischer Sicht stammt wieder einmal von diesem Mann: Michael Haneke. Er wird in Cannes für "Amour" (Liebe) als erster Regisseur zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Das feinfühlige Demenz-Drama räumte neben unzähligen weiteren Auszeichnungen auch beim Europäischen Filmpreis ab. Haneke wird als bester Regisseur geehrt, Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant als beste Schauspieler. "Amour" wird auch bester Film. Schließlich folgte noch eine Golden Globe-Nominierung und die Aufnahme in die Shortlist für den Auslands-Oscar. Auf der Nominierungsliste der Golden Globes steht auch wieder der Österreicher Christoph Waltz, in der Kategorie bester Nebendarsteller in Tarantinos Edelwestern "Django Unchained". Das Hollywood-Kino stand 2012 wieder im Zeichen großer Kino-Reihen: Christopher Nolans Batman-Verfilmung "The Dark Knight Rises", das neue Bond-Abenteuer "Skyfall" zum 50. Jubiläum, das Ende der "Twilight"-Saga und der Beginn der "The Hobbit"-Trilogie von Peter Jackson. Eine Trilogie besonderer Art hat der österreichische Filmemacher Ulrich Seidl geschaffen. Das Projekt "Paradies" startet erfolgreich mit einer Einladung in den Wettbewerb von Cannes für den ersten Teil "Paradies: Liebe". "Paradies: Glaube" mit Maria Hofstätter (Bild) wird in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Und als Krönung wird der dritte Teil "Paradies: Hoffnung" im nächsten Jahr wieder auf einem A-Festival gezeigt. Bei der Berlinale. Die Viennale, Wiens internationales Filmfestival, startet mit der Premiere von Ben Afflecks Politthriller "Argo" in ihr Jubiläum. Bei der 50. Ausgabe feiern für zwei Wochen Stars wie Michael Caine (re., neben Festivalchef Hans Hurch), Marina Abramovic oder Patti Smith die Projektion von mehr als 300 Filmen. Im Fernsehen konnte Regisseur David Schalko mit der ausgezeichnet besetzten, in der niederösterreichischen Provinz spielenden Serie "Braunschlag" einen Publikumserfolg landen. Der ORF freut sich über rund eine Million Seher pro Folge. Nicholas Ofczarek (rechts) zeigt an der Seite von Robert Palfrader sein komödiantisches Talent. In dem Satire-Format "Wir Staatskünstler" parodiert der omnipräsente Burgstar Nikolaus Pelinka, Michael Häupl und Angela Merkel. Den Salzburger "Jedermann" übergibt er dafür im nächsten Jahr an Cornelius Obonya. Viel Lärm um eine Watsch'n gibt es im Oktober. Der ORF beendet die Zusammenarbeit mit Sido, dem beliebten Juror bei "Die Große Chance". Der deutsche Rapper war nach Ende der Sendung mit "Chili"-Chef Dominic Heinzl aneinandergeraten. Der Bann hält allerdings nicht lange - nach einem Aushilfseinsatz des Kabarettisten Rudi Roubinek holt der ORF Sido wenige Tage später wieder zurück. Heinzls Societyformat "Chili" hingegen soll mit Jahresende von den ORF-Bildschirmen verschwinden. Ach ja: Die zweite Staffel der "Großen Chance" gewinnt ein Hund - und seine "Dog Dance"-Trainerin. Die schwedische Sängerin Loreen gewinnt am 26. Mai den Eurovision Song Contest. Sie setzt sich mit "Euphoria" gegen ihre 25 Konkurrenten durch, Russland und Serbien landen auf den Plätzen. Die Mühlviertler Rapper Trackshittaz verpassen mit "Woki mit deim Popo" den Einzug ins Finale. Dafür waren sie mit ihrem Dialekt-Text Thema im ORF-Talk "Club 2", der übrigens mit Jahresende eingestellt wird. Thomas Gottschalk startet nach seinem Ausstieg bei "Wetten