Will McBride: Romy Schneider in Paris, 1964

© /Albertina, Wien

Fotografie
03/14/2017

Die Geschichte des Posierens

Die Albertina gruppiert Schätze ihrer Fotosammlung um das zeitlose Thema der Inszenierung.

Der Beitrag zum Thema „Warum Modebloggerinnen alle gleich aussehen“ war in den vergangenen Tagen ein Renner auf KURIER.at. Wenn dies ein Indikator ist, dann ist „Posing“, also die bewusste (Selbst-) Inszenierung für die Kamera, ein höchst aktuelles Thema in unserer digital vermittelten Welt.

Wer es schafft, kurz von seinem Smartphone-Schirm aufzuschauen, könnte sich ein wenig Hintergrundwissen – und möglicherweise die eine oder andere Blog-Anregung – in der Wiener Albertina holen: „Acting for the Camera“ heißt dort eine Ausstellung (bis 5.6.), die das Thema der Inszenierung mit Beispielen aus der hauseigenen Foto-Sammlung illustriert. Dabei zeigt sich die Qualität eines Museums als Ort, an dem historisch in die Tiefe gebohrt und lustvoll verglichen werden kann.

Kein Zufall

Die Albertina-Sammlung beinhaltet ganz frühe fotografische Arbeiten wie jene um 1855 aufgenommenen Daguerrotypien, die den Bildhauer Hans Gasser bei der Arbeit zeigen: Der Künstler hämmerte dabei freilich nicht wirklich mit dem Meißel auf eine Figur ein, sondern behielt seine Pose ausdauernd bei, bis der langwierige Belichtungsprozess abgeschlossen war. Dennoch gelang es dem Fotografen, einen Eindruck der Unmittelbarkeit zu erzeugen, etwa, indem er den Kopf eines Assistenten scheinbar zufällig unten ins Bild ragen ließ.

Waren „gestellte“ Fotos anfangs schlicht eine technische Notwendigkeit, so emanzipierten sich Fotografen, Fotografinnen und ihre Modelle bald zunehmend vom Diktat des Apparats und begannen, die Situation kreativ zu nutzen.

Konnex zu Schiele

Albertina-Sammlungsleiter Walter Moser und seine zwei Co-Kuratorinnen schlagen hier bewusst einen Bogen zurEgon-Schiele-Ausstellung, die im Obergeschoß des Hauses stattfindet (bis 18.6.): Der Expressionist, der seinerseits stark vom Pantomimen Erwin Osen beeinflusst war, posierte gern vor der Kamera, der Fotograf Anton Josef Trčka schuf die berühmtesten Fotos dieser Sitzungen: Wie Moser betont, ist die Grenze zwischen Ideengeber und Erfüllungsgehilfe nicht klar zu ziehen. Inszenierte Fotos sind oft Gemeinschaftsarbeiten.

In den Bildern von Romy Schneider, die Will McBride 1964 anfertigte, ist diese aktive Rolle der Dargestellten ebenso zu sehen wie in Fotos von Tänzerinnen und Schauspielern, die aus unterschiedlichen Sammlungs- und Stilbereichen schlüssig zusammengespannt wurden.

Ein großer Teil der Schau ist den Bilddokumenten des Wiener Aktionismus und verwandter Kunstrichtungen gewidmet: Ohne Fotografie wäre diese Kunst für die Nachwelt großteils nicht mehr vorhanden. Die Namen der Fotografen – etwa Michael Epp bei Aktionen von Rudolf Schwarzkogler oder Ludwig Hoffenreich bei solchen von Günter Brus – sind nur Fachleuten bekannt, in der Beschriftung der Albertina stehen sie an erster Stelle. Bloß wer die Fotovorlagen für Arnulf Rainers übermalte Selbstporträts schuf, ist bis heute ein Geheimnis.
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