The exterior of the Metropolitan Museum of Art is photographed, Wednesday, Jan. 9, 2008 in New York. Philippe de Montebello, the longest-serving director of the Metropolitan Museum of Art, announced Tuesday his plan to retire. De Montebello, who took over of the museum in 1977, plans to stay on the job until Dec. 31 or until a successor is found. (AP Photo/Mary Altaffer)

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Kunst
03/02/2017

Die Grenzen des Museumswachstums

Der Direktor des New Yorker Metropolitan Museums trat zurück – er hatte sich mit Projekten überhoben

von Michael Huber

Die Wolken hatten sich zwar schon verdichtet, der Blitz schlug dann aber doch überraschend ein: Dienstagabend wurde bekannt, dass Thomas P. Campbell, Chef des New Yorker Metropolitan Museums, abdankt. Der Umbruch im größten Kunstmuseum der USA wirkt über die amerikanische Szene hinaus: Denn er erschüttert ein Modell des Kulturbetriebs, der private Geldgeber massiv beansprucht und auf ungebremstes Wachstum baut.

Zu viel, zu schnell

Unter Campbell, der seit 1996 als Tapisserie-Experte an dem Museum gewerkt hatte und 2009 in die Chefetage aufrückte, wuchs das Budgetdefizit des Hauses rasant an. Er habe „zu schnell zu viel“ getan, hatten hausinterne Kritiker zuletzt gegenüber der New York Timesventiliert.

Campbell investierte nicht nur massiv in neues „Branding“ und digitale Aktivitäten: Zum 150-Jahr-Jubiläum des Hauses 2020 wollte er einen neuen Gebäudeteil des Architekten David Chipperfield eröffnen. Für diesen hätten 600 Millionen US-Dollar gesammelt werden sollen – die Umsetzung wurde nun jedoch auf Eis gelegt.
Als Zwischenquartier ließ Campbell auch das Gebäude von Marcel Breuer, in dem zuvor das Whitney Museum of American Art residiert hatte, adaptieren: Das „Met Breuer“ war wiederum hilfreich, um den Sammler Leonard Lauder dazu zu bewegen, dem Museum seine Kubismus-Kollektion zu vermachen. Obwohl das vor einem Jahr eröffnete Haus mit 557.000 Besuchern unerwartet hohen Zuspruch fand, bohrte es ein Loch ins Budget – die Einrichtung verschlang über 12 Millionen, der Betrieb braucht 17 Millionen Dollar im Jahr.

Das „Met“ ist mit dieser Situation nicht allein: Auch dieNew Yorker Philharmonikerverschoben die Renovierung ihrer Konzerthalle aus Kostengründen – zuvor hatte man noch den Namen der „Avery Fisher Hall“ weiterverkauft, nach einer 100-Millionen-Dollar-Spende heißt sie nun „David Geffen Hall“. In Kalifornien muss der Direktor Michael Govan 600 Millionen Dollar für das „Los Angeles County Museum of Art“ (LACMA) aufstellen – ob er es schafft, ist ungewiss.

Kultur folgt Konjunktur

Öffentliche Gelder machen im Budget des Metropolitan Museums nicht einmal neun Prozent aus. Rund ein Drittel stammt von Erträgen eines 3,2 Milliarden Dollar schweren Investment-Portfolios, die mit der Börsenlage allerdings schwanken – Campbell brauchte daher auch Rücklagen auf. Gemeinsam mit Spenden machten sie ein weiteres Drittel des Budgets aus, die restlichen Erträge – aus Tickets und Shops – schwächelten ebenso. Den Höhenflug von Campbells Plänen konnte dieses System nicht mehr mitmachen: Der Pilot wählte also den Schleudersitz.

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