dass..?" seine mit Spannung erwartete ARD-Show "Gottschalk Live", die allerdings bereits am 7. Juni mangels Einschaltquoten wieder eingestellt wird. Auch Entertainer Harald schmied geriät ins Quotentief. Schließlich talkt er fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit beim Bezahlsender Sky. Nach monatelangem Rätselraten wird im März Markus Lanz als Gottschalk-Nachfolger bei "Wetten, dass..?" bekannt gegeben. Im Oktober feiert der gebürtige Südtiroler seine Premiere in der leicht adaptierten Kultsendung. Durchschnittlich 893.000 Österreicher verfolgen den Einstand. Nach der zweiten Ausgabe lästerte Hollywoodstar und Showgast Tom Hanks über die Sendung. "Wenn das nicht Hochqualitätsfernsehen ist", beschrieb er eine Szene, in der er eine Katzenmütze auf seinem Kopf trug und zugeguckt habe, "wie der Moderator in einem Sack um mich rum hüpft". Die Sängerin Petra Frey und der Tänzer Vadim Garbuzov gewinnen die siebte Staffel der "Dancing Stars". Im Finale setzt sich das Paar im Zuschauervoting gegen Ex-Fußballer Frenkie Schinkels mit Profipartnerin Roswitha Wieland durch. Auf dem Kunstsektor war Gustav Klimt der Jahresregent. Genau zu seinem 150. Geburtstag wird in Kammer am Attersee am 14, Juli ein dem Jugendstilmeister gewidmetes Dokumentationszentrum eröffnet. Das "Klimt-Jahr 2012" wird von unzähligen Ausstellungen, prächtigen Büchern und so manchem Touristen-Kitsch begleitet. Das Bild "Der Schrei" des norwegischen Malers Edvard Munch erzielt am 2. Mai in New York einen Rekorderlös. Das Meisterwerk wird bei Sotheby's für 119,9 Millionen Dollar (91,3 Mio. Euro) verkauft und ist damit das teuerste, jemals bei einer Auktion verkaufte Kunstwerk der Welt. Nach monatelangem Streit um seine Amtsführung tritt Gerald Matt am 23. März als Direktor der Kunsthalle Wien zurück. Im Juni wird der Deutsche Nicolaus Schafhausen zum neuen künstlerischen Leiter ab Oktober gekürt. Im Dezember stellt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft das Verfahren gegen Matt ein. Gegen ihn war wegen des Verdachts der versuchten verbotenen Intervention sowie des Verdachts der Untreue ermittelt worden. In Prüfberichten wird der großzügige Vertrag Matts kritisierr, es konnte aber kein unrechtmäßiges Verhalten feststellen werden. Im November gelangt der Rohbericht des Rechnungshofs zum Museum für Angewandte Kunst (MAK) in die Medien, zunächst im KURIER. Darin werden unter anderem manipulierte Besucherzahlen, verschwundene Objekte sowie die umfangreichen Dienstreisen des Ex-Direktors Peter Noevers kritisiert. Noever, der 2011 nach 25-jähriger Amtszeit wegen der Ausrichtung privater Geburtstagsfeiern bzw. falscher Abrechnungen entlassen worden war, teilt mit, dass er die Vorwürfe jederzeit entkräften könne. In Kassel findet die 13. documenta statt. Unter der Leitung von Carolyn Christov-Bakargiev wartet die weltweit wichtigste Schau zeitgenössischer Kunst unter anderem mit Experimenten des österreichischen Physikers Anton Zeilinger, der auch als Berater der Schau fungiert, "Tierkultur" und einem riesigen Baum aus Bronze mit einem Felsbrocken in der Krone auf. Mit 860.000 Besuchern und mehr verkauften Dauerkarten denn je, stellt die 13. documenta Rekorde auf und erzielt auch großteils positiven Kritiken. Künstlergruppen und Agitprop-Aktivistinnen zeigen die Brüchigkeit der Demokratie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion