Kultur
22.04.2017

Die Frau mit den Mikls an der Wand

Trenklers Tratsch: Die Niederösterreicher laden zum Biennale-Event - und Kulturminister Thomas Drozda trifft weitere Personalentscheidungen.

Am Donnerstag hatte Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ihren ersten Arbeitstag als Landeshauptfrau. Und dieser endete mit einem, um ein Wort von Parteikollegin Maria Fekter zu verwenden, "Wohlfühltermin": Im Palais Niederösterreich in der Wiener Herrengasse fand eine Präsentation der Biennale-Venedig-Teilnehmer Brigitte Kowanz und Erwin Wurm statt. Da sich die Niederösterreicher bei so einem Anlass nie lumpen lassen, fand sich beinahe die komplette Kunstszene ein. Mikl-Leitner wirkte als Kulturverantwortliche hundertmal sympathischer denn einst als Innenministerin. Und im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Erwin Pröll, der scherzhaft gemeint hatte, einzig den "Schatz im Silbersee" gelesen zu haben, ging ihr Bonmot auch auf. Denn sie erzählte, dass sie zu Hause an den Wänden Mikls hängen habe. Nein, nicht die Bilder von Josef Mikl, sondern von ihrem Ehemann Andreas Mikl, einem Hobbymaler.

Peter Weibel, vierfacher Österreich-Kommissär der Biennale, hielt ein brillantes Impulsreferat über die fälschliche Verwendung des Begriffs "Genie" – und er legte dar, wie man zu einem Goldenen Löwen kommt. Leider oft nicht mit guter Kunst.

Alfred Weidinger, ab 1. August Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig, kritisierte das geringe Budget. Eine Ausstellung im 21er Haus komme, so der Belvedere-Kurator, auf gut 800.000 Euro; für die Bespielung des Österreich-Pavillons hingegen stellt der Bund nur 400.000 Euro zur Verfügung. Obwohl die Schau ein halbes Jahr lang läuft (von 13. Mai bis 26. November) und ungleich mehr Besucher hat. Auch wenn das Budget von Kommissärin Christa Steinle "gnadenhalber" um 30.000 Euro angehoben wurde: Der Umgang mit den Künstlern, die viel Geld investierten, sei "letztklassig". Was Weidinger aber nicht erwähnte: Die Rahmenbedingungen standen von Anfang an fest; Steinle hätte sich nicht bewerben müssen.

Ihr Tratsch-Partner vernahm danach, dass Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) kommenden Freitag das Weißbuch für die strukturelle Reform der Bundesmuseen präsentieren will. Dessen Kabinett verstärkt nun Michael Wuerges, der als Stratege in deutschen Werbeagenturen und ab 2012 für die Kunsthalle Wien gearbeitet hat. Drozda soll auch den neuen Leiter für die Kunst- und Kultursektion gefunden haben. Seinem Beuteschema gemäß handelt es sich um einen alten Bekannten: den Diplomaten Jürgen Meindl, derzeit Botschafter in Belgien. Er kennt das Kunstministerium gut aus den frühen 90er-Jahren, als Rudolf Scholten zuständig war. Meindl, 1965 in Linz geboren, ist zurückhaltend, besonnen. Er wäre eine exzellente Wahl.