auf. Weltweit bekannt wurde die russische Band Pussy Riot. Mit einem "Punk-Gebet" in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale prangern sie die Allianz zwischen Kreml und Kirche an. In dem umstrittenen Prozess spricht ein Gericht in Moskau drei Gegnerinnen von Präsident Putin wegen Rowdytums schuldig. Eine Aktivistin wird im Berufungsverfahren auf Bewährung freigelassen, die anderen beiden müssen für zwei Jahre ins Straflager. Zahlreiche internationale Stars fordern "Freiheit für Pussy Riot" - so auch Popstar Madonna. Im Juli gastiert sie mit ihrer knalligen MDNA-Show im Ernst Happel Stadion. Die früheren Pop-Hits sind Heavy Metal-Gewittern gewichen: laut, aggressiv, düster, verstörend. Weitere Großkonzerte in Österreich: Star-DJ David Guetta in der Wiener Krieau, Bruce Springsteen mit neuem Album "Wrecking Ball" im Ernst-Happel-Stadion, US-Megastar Lady Gaga erfreut in der Wiener Stadthalle ihre jungen Fans. Einen besonders emotional bewegenden Auftritt hatte George Michael in Wien: Ein Dreivierteljahr nach seiner lebensbedrohlichen Lungenentzündung tritt der Popstar zweimal in der Wiener Stadthalle auf. Im Publikum finden sich zahlreiche Mitarbeiter des naheliegenden AKH, die vom Briten zum Dank für seine Genesung mit Freikarten bedacht wurden. Das Nova Rock eröffnet Anfang Juni die Sommerfestivalsaison. Bands wie die Toten Hosen, Metallica (Bild) und Billy Talent begeistern in Nickelsdorf drei Tage lang je 50.000 Musikfans. Überschattet wird das Festival von schweren Gewittern, die zu einer Evakuierung des Geländes führen und der Tod eines 24-Jährigen. Erstmals viertägig ist das Frequency-Festival in St. Pölten. Bei hochsommerlichen Temperaturen und Konzerten von The Cure, Korn, Bush oder Tocotronic sorgt einzig der krankheitsbedingte Abbruch des Placebo-Konzerts am zweiten Tag für getrübte Stimmung. Bei den Grammy Awards in Los Angeles räumt die 23-jährige britische Sängerin Adele, die heuer auch den Bond-Titelsong "Skyfall" sang, ab und gewinnt sechs Preise, darunter für die "Platte des Jahres" und das "beste Lied des Jahres". Die zweiten Sieger des Abends sind die Foo Fighters, die fünf Grammophone mit nach Hause nehmen können. Andreas Gabalier und Hubert von Goisern sind die zwei großen Gewinner der nach eineinhalbjähriger Pause wieder vergebenen Amadeus Austrian Music Awards. Zu den dialektfreudigen Preisträgern zählen auch der Holstuonarmusigbigbandclub und die Formation Krautschädl. Der selbsternannte "Volks Rock 'n Roller" Gabalier (Bild) setzt seinen Siegeszug in österreichischen und deutschen Hallen fort und ist 2012 omnipräsent. Zum absoluten Internet-Phänomen wurde das Video zum Dance-Hit "Gangnam Style" des koreanischen Sängers Psy. Seit 21. Dezember ist es das erste Video, dass mehr als eine Milliarde Mal auf Youtube angeklckt worden ist.Bei den MTV Europe Music Awards wurde der Clip mit dem verrückten Pferdetanz zum "Video des Jahres" gewählt. Die Salzburger Osterfestspiele finden zum letzten Mal unter der künstlerischen Leitung von Simon Rattle (Bild) und den Berliner Philharmonikern statt. Für die Veranstaltungen, darunter die Opernpremiere von Bizets "Carmen", werden rund 16.000 Karten verkauft. In der sogenannten "Osterfestspiel-Affäre" wird im Dezember gegen drei der Beschuldigten Anklage erhoben - wegen des Verdachts der Untreue und wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen schweren Betrugs. Die Wiener Festwochen verzeichnen eine Rekordauslastung von 96,9 Prozent bei 51.838 verkauften Karten. Zu den Höhepunkten zählen Gastspiele des Theatre du Soleil, des Regisseurs Simon McBurney und der Schauspielerin Cate Blanchett (Bild). Shermin Langhoff legt "aus familiären Gründen" das Engagement als stellvertretende Intendantin zurück. Sie hätte ab 2014 neben Intendant Markus Hinterhäuser als Chefkuratorin fungieren sollen. Im August wird die renommierte belgische Festivalmacherin Frie Leysen zur künftigen Schauspieldirektorin designiert. Die 92. Salzburger Festspiele sind die bisher längsten in ihrer Geschichte. Die Zuschauer-Gesamtzahl von fast 279.000 bedeutet absoluten Rekord. Die Auslastung sinkt jedoch um fünf auf 90 Prozent. Als künstlerisch herausragend gelten die Zimmermann-Oper "Die Soldaten" sowie eine Neufassung der "Ariadne auf Naxos" durch Sven-Eric Bechtolf (im Bild neben Helga Rabl-Stadler), der allerdings von der Presse für sein Schauspielprogramm noch mehr gescholten wird als der neue Intendant Alexander Pereira. "Ich fühle mich mehr geohrfeigt als ich es verdient habe", zieht Pereira Bilanz. Nachdem es beim abschließenden Festspielball zu einem Eklat mit dem polternden Schauspieler Ben Becker kam, gibt es im Herbst noch einmal Brösel: Franz Welser-Möst legt seine Operndirigate bei den Salzburger Festspielen zurück. Er hätte einen dreijährigen Mozart-Da Ponte-Zyklus dirigieren sollen. Als Grund für seinen Rücktritt nennt er die schlechten Aufführungskonditionen für die Sänger mit zu wenigen Pausen zwischen den Vorstellungen. Intendant Pereira, bedauert die Entscheidung, findet aber mit Christoph Eschenbach bereits drei Tage später Ersatz. Die 101. Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth beginnen mit einem Eklat: Evgeny Nikitin, als Sänger für die Titelpartie in der Oper "Der Fliegende Holländer" vorgesehen, muss auf Druck der Festspielleitung seine Auftritte kurzfristig wegen des Tragens von Nazi-Tattoos absagen und wird ersetzt. Der dominierende Künstler dieser Saison ist einmal mehr Christian Thielemann, der neben dem "Holländer" auch den "Tannhäuser" dirigiert. Aber alles wartet schon gespannt auf den "Jubiläums-Ring" zum 200. Geburtstag von Richard Wagner 2013, den Frank Castorf inszenieren wird. Auch bei seiner letzte Premiere als Intendant der Seefestspiele Mörbisch bleibt Harald Serafin der Regen nicht erspart. Das Publikum zeigte sich von Helmuth Lohners "Fledermaus"-Inszenierung dennoch begeistert. Insgesamt zählen die Festspiele in der 20. und letzten Saison Serafins 139.000 Operetten-Fans. Ab 2013 leitet die Sängerin Dagmar Schellenberger die Geschicke des Festivals. Die Eröffnungspremiere der 67. Bregenzer Festspiele gilt der Uraufführung der Auftragsoper "Solaris" des deutschen Komponisten Detlev Glanert. Bis 18. August werden rund 147.000 Besucher gezählt, rund 20.000 weniger als im Vorjahr. Die Reprise der Revolutionsoper "Andre Chenier" auf der Seebühne bringt es nur auf 74 Prozent Auslastung. Die Grazer Opernintendantin Elisabeth Sobotka (46) wird zur Nachfolgerin von Intendant David Pountney (BIld, li.) bestimmt. Nachfolger von Günter Rhomberg (re.) als Festspielpräsident wird der Vorarlberger Unternehmer Hans-Peter Metzler. Aufgrund "unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede über die künstlerische Ausgestaltung und Umsetzung des Programms" hatten die Bregenzer Festspiele ihre Zusammenarbeit mit Roland Geyer beendet, noch bevor sie begonnen hat. Dieser hätte 2015 nach Vorarlberg wechseln sollen und bis 2016 parallel dazu das Theater an der Wien betreut. Nun bleibt er bis 2018 Intendant an der Wien, wo es dieses Jahr zu Unstimmigkeiten mit Hollywood-Regisseur William Friedkin kam, der bei der Adaption seiner Inszenierung von "Hoffmanns Erzählungen" seinen Namen zurückzog. In einer Gala im Wiener Museumsquartier werden die Nestroy-Preise verliehen. Als beste Schauspielerin wird Dörte Lyssewski (Bild) ausgezeichnet, bester Schauspieler ist Joachim Meyerhoff (re.). Der Preis für beste Regie geht an Stephanie Mohr. Den Nestroy für sein Lebenswerk erhält Karlheinz Hackl. Mit dem Nestroy-Spezialpreis wird die Wiener Mittelbühne Garage X ausgezeichnet. Daniel Kehlmann (li.) bekam den Dramatikerpreis für "Geister in Princeton". Das im Schauspielhaus Graz uraufgeführte Stück wurde auch zur besten Bundesländeraufführung gekürt. Günter Grass übt in dem in mehreren Zeitungen veröffentlichten Gedicht "Was gesagt werden muss" heftige Kritik an der Politik Israels und löst damit eine internationale Welle der Empörung aus. Israel verhängt über den Literaturnobelpreisträger ein Einreiseverbot. Der chinesische Autor Mo Yan erhält den Literaturnobelpreis 2012. Der 57-jährige Bauernsohn setzt sich in seinen Werken meist mit dem harten Landleben auseinander. Dennoch wird die Entscheidung des Stockholmer Komitees von einigen Beobachtern wegen zu großer Staatsnähe des Dichters als Kotau vor den Machthabern in Peking kritisiert. Die Frankfurter Buchmesse öffnet mit 7.300 Ausstellern aus mehr als 100 Ländern ihre Tore, darunter mit 139 Verlagen aus Österreich. Am Ende steht - nicht zuletzt dank medienwirksamer Auftritte wie dem von Arnold Schwarzenegger - ein kleines Plus von 0,6 Prozent auf 282.000 Besucher. Gastland 2012 ist Neuseeland (Bild). Ursula Krechel gewinnt den Deutschen Buchpreis für ihren im Salzburger Verlag Jung und Jung erschienenen Roman "Landgericht". Der 29-jährige Grazer Autor Clemens J. Setz schafft es bereits zum zweiten Mal auf die Shortlist. Fünf Jahre nach dem letzten "Harry Potter"-Band erscheint unter großem Rummel der erste Erwachsenenroman der britischen Bestsellerautorin Joanne K. Rowling. Bis zum Erscheinungstermin blieb das Werk "Ein plötzlicher Todesfall" ("The Casual Vacancy") absolute Verschlusssache. Rowlings Roman verkauft sich aber weit nicht so gut wie "Harry Potter". Zum weltweiten Bestseller-Phänomen werden hingegen die Softporno-Bücher "Shades Of Grey" der Senkrechtstarterin E L James. Folgende Künstler haben die Bühne für immer verlassen: Jazz-Legende Dave Brubeck (91), Architekt Oscar Niemeyer (104), Moderator Dirk Bach (51), Sitar-Guru Ravi Shankar (92), Kabarettistin Cissy Kraner (94), Literatur-Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska (88), Kammersänger Heinz Holecek (74), "Beastie Boy" Adam Yauch (47), "Mundl"-Autor Ernst Hinterberger (80), "Bee Gee" Robin Gibb (62), SciFi-Autor Ray Bradbury (91), Komponist Hans Werner Henze (86), "Dallas"-Star Larry Hagman (81). Weltweite Bestürzung löste im Februar der frühe Tod der Souldiva Whitney Houston (48) aus.

(kurier) Erstellt am